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Gruselkabinett 90

Manchmal wählt das Grauen seltsame Formen, um an seine Opfer zu gelangen. Diese bittere Erfahrung muss auch eine Farmerfamilie im amerikanischen Hinterland machen, als unerwartet ein Meteorit auf ihrem Land einschlägt.

(C) Titania Medien/Lübbe Audio / Gruselkabinett 90 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenÜberall auf der Welt gibt es Regionen, die von den Menschen gemieden werden. Eine diffuse Angst hält sie von diesen Orten fern. Seit dem Einschlag eines merkwürdigen Meteoriten zählt auch eine abgelegene Region im Hinterland von Massachusetts zu jenen Gebieten. Unter den Bewohnern der Gegend ist sie als die "Verfluchte Heide" bekannt. Jahrzehnte vergehen, bis die Heide wieder in den Fokus des öffentlichen Interesses rückt. Ein Stausee soll die Wasserversorgung der Stadt Arkham auf Jahre sicherstellen.


Dafür soll auch das Einschlagsgebiet des unbekannten Himmelskörpers geflutet werden. Um sich vor Ort einen Eindruck von den Gegebenheiten zu machen, reisen die beiden Staatsbeamten Jeff Burger und Rose Kenny in die abgeschiedene Gegend. Sie erwartet eine menschenleere und trostlose Landschaft. Der Boden und die Pflanzen machen einen ausgezehrten Eindruck und erinnern an eine Wüstenregion. Zudem machen die beiden Staatsdiener einige beunruhigende Entdeckungen in unmittelbarer Nähe des Kraters.


Um mehr über die Ereignisse der Vergangenheit in Erfahrung zu bringen, nehmen sie Kontakt zu Ammi Pierce auf, einer der wenigen Menschen, der immer noch in der verfluchten Heide zu Hause ist. Der alte Mann war der Nachbar jener Familie, auf deren Land der Meteorit damals einschlug. Burger und seine Kollegin bekommen eine verstörende Geschichte zu hören, die vom Untergang einer ganzen Familie berichtet. Die Schilderungen von Pierce sind äußerst beunruhigend und lassen massive Zweifel aufkommen, ob die Heide der richtige Standort für einen Stausee ist. Doch der Wasserbedarf der Stadt ist hoch und will gedeckt werden.


Mit der 90. Folge kehrt ein gern gesehener Gast ins "Gruselkabinett" zurück. Erneut präsentiert Titania Medien ein Werk von H. P. Lovecraft in Hörspielform. Um "Die Farbe aus dem All" adäquat umsetzen zu können, nahm man auch hier einige kleinere Veränderungen an der Originalgeschichte vor, um die Handlung in eine ansprechende Form zu gießen. Die wohl frappierendste davon dürfte wohl die Einführung einer weiteren Figur sein. Dieser Eingriff ist sicherlich dem Umstand geschuldet, dass man das erste Drittel der Produktion nicht als Monolog oder in Erzählform eines Hörbuchs bestreiten wollte. So bekommt der Landvermesser Jeff Burger eine Kollegin an die Seite gestellt. Wer jetzt massive Eingriffe in die ursprüngliche Geschichte befürchtet, sei beruhigt. Textpassagen wurden so lediglich aufgelockert und in Dialoge umgemünzt.


Auch wenn die Einführung bereits einige unheimliche und spannende Momente vorzuweisen hat, nimmt das Grauen erst so richtig Fahrt auf, wenn der alte Ammi Pierce von seinen Erlebnissen mit der Farmerfamilie Gardner berichtet. Die Kombination von Jochen Schröders eindringlicher, mitreißender Stimme, einem gut platzierten und arrangierten Geräuschteppich und geschickt eingewebten Musikkollagen sorgen für eine wohlige Gänsehaut. Selten gelingt es, den geistigen Verfall eines Menschen im Hörspiel passend umzusetzen, ohne in die Lächerlichkeit abzugleiten. Im Fall von "Die Farbe aus dem All" spürt man den schleichenden Wahnsinn, der die Familie ergriffen hat und unausweichlich zu Grunde richten wird.


Überhaupt ist das gesamte Hörspiel äußerst stimmig und atmosphärisch geraten und zieht den Hörer in die verstörende und unheimliche Welt von Lovecraft. Lediglich bei den Schilderungen, wie Pierce mit einigen Beamten ein letztes Mal auf die albtraumhafte Farm zurückkehrt, hätte etwas mehr Raum verdient. Gerade jene Szenen hätten sicherlich wesentlich besser als Spielszenen anstatt eines Erzählertexts funktioniert.


Die Produktion kommt mit verhältnismäßig wenigen Sprechern aus, die jedoch alle mit einer mehr als überzeugenden Arbeit glänzen. Der bereits erwähnte Jochen Schröder verkörpert den alten Ammi Pierce, dessen Begegnung mit dem Grauen ein Leben lang nachklingt. Egal ob als Chronist der Ereignisse oder in den Szenen als besorgter Nachbar macht Schröder eine gute Figur. Johannes Berenz und Melanie Pukaß gelingt es auf glaubwürdige Art, jenes Beamtenpärchen zu verkörpern, denen es immer mehr dämmert, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als wir glauben wollen.


Dazu gesellen sich Peter Reinhardt, Cornelia Meinhardt, Daniel Schlauch und Jannik Endemann, denen die Aufgabe zufiel, eine Familie zu spielen, die immer mehr ihrer geistigen und körperlichen Gesundheit beraubt wird, und die diese mit Bravour lösen. "Die Farbe aus dem All" ist erneut eine gute Folge innerhalb einer sehr guten Serie, die im Laufe der Jahre viele vergessene Perlen der Schauerliteratur neu entdeckt und einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht hat.  


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien/Lübbe Audio




 


 
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