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Deadly Premonition Director's Cut

Ein Kultphänomen landet auf der PS3.

(C) Access Games/Rising Star Games / Deadly Premonition Director`s Cut / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAls das japanische Horrorspiel "Red Seeds Profile" vor drei Jahren unter dem Namen "Deadly Premonition" auf die westliche Xbox 360 Spielerschaft losgelassen wurde, waren die Reaktionen gespalten, um es gelinde auszudrücken: Von wütenden Verrissen bis hin zu dezent ironischen Lobpreisungen konnte man in der sonst oftmals sehr vorhersehbaren und gleichgeschalteten Videospiel-Presse jede denkbare Meinung finden. Mit dem "Director`s Cut" bekommen PS3-Spieler nun eine leicht überarbeitete Version des polarisierenden Kulthits.


Inhaltlich ist "Deadly Premonition" eine unverblümte "Twin Peaks"-Hommage mit ein bisschen "Silent Hill" obendrauf. Der exzentrische FBI-Agent Francis York Morgan kommt in die waldumrandete US-Kleinstadt Greenvale, um einen mysteriösen Mord aufzuklären und lernt dort sowohl die liebenswert schrulligen Einwohner als auch ein paar tiefdunkle Geheimnisse kennen. Die Zwischensequenzen sind hochgradig cheesy, aber dabei immer witzig und unterhaltsam. Allein unser Protagonist Agent York ist eine Attraktion für sich. Nicht nur ist er ein ausgewiesener Popkultur-Geek mit dem Hang, während längerer Autofahrten über Genrefilme zu monologisieren, er hat auch einen imaginären Freund namens Zach an seiner Seite, der brillianterweise gleichzeitig als Spielersurrogat dient.


(C) Access Games/Rising Star Games / Deadly Premonition Director`s Cut / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWas Spielmechaniken betrifft, ist "Deadly Premonition" am besten beschrieben als ein Open-World-Detektivspiel mit linearen Survival-Horror-"Dungeons" und damit etwa einem "Zelda"-Titel gar nicht unähnlich. Leider bringen die Dungeons nicht ganz so viel Kreativität mit und werden deshalb schnell monoton und lästig. Am schlimmsten wird es, wenn Quick-Time-Events der "Press X to not die"-Schule als Bosskämpfe posieren. Was "Deadly Premonitio"n anderen Titeln voraushat, ist der detailverliebt-simulationistische Ansatz der Spielwelt: Agent York kann sich rasieren und seine Anzüge zur Reinigung geben, und die Einwohner der Stadt haben individuelle Tagesabläufe – ganze 25 Jahre nach "Ultima V" ein immer noch viel zu selten eingesetztes Stilmittel.


Es gibt eine ordentliche Anzahl optionaler Sidequests, die sich allerdings eher für den angenehm überraschten Geheimnisentdecker eignen als für den zwangsgestörten Platintröphäenjäger. Wem es ein Anliegen ist, unbedingt jede einzelne Minimission aufzuspüren und zu erledigen, der läuft Gefahr, frustriert und gelangweilt zu werden, weil die Auftraggeber dieser Quests meist nur an bestimmten Orten zu bestimmten Tageszeiten aufzufinden sind und selbst dann nur in bestimmten Kapiteln der Hauptgeschichte.


(C) Access Games/Rising Star Games / Deadly Premonition Director`s Cut / Zum Vergrößern auf das Bild klickenÜberhaupt hat "Deadly Premonition" das Problem, mitunter mühsam, langsam und umständlich zu sein. Immerhin haben wir es mehr oder weniger mit einem Titel aus der PS2-Ära zu tun, was man gerade dann merkt, wenn Routinetätigkeiten wie das Umschalten zum Pausenmenü einen nervenstrapazierenden Ticken zu lange dauern. Auch die Umgebungskarte im Spiel ist geradezu grotesk nutzlos, schon allein deshalb, weil sie immer nur einen winzigen Ausschnitt der doch ziemlich großen Spielwelt zu zeigen bereit ist. Dazu kommt, dass der "Director`s Cut" zwar die Steuerung verbessert, nicht aber die streckenweise horrende Framerate.


"Deadly Premonition" ist ein Spiel, dass jeder Freund der Videospielkunst gespielt haben muss - nicht nur wegen der amüsant-campigen Cutscenes und der mangelhaften Technik, sondern auch weil es ambitioniert, sympathisch, ehrlich lustig und detailverliebt ist und ständig mit interessanten Mechaniken und Tropenvariationen überrascht. Wer die Schrulligkeiten von "Metal Gear" und "Yakuza" mag, wird "Deadly Premonition" lieben.



# # # Andreas Dobersberger # # #



Entwickler: Access Games
Publisher: Rising Star Games
Plattform: PS3



Grafik: 3/10
Sound: 3/10
Steuerung: 4/10
Spielspaß: 7/10
Gesamt: 7/10





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Unser Gamesexperte Andreas Dobersberger hat Nintendos niedlichen Lebenssimulator "Animal Crossing - New Leaf" genauer unter die Lupe genommen.
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