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70 Jahre Marvel Comics

Der weltgrößte Comic-Verlag, dem wir Charaktere wie Spider-Man, die X-Men, die Fantastischen Vier, den Hulk und viele weitere verdanken, feiert heuer runden Geburtstag. Zeit für einen Rückblick auf 70 Jahre Superheldengeschichte(n).

special_70_jahre_marvel_comics_bild_1_teaser / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSeit längerem werden Kinogänger mehrmals pro Jahr mit High Budget-Verfilmungen von Comic-Adaptionen beglückt. Der überwiegende Teil von ihnen widmet sich Stoffen aus der Welt der Superhelden, vor allem aus der amerikanischen Ideeschmiede der Marvel Comics. So sind 2008 "Iron Man" (mit Robert Downey Jr. als Waffenhändler und Superheld Tony Stark) und "Der unglaubliche Hulk" (mit Edward Norton als grünem Monster) über die Leinwände gelaufen.


Abseits spektakulärer Computereffekte und epischer Storys spricht die Kritik dazu meist von kurzweiligem Popcorn-Kino (wie etwa "Fantastic Four" Teil 1 und 2) bis hin zu psychologischen Studien mit Tiefgang wie "Hulk" aus dem Jahr 2003. Ein Vorreiter der moderneren filmischen Umsetzung von Marvel-Stoffen ist vor einem Jahrzehnt erschienen und löste eine Welle von weiteren Comic-Adaptionen aus, die bis heute anhält. In "Blade" von 1998 und seinen beiden Sequels machte sich Wesley Snipes als "Daywalker" auf die Jagd nach Vampiren und bescherte den fünf Jahre vorher gegründeten Marvel Studios den ersten Blockbuster von vielen (Ironie der Geschichte dabei ist, dass Snipes später vom Jäger selbst zum Gejagten, nämlich der amerikanischen Steuerbehörde, wurde).


special_70_jahre_marvel_comics_bild_2_marvel_comics_1 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWas aber steckt hinter dem "House of Ideas" mit Sitz in New York City, einem Entertainment-Konzern mit Jahresumsatz von mehr als Millionen Dollar pro Jahr? Was hinter den Comic-Stoffen, die die Sehnsucht ihrer Leser nach Helden und ihren übermenschlichen Fähigkeiten stillen? Ein Überblick im Zeitraffer über nunmehr 70 Jahre Comic-Geschichte(n). Um die Geschichte des heute größten Comic-Verlags der Welt nachvollziehen zu können, muss man einige Jahrzehnte in der Zeit zurückreisen. Während in Europa bereits der Zweite Weltkrieg tobt, erscheint im Oktober 1939 die erste Nummer von "Marvel Comics" des jungen New Yorker Verlages Timely Publications. Schon in den frühen Ausgaben tauchen Charaktere auf, die eingefleischten Lesern auch heute ein Begriff sind, beispielsweise ein androider Vorgänger der "Fackel" von den Fantastic Four oder der Antiheld Namor the Sub-Mariner.


Dass die in den Billigheftchen erzählten Abenteuer voller "mystery, action and adventure" rund um ihre mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und Kräften ausgestatteten Figuren schnell zum Verkaufsschlager werden, verdankte Marvel nicht zuletzt dem Pioniertum seines späteren ewigen Konkurrenten DC Comics. Dort war im März 1938 die erste Nummer der Reihe "Action Comics" erschienen, die niemand Geringeren als den Urvater aller Superhelden eingeführt hatte: Superman. Seinem erfolgreichen Debüt folgten schnell weitere der berühmtesten und beliebtesten Helden DCs wie Batman, Wonder Woman, Flash und Green Lantern. Diese erste Hochzeit des neuen Genres der Superhelden, das sogenannte "Golden Age" der Comics in den Vereinigten Staaten, bescherten Marvel und DC Verkaufszahlen in Millionenhöhe – pro Heft, versteht sich. Eine Zahl, von der heutige Comic-Macher nur noch träumen können.


Übertroffen wurden die Verkaufszahlen von Marvels erster Serie schließlich im Jahr 1941 durch eine weitere allbekannte Comic-Figur: Captain America, der sich dem patriotischen Geist entsprechend gegen Nazis und Japaner in die Schlacht warf. Er war der Topseller des Verlages und übertraf an Verkaufszahlen zu dieser Zeit sogar große Magazine wie die "Time".


special_70_jahre_marvel_comics_bild_3_stan_lee / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer Höhenflug der Superhelden sollte nur bis zum Ende der 1940er Jahre andauern. Die Popularität Captain Americas und seiner kräftigen Kollegen war im Sinken begriffen, der McCarthyismus dämmerte herauf und Dr. Fredric Wertham veröffentlichte sein berühmt-berüchtigtes Buch "Seduction of the Innocent", in dem er die Comics als verderblichen Einfluss auf das soziale Verhalten von Kindern und Jugendlichen erkannt zu haben glaubte. Als Folge dieser negativen Publicity wurde noch im Erscheinungsjahr des Buches, 1954, die "Comics Code Authority" als Mittel zur Selbstzensur der Comic-Schaffenden eingerichtet.


Captain America war das letzte Mal bereits im 1950 erschienen; vier Jahre später scheiterte der Versuch, ihn mit anderen, zeitgemäßen Gegnern zu neuem Ruhm zu führen, kläglich: "Captain America, Commie Smasher!" Das Interesse der Leser verlagerte sich zusehends auf das Genre der Horror- und Monster-Comics, deren Popularität nicht zuletzt die allgegenwärtige Ufo-Hysterie und ein Klima antikommunistischer Paranoia widerspiegelten.


Ab der zweiten Hälfte der 1950er Jahre war es wiederum Konkurrent DC, der das "Silver Age" der Comics einleitete und den Superhelden endlich wieder vermehrte Gunst der Comic-Leser sicherte. Marvel, zu dieser Zeit noch unter dem Titel Atlas Comics geführt, änderte die künstlerische Ausrichtung seiner Horrorserie "Strange Tales" und brachte darin wieder vermehrt Superhelden in Stellung. Angespornt vom Erfolg dieser Helden-Renaissance, herbeigeführt durch das legendäre Kreativ-Dreamteam Stan "The Man" Lee (Autor) und Jack Kirby (Artwork), folgte eine Welle von neuen Serien.


special_70_jahre_marvel_comics_bild_4_amazing_fantasy_15 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDiese Glanzzeit der nunmehrigen Marvel Comics, welche an Verlaufszahlen DC bald überflügeln sollten, resultierte aus der realistischeren Herausarbeitung der Charaktere und neuen innovativen Erzähltechniken. Ein neuer psychologischer Ansatz verlieh den Figuren Tiefenschärfe und nicht zuletzt Glaubwürdigkeit. Auch Helden waren letzten Endes nur Menschen (wenn auch Mutanten oder außerirdischer Herkunft) mit Problemen und Sorgen, mit denen sich die Leser identifizieren konnten.


Dies ist bis heute ein wesentlicher Faktor für den künstlerischen und kommerziellen Erfolg Marvels geblieben. Das vielleicht bekannteste Identifikationsobjekt vor allem für jugendliche Comic-Fans erwies sich seit Oktober 1963 als Bestseller: Spider-Man. Beim Spinnenmenschen zeigte sich, dass zwar "aus großer Macht große Verantwortung" resultierte, diese Macht aber nicht vor den Widrigkeiten des Alltags zu schützen vermochte.


Das "Silver Age" brachte bei Marvel Comics nicht nur die Fantastic Four, Hulk oder Daredevil hervor, sondern auch die Mutanten vom Dienst: Als in den 1970er Jahren das Interesse an Marvels Superhelden erneut abzuflauen schien, waren es vor allem die "X-Men", die mit einem neuen Kreativteam das Unternehmen stützten und sich bald als dessen Flaggschiff erwiesen. Marvel exportierte seine Superhelden überdies in andere Medien, vor allem als Zeichentrickserien im Fernsehen.


Mit dem jungen Jim Shooter als Editor in Chief ab 1978 wurde die künstlerische Qualität der Marvel Comics erneut angehoben und die Institution des "Crossovers" eingeführt. Dabei handelt es sich um mehrteilige, oft epische Storylines, welche auch heute noch durch verschiedene Superhelden-Titel des Verlags laufen und somit den Leser einer Serie zwingen, des vollständigen Lesegenusses wegen auch Ausgaben anderer Charaktere zu kaufen.


special_70_jahre_marvel_comics_bild_5_x_men_1 / Zum Vergrößern auf das Bild klicken1988 wurde Marvel aufgekauft und an die Börse gebracht. Die frühen Neunzigerjahre brachten nicht nur eine wahre Flut an neuen Serien, sondern auch das meistverkaufte Heft in der Geschichte der Comics überhaupt: Die Erstausgabe einer zweiten monatlichen "X-Men"-Serie im Oktober 1991 verkaufte sich sensationelle acht Millionen Mal. Erreicht wurden diese astronomischen Verkaufszahlen einerseits durch mehrere Varianten des Covers, die aneinandergelegt ein Panoramabild ergaben; andererseits durch den Spekulationsboom am Comic-Markt, dessen jähes Ende nicht nur Marvel in die tiefroten Zahlen rutschen ließ, sondern eine generelle Krise der gesamten Comic-Industrie illustrierte. Mit der Übernahme des Unternehmens durch den Finanzier Isaac Perlmutter, gemeinsam mit Bill Jemas als Publisher und Bob Harras als neuem Editor in Chief gelang es ab 1997, die Comic-Linie zu stabilisieren.


Als vierter Mann mit von der Partie war Avi Arad, dem bereits 1993 die Kontrolle über die neuen Marvel Studios zur filmischen Umsetzung der hauseigenen Lizenzen übertragen worden war. Erster Streich war der bereits erwähnte "Blade", der weltweit fast das Dreifache seines Budgets von 45 Millionen Dollar einspielte. Die "X-Men" mit Patrick Stewart als Obermutant Professor Charles Xavier sorgten für den nächsten Box Office-Hit, ebenso das "Blade"-Sequel von 2000.


Zwei Jahre später gelang Marvel der bis dahin größte Erfolg: "Spider-Man" mit Tobey Maguire und Kirsten Dunst spülte sagenhafte 821 Millionen Dollar in die Kinokassen; ein Wert, den bis jetzt lediglich der dritte Teil der Reihe aus dem Vorjahr toppen konnte (mit 891 Millionen Dollar einer der erfolgreichsten Kinofilme überhaupt). Die großen Erfolge der Marvel-Helden im Kino sorg(t)en dafür, dass in den nächsten Jahren weitere Charaktere aus dem Back-Katalog auf die Leinwand drängen werden, darunter Thor (geplant für 2010), Captain America sowie die Avengers (beide vorgesehen für 2011). Wie man weiß sind auch Regisseur Sam Raimi und Tobey Maguire als sympathischer Wankrabbler aus der Nachbarschaft wieder an Bord für "Spider-Man" Teil 4 und 5.


special_70_jahre_marvel_comics_bild_6_civil_war / Zum Vergrößern auf das Bild klickenZu Beginn des dritten Jahrtausends sieht sich Marvel vor neue Herausforderungen nicht nur wirtschaftlicher Natur gestellt. Neben dem seit den 1990er Jahren stark rückläufigen Comic-Markt in den USA und dem Konkurrenzdruck durch Computerspiele, Internet und Fernsehen aus ökonomischer Perspektive hat vor allem das nationale Trauma von 9/11 in künstlerischer Hinsicht für die Entwicklung der Comic-Produktion einige Bedeutung. Die Marvel Comics sind seit 2001 wesentlich politischer geworden und näher an die reale Welt gerückt. Der 11. September 2001 wurde nicht nur durch entsprechend daran mahnende Logos auf den Titelseiten der hauseigenen Serien reflektiert, sondern auch in den Storylines.


Einen vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung stellt das Crossover "Civil War" von 2006/07 dar, in dem sich die Superhelden als Folge eines "Superhuman Registration Acts" der Kontrolle der US-Behörden unterwerfen sollten. Durch innovative Handlungen wie diese und künstlerische Neuinterpretationen bestehender Charaktere ist es Marvel gelungen, die Comic-Verkäufe nach der Krise der 1990er Jahre zu stabil zu halten.


Hierzulande sind die Marvels seit Jahrzehnten fixer Bestandteil der Superhelden-Comics an den Kiosken und in Comic-Shops. Seit 1997 werden sie von Marvel Deutschland, einem Imprint des vor allem für Sammelsticker aller Art bekannten Panini Verlags, herausgegeben. Neben den jährlich mehrmals ins Kino kommenden Blockbuster-Filmen erscheinen regelmäßig neue Zeichentrickserien im Fernsehen, gedacht vor allem für jüngere Zuseher und somit potentiellen zukünftigen Lesern der hauseigenen Comics.

 

# # # Andreas Grabenschweiger # # #

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