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Live-Review: SLUT in der Stuttgarter Röhre (18.03.2008)

Das Konzert ist ausverkauft und ich bin voll von freudigen Erwartungen. SLUT sind für mich ganz klar die deutschen RADIOHEAD, was ihr aktuelles Album "Still No.1" und das Überalbum "Lookbook" (2001) beweisen...
 
NEW VIOLATORS (c) Fabian Toenges / Zum Vergrößern auf das Bild klickenNEW VIOLATORS (c) Fabian Toenges / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDoch bevor ich nun in überschwänglichen Lobeshymnen über SLUT versinke, müssen vorher die NEW VIOLATORS aus Trøndheim noch eine positive Erwähnung finden. Die vier Norweger, mit einem sehr charismatischen Frontmann, spielen eine sehr angenehme Mischung aus JOY DIVISION, U2 und A-HA mit düsteren, teils tanzbaren Keyboardflächen. Skandinavisch, melancholisch, super!

Um 22.00 Uhr entern SLUT zu den Klängen von "Sum It Up" die Bühne. Auf eine große Filmleinwand hinter den Musikern werden verwaschene Filmschleifen projiziert, die zeitversetzt, auch auf vier alten Bildschirmen auf der Bühne zu sehen sind. Mit kleinen Halogenlampen auf Gitarren und Bass strahlen SLUT ins Publikum und stimmen den Opener "Come One" an. Alle Musiker sind in schwarz gekleidet, der Farbe der Intelektuellen, was wohl noch aus der Zeit als Theatermusiker bei der Dreigroschenoper her rühren dürfte.

SLUT (c) Fabian Toenges / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSLUT (c) Fabian Toenges / Zum Vergrößern auf das Bild klicken "Soda", vom ersten Album "Interference" ist eine Überraschung für Fans der ersten Stunde und der Abend soll noch zu einem wahren Hitfeuerwerk der Band werden wie "Time Is Not A Remedy" und "All We Need Is Silence" vom gleichnamigen Album beweisen. Und schon jetzt riecht der ganze Auftritt wohl duftend nach Konzept.

Zu "Still No.1" setzt sich Gitarrist Rainer Schaller ans E-Piano und Keyboarder René Arbeithuber wechselt an die elektrische Gitarre, während im Hintergrund erneut unscharfe Filmsequenzen zu sehen sind. "Ariel" vom neuen Album geht dann schon schwer in Richtung RADIOHEAD: Multiinstrumentalist René Arbeithuber bearbeitet mit seinen Drumsticks einen ausgedienten Heizkörper (!!!) und ein Standtom mit Becken drauf. Das ist unglaublich innovativ, frisch und verleiht dem Stück noch mehr Atmosphäre, ebenso wie das "Lookbook"-Stück "Swingquest", das Sänger Chris Neuburger am Piano spielt und wo Rainer Schaller ans Xylophon wechselt.

SLUT (c) Fabian Toenges / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSLUT (c) Fabian Toenges / Zum Vergrößern auf das Bild klickenChris ist an diesem Abend überaus spielfreudig, ob bei "Odds And Ends" an der Akustikgitarre oder bei "Better Living" an Telecaster und Akkordeon. Der SLUT-Frontmann durchleidet seine Songs und intoniert wunderbar pathetisch. Die Moshpit-Saison eröffnen dann das obligatorische "Easy To Love" und das ältere "Rocket" vom zweiten Album "For Exercise And Amusement". Schlagzeuger Matthias Neuburger tauscht bei "Say Yes To Everything" sein Schlagzeug gegen das Xylophon und das erste Set wird mit einem Rausch aus Glitterkanonen beendet. Das Publikum tost und fordert natürlich mehr.

Chris Neuburger spielt "Wednesday" solo am Piano als erste Zugabe des Abends. Nach und nach kommen die restlichen Bandmitglieder dazu, um "Die Moritat Von Mackie Messer" aus der Dreigroschenoper, dem einzigen deutschen Lied des Abends, zu huldigen. Heftig gepogt wird dann wieder zu "Why Pourqoi" vom Album "All We Need Is Silence", ehe die Band erneut die Bühne verlässt.

NEW VIOLATORS (c) Fabian Toenges / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSLUT Setlist (c) Fabian Toenges / Zum Vergrößern auf das Bild klicken"Wir hätten da noch zwei weitere Stücke, die uns sehr am Herzen liegen würden… wenn ihr wollt?!" Natürlich wollen wir, um uns bei "Staggered And Torn" noch mal richtig auszutoben. Das grandiose "Hope" trägt Musiker wie Publikum in die Nacht hinaus. SLUT haben einen genialen Querschnitt all ihrer Schaffensphasen gespielt und sind zu Recht DIE wichtigste Indie-Band Deutschlands.

Nach dem Konzert plaudere ich noch kurz mit Mathias und Chris Neuburger und die Band bestätigt mir ihre wieder erlangte Spielfreude, die sie an diesem Abend grandios zum Ausdruck gebracht hat. Auf meinen ehrlich gemeinten Vergleich mit RADIOHEAD fühlt sich Chris dann auch sehr geschmeichelt und errötet leicht. SLUT sind zurück und 2008 wir ihr Jahr. Ganz bestimmt!

###Fabian Toenges###
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