SLAM Logo
© SLAM Media
SLAM #112 mit Interviews und Storys zu MASSENDEFEKT +++ EISBRECHER +++ HATEBREED +++ SEVENDUST +++ ACE FREHLEY +++ IDLES +++ TOUCHÉ AMORÉ +++ FATES WARNING +++ u.v.m. +++ plus CD mit 15 Tracks! Jetzt am Kiosk!

BioShock Infinite

"Bringen Sie uns das Mädchen und tilgen Sie Ihre Schuld!" Im Rahmen eines solchen Meisterwerks machen wir das natürlich gerne.

(C) Irrational Games/2K Games / BioShock Infinite / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDrei Jahre Wartezeit bedurfte es, um den Nachfolger von "BioShock 2" in Händen halten zu können. Obwohl, wenn man es genau nimmt, könnte man von einem Prequel sprechen, aber auch das ist es den Entwicklern zufolge nicht. Lassen wir also solche Haarspaltereien zur Seite und widmen uns dem neuen Baby von Irrational Games und 2K Marin, das uns nach den nassen Tiefen von Rapture hoch in die Lüfte führt und zurück ins Jahr 1912. Und zwar in eine Stadt namens Columbia, in die wir in der Rolle von Booker DeWitt reisen.


(C) Irrational Games/2K Games / BioShock Infinite / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer frühere Pinkerton-Agent hat Spielschulden und von zwielichtigen Personen – nennen wir sie der Einfachheit halber Geschäftspartner – eine letzte Möglichkeit erhalten, diese zu tilgen. Der Auftrag scheint ganz einfach: Booker soll in die Stadt Columbia reisen, die 1901 auf Geheiß des US-Präsidenten erbaut wurde und seitdem über den Wolken schwebt, gehalten von Ballons und Luftschiffen. In der Stadt hat der selbsternannte Prophet Father Comstock das Sagen, der ein Regime errichtet hat, das man getrost als fundamentalistisch bezeichnen darf. In einem Turm hält er sein göttliches "Lamm", die junge Elizabeth, gefangen, die es nach New York zu bringen gilt.


(C) Irrational Games/2K Games / BioShock Infinite / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSelbstverständlich läuft das nicht ohne Gegenwehr ab, denn die Bewohner wurden über die Ankunft von Booker als Agent von Luzifer höchstpersönlich aufgehetzt. Bevor es allerdings zum ersten Konflikt mit den Sicherheitskräften von Columbia kommt, muss man sich zuerst einmal minutenlang an den bunten und liebevoll ausstaffierten Settings sattsehen – alleine der Jahrmarkt mit den Minispielen, wie auch der Rest des Spiels im gewohnten und glücklicherweise wieder aufgegriffenen BioShock`schen Retro-Charme gehalten, ist sein Geld wert. Für Neugierdsnasen und Achievment-Jäger gibt es hier nicht nur mit Voxaphonen, Kinetoskope, Teleskopen und Ausrüstungen viel zu entdecken und sammeln.


(C) Irrational Games/2K Games / BioShock Infinite / Zum Vergrößern auf das Bild klickenElizabeth, zu der wir nach einer halben Stunde Spielzeit stoßen, erweist sich nicht nur als intelligente Gesprächspartnerin, sondern stöbert Geld, Waffen und Salze (das "Infinite"-Gegenstück zu EVE) auf und macht auch auf herumliegende Dietriche zum Knacken von Türschlössern und Safes aufmerksam, die man tatsächlich auf den ersten Blick übersehen könnte. Außerdem kann sie Risse in der Realität erzeugen, durch die im Kampf nützliche Waffen, Ausrüstung oder Maschinen nach Columbia gezogen werden können. Das bewährte Gameplay atmet in jeder Hinsicht den Geist seiner Vorgänger und ist nur unwesentlich verändert worden, neben diversen Waffen warten wieder allerlei kreative Fähigkeiten darauf, zum Erledigen der Gegner aufgelevelt zu werden.


(C) Irrational Games/2K Games / BioShock Infinite / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIn Sachen Grafik und Sound ist "BioShock Infinite" nahe am Machbaren der aktuellen Konsolengeneration. Auch die Details von Umgebung und Gegenständen nicht immer bis ins Kleinste ausgearbeitet sind – die Atmosphäre als Ganzes ist atemberaubend, wenn auch die dunkle, klaustrophobische Enge von Rapture einem meist farbenfrohen Spektakel gewichen ist. Das mag Puristen schmerzen, schränkt die Qualität des Spiels aber keinesfalls ein. Zu dieser trägt auch maßgeblich die Interaktion des Spielers, der in den beiden Vorgängern bekanntlich stumm geblieben ist, mit Elizabeth bei. Die Immersion ins Spiel funktioniert wunderbar, die junge Dame wächst einem recht schnell ans Herz. Nicht nur durch ihre flinke Zunge, sondern auch ihre hervorragende KI, die sie sich sogar niedersetzen, an Wände lehnen oder Gegenstände aufmerksam studieren lässt.


(C) Irrational Games/2K Games / BioShock Infinite / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWas "BioShock Infinite" aber zu dem großen, überwältigenden Spiels des Jahres 2013 macht, ist die Vertiefung und Vollendung der eingeflochtenen politischen Inhalte, die diesmal maßgeblich um die Komponente religiösen Wahns erweitert worden sind. Der Mikrokosmos Columbia, wie die Entwickler ihn uns hier präsentieren, ist ein brodelnder Hexenkessel aus Obrigkeitswahn, Allmachtsfantasien, Heuchelei, Ausbeutung und schließlich sozialer Unzufriedenheit unter der glitzernden Oberfläche eines scheinbaren Paradieses, dem durch die aufrührerische Vox Populi Ausdruck verliehen wird. Die schwelende Diskussion um etwaigen Rassismus, der im Spiel angeblich mitschwingt, verdeutlicht, dass Irrational Games hier ein Thema angesprochen hat, das im virtuellen 1912 dieselbe Brisanz hat wie im gegenwärtigen 2013 der echten Welt.


Fazit: "BioShock Infinite" ist eine würdige Fortführung eines der faszinierendsten Franchises der letzten Jahre – meisterhaft und liebevoll bis ins Detail, kontrovers und spannend inszeniert!



# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Entwickler: Irrational Games/2K Marin
Publisher: 2K Games
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC



Grafik: 9/10
Sound: 10/10
Steuerung: 9,5/10
Spielspaß: 10/10
Gesamt: 10/10







Das gefällt mir! Weiter-tweeten
Zum Start von Microsoft neuer Konsole haben wir acht Starttitel gezockt bis die Finger am Glühen waren.
Der Titel spricht in diesem Fall leider Bände.
Unser Gamesexperte Andreas Dobersberger hat Nintendos niedlichen Lebenssimulator "Animal Crossing - New Leaf" genauer unter die Lupe genommen.
Caramba! Wer will einen Teller (blaue) Bohnen (zwischen die Augen)?
"Eiei" oder "Aye aye" – das ist hier die Frage.
Trahorrorgödie.
Rock Classics
Facebook Twitter