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SNUFF (SLAM-ZINE #9)


An einem regnerischen Abend klingelt mein Telefon und Duncan, der gut gelaunte SNUFFer, ruft pünktlich zum vereinbarten Interviewtermin an.

Den Engländer scheint das deutsche Regenwetter keineswegs zu stören. Ob es am kürzlichen Sieg seines Lieblingsclubs Newcastle United liegt oder am neuen Album "Disposable income" steht in den Sternen…


Lass uns doch zunächst über euer neues Album reden, Duncan, bevor ich noch vollends neidisch auf deine gute Laune werde!

Warum nicht? Wir könnten aber auch eine Stunde über Michael Knight reden. Der läuft hier gerade im Fernsehen… Mann ich wünscht ich hätte so ein Auto!

Und ich wünschte, ich könnte Songs schreiben wie Mötley Crue.

Echt? Mann, da sind wir auf einer Wellenlänge Mirko! DIESE Band vergöttere ich ja!

Wirklich? Ich muß gestehen, ich fand die immer scheiße, aber für einen Running-Gag sind sie immer noch gut.
 

Das stimmt. Und um ehrlich zu sein höre ich mir deren Alben immer dann an, wenn ich nicht mehr weitermachen will. Und plötzlich merke ich: Wie tief ich auch sinke, es gibt immer etwas schlechteres!

Haben Mötley Crue euch auch aufgemuntert nach dem miserablen "Numb Nuts" noch weiter zu machen? Hand aufs Herz, Duncan: Dieses Album war scheiße!

Hey hey, normalerweise beleidigen mich Journalisten immer erst am ENDE des Gesprächs, du scheinst da etwas forscher zu sein, haha! Also um ehrlich zu sein: Ich hätte nie gedacht, dass "Numb Nuts" so sehr einen auf den Deckel kriegen würde! Fakt ist aber, dass viele Fans die CD wirklich nicht sooo toll fanden. Es war schon sehr schwer, in den letzten drei Jahren weiterzumachen, aber wir haben den Mut zusammengenommen und ich finde, mit "Disposable income" auch ein verdammt gutes Album abgeliefert.

Das beste SNUFF-Album wie ich finde. Endlich mal wieder der Druck, der frühere SNUFF-Platten ausgemacht hatte! Das mein ich übrigens ernst und nicht als Reaktion auf deine fehlende Kritik-Fähigkeit…

Naja, ich muss zu meiner Schande gestehen, dass einige der Songs nicht mal neu sind. "7 days" beispielsweise stammt aus dem Jahre 1994 oder `95.

Wirklich? Also kann man doch nicht sagen, dass SNUFF 2003 wirklich die Kurve gekriegt haben sondern nur alte Sachen neu aufwärmen?

So schlimm würde ich es nicht sagen, aber es ist schon so, dass wir an einem Wendepunkt angekommen waren. Auf der Suche nach neuen, guten Ideen fängst du halt immer an jenem Punkt an, an dem du zuletzt echt gut warst und wie wir fanden war das Mitte der Neunziger. Nichtsdestotrotz wollten wir etwas Neues schaffen…

… also habt Ihr Computer mit eingebaut?

Ja, das ist richtig. Ich glaube, die Arbeit im Studio und das Einbauen von Computer-Elementen in die Musik ist das Spannendste, das ich je gemacht habe!

Hoppla, warum das denn? Als Vollblut-Rockmusiker müsstest du so etwas doch hassen…?

Naja, eigentlich schon. Aber Du musst es mal so sehen: SNUFF existieren seit 1990 und damals gab es gerade einmal diese alten Atari-Computer und ähnlich langweiligen Kram… hätten wir damals damit herum experimentiert hätten wir geklungen wie Kraftwerk.

Und ihr wärt wahrscheinlich zu Helden der New-Wave-Punk Bewegung geworden…

Nein, das bestimmt nicht. Eher zu den am meisten ausgebuhten Musikern der Insel! Damals spielte dieser Gedanke für uns keine Rolle, da wir mit Computern nicht das unterstützen konnten, was wir heute machen. Und es ist ja auch nicht so, dass die Drum`n`Bass-Elemente auf diesem Album eine tragende Rolle spielen. Es ist ja mehr ein Geplänkel im Hintergrund. Vordergründig rocken wir einfach alles kaputt…

Das stimmt. Nicht jedoch in "We are nowhere", wo die Rock-Gitarre von einem fiesen Drum and Bass-Sound zerstört wird.

Dieser Song ist mehr ein Gag-Song, den wir machen wollten, man kann ihn getrost ignorieren. Es geht darin um Crack-Pipe-Smoker und der Song hat einen extrem simplen Text.

Kann es überhaupt sein, dass ihr widersprüchlich wirken wollt mit dem neuen Album? Auf der einen Cover-Seite zeigt ihr einen chemischen Benzinkanister, eine Seite weiter steht eine bayrische Folklore-Gruppe…

HALT! Du bist bereits der Zweite, der denkt, das seien Bayern! Quatsch! Das sind Monish Dancers!

Bitte wer?

Monish Dancers aus Nord-England. Das sind keine Alpen-Affen wie ihr in Deutschland sondern pures Englisches Volkstum. Zum Erbrechen aber wenigstens Englisch! Zugegeben, die sehen genauso lächerlich aus wie ein Münchner Bratwurst-Verkäufer… egal! Jedenfalls hast du Recht mit deiner Frage, es ging uns tatsächlich um das Unterstreichen dieser Gegensätze. Auch inhaltlich lassen sich gewisse gegensätzliche Standpunkte wieder finden…

Hast du auf den Aufnahmen eigentlich getrommelt UND gesungen oder nur letzteres?

Ich habe nur die Songs eingesungen. Es ist für mich wie ein neues Instrument, das ich spiele, wenn ich mein Shure in der Hand halte. Früher war es gänzlich anders als ich mich hinter meinem Schlagzeug verschanzen konnte…

Wo du es schon selbst ansprichst: Wieso tourt ihr so wenig? Gerade eben habt ihr eure Support-Shows für die Mighty Mighty Bosstones abgesagt…

Naja, das ist bei uns alles nicht mehr so einfach wie früher. Wir haben Familien zu ernähren und nörgelige Frauen mit Kindern am Bein. Damals haben wir einfach gesagt "gib mir Spritgeld und einen Fußboden zum Schlafen, dann passt das schon". Heutzutage müssen wir von einer Tour einen gewissen Gewinn mitnehmen, wollen einen vernünftigen Sound haben, wodurch wir einen extra Techniker mitnehmen müssen, der zusätzlich Geld kostet und so weiter. Am Ende würde eine normale SNUFF-Show für die Kids unbezahlbar werden, weshalb wir ganz genau drauf schauen, wann wir wo wieder spielen werden. Ich weiß, das hat nicht mehr viel mit dem alten Spirit zu tun, jedoch bemühen wir uns, ein halbwegs vertretbares Mittelmaß zu finden…

Lass uns dann noch über eure Trennung von Fat Wreck und das Signing bei Golf Records reden. Würdest du diese neue Konstellation als Gewinn oder Verlust ansehen?

Das ist schwer zu sagen, man kann das nicht verklausulieren. Fakt ist, dass wir bei Fat sämtliche Rechte, sowohl Label- als auch Verlagsrechte weggegeben hatten und damit nichts mehr selbst in der Hand hatten. Bei Golf ist das anders, dort releasen sie einfach unsere CDs.

Das klingt ganz so, als sei die Trennung nicht ganz friedlich verlaufen…?
Ich möchte hier keine schmutzige Wäsche waschen aber es gab einigen Zwist
 beim Herauskaufen unserer Verlagsrechte bei Fat Wreck. Wir besitzen jetzt wieder sämtliche Rechte an unserer Musik und das ist gut so.

Wart ihr vielleicht auch enttäuscht, dass ihr (obwohl eine der ersten Bands des Labels) dort keine allzu große Rolle mehr gespielt habt?

Das kommt dazu, ja…

Abschließend lass mich dir die Frage stellen, was DEINE Meinung ist, warum britische Musik immer anders klang als alles andere und wohl auch immer anders klingen wird?

Haha, wir sind halt besser als die anderen, ist doch ganz einfach! Nein, mal im ernst, ich glaube Englische Bands haben immer die gleichen Vorbilder gehabt wie z.B. deutsche Bands, ich meine wir haben doch alle immer über den großen Teich geschaut aber es irgendwie geschafft dem ganzen noch einen Stempel aufzudrücken.

Nicht zuletzt durch euren seltsamen britischen Akzent?

Ja, der spielt da auch eine große Rolle! Eine deutsche Band wird nie so sexy klingen wie wir Britisch Bulldogs!

Aber du meinst im Speziellen solche Bands wie Broccoli, die nach 1:1 Leatherface klingen aber dennoch als die Vorreiter des britischen Emo gelten?

Naja, die waren eine absolute Schubladenband, ich habe das Broccoli-Phänomen nie verstanden. Aber schau Dir auch Bands wie My Bloody Valentine oder die Smiths an, dann weißt du, was ich meine…

Und SNUFF? Wer beeinflusste SNUFF?

SNUFF covern seit 13 Jahren The Who mit einer Prise GBH. Und keiner merkt es. Toll, nichtwahr?
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"Und jetzt haben wir zum ersten Mal viel Zeit in einem Majorstudio verbracht."

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