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Gruselkabinett 91

In der keltischen Mythologie stößt man immer wieder auf Geschichten und Hinweise auf die Anderswelt, ihre atemberaubenden Landschaften und zauberhaften Bewohner.

(C) Titania Medien/Lübbe Audio / Gruselkabinett 91 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAm Ende des Ersten Weltkrieges kehrt Harry Blake nach Sussex zurück, um dem Haus seiner Kindheit einen Besuch abzustatten, bevor er nach Australien zurückkehrt. Jahrzehnte sind seit seinem letzten Aufenthalt dort vergangen. Schon kurz nach seiner Ankunft muss Blake erkennen, dass sich das Gebäude verändert hat. In seiner Erinnerung waren die hellen Räume angefüllt mit Lachen und Freude. Dies alles gehört der Vergangenheit an, das ehemalige Elternhaus ist nun ein kalter, abweisender Ort, an dem nur eine verängstigte Verwalterin zurückgeblieben ist, um das Gemäuer vor dem Verfall zu retten.


Schnell wir dem ehemaligen Offizier klar, dass etwas nicht stimmt. Die Haushälterin versucht, ihren ungeladenen Gast so schnell wie möglich zum Aufbruch zu drängen. Nur zögerlich kann Blake ihr das Geheimnis entreißen, dass in dem alten Haus nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Ein Geist geht um und versetzt die letzte Bewohnerin in Angst und Schrecken. Fasziniert von der Idee, dem Übersinnlichen begegnen zu können, beschließt Harry einige Zeit im ehemaligen Salon zu verbringen, nicht ahnend, dass die Spukerscheinung eng mit seiner eigenen Vergangenheit verknüpft ist.


Nachdem die vorangegangene Folge von einem der Großmeister des Horrors bestritten wurde, gibt dieses Mal ein Autor seinen Einstand, der nur auf den ersten Blick zu den unbekannteren Vertretern seiner Zunft zählt. Dies ist wohl dem Umstand geschuldet, dass sein bekanntestes Werk, nämlich das Kinderbuch "Peter Pan", den Namen James Matthew Barrie um ein Vielfaches überstrahlt. Neben "Peter Pan" erschuf Barrie noch einige weitere Geschichten, zu den im deutschen Sprachraum eher unbekannteren dürfte "Mary Rose" zu zählen sein. Die Erzählungen verbindet jedoch nicht nur der gemeinsame Verfasser: Beide enthalten Bezüge zur Anderswelt, die einen zentralen Bestandteil der keltischen Mythologie verkörpert.


Sind es bei Peter Pan die Bewohner des Nimmerlands, die ihren Ursprung in der Welt der Geister und Feen haben, so dürfte die Insel, auf der Mary Rose mehrmals spurlos verschwindet, gar ein Bestandteil dieser märchenhaften Parallelwelt  sein. Ebenso wird in beiden Fällen das Phänomen ewiger Jugend beziehungsweise Kindheit aufgegriffen und welche Folgen es haben kann, wenn die Zeit für die Menschen, die man liebt, ungebremst weiter läuft. Wer im Fall von "Mary Rose" auf eine Gruselgeschichte mit einigen Schockeffekten hofft, dürfte enttäuscht werden. Barries Geschichte steht ganz in der Tradition der viktorianischen Schaugeschichte und zeichnet sich allenfalls durch einen sehr zurückhaltenden Einsatz übersinnlicher Phänomene aus.


Da sich die Handlung über mehrere Jahrzehnte hinweg spannt, entwickeln sich die Geschehnisse mit gemächlichen Tempo und es dauert eine ganze Zeit, bis die tragischen Ereignisse im Leben von Mary Rose ins Rollen kommen. Trotz des eher zurückhaltenden Spannungsaufbaus sollte man der Story seine komplette Aufmerksamkeit schenken, ansonsten dürfte es schwierig werden, die verschachtelten Handlungsstränge zusammenzuführen. Viel Wert wird auch in dieser Bearbeitung für das "Gruselkabinett" auf die Beschreibung von Orten und Personen gelegt, um so dem Hörer einen noch besseren Einstieg ins Geschehen bieten zu können und den Figuren Kontur zu verleihen.


Im Gegensatz zu einigen anderen Produktionen aus dem Hause Titania Medien hat man im Fall von "Mary Rose" auf eine durchgängige musikalische Untermalung verzichtet und bringt nur punktuell Musikstücke aus dramatischen Gründen zum Einsatz. Auch der Einsatz von Soundeffekten fällt überschaubar aus und nur dort, wo es nötig ist, die Dialoge entsprechend zu untermalen. Wie eigentlich fast immer zeichnen sich diese durch einen geschliffenen Sprachstil aus und entsprechen jener Zeit, in der die Geschichten angesiedelt sind.


"Mary Rose" kommt mit einem kleinen aber feinen Sprecherensemble aus, dem es scheinbar mühelos gelingt, die ganze Tragweite der Ereignisse im schottischen Hochland allein mit der Stimme zu transportieren. Sehr abwechslungsreich und an den richtigen Stellen sehr gefühlvoll agiert Timmo Niesmer in der Rolle des Harry Blake, der nach Jahrzehnten dem Geist seiner Mutter gegenübertritt. Kerstin Sanders-Dorseif kauft man jederzeit die verängstigte und besorgte Hausverwalterin ab. Dazu gesellen sich in weiteren Rollen Frank-Otto Schenk, Monika Bielenstein, Luisa Wietzorek und einige mehr, die ebenfalls mit ansprechenden Leistungen den positiven Gesamteindruck bestätigen.


"Mary Rose" ist in produktionstechnischer Hinsicht ein Ohrenschmaus, wie man es bei dieser hochklassigen Serie erwarten darf. Der Spuk fällt in diesem Fall doch eher verhalten aus. Im Vordergrund steht die tragische Lebensgeschichte einer jungen Frau und erst an zweiter Stelle die Gänsehaut des Hörers. Das "Gruselkabinett" bleibt auf einem konstant hohen Niveau und kann immer noch mit neuen, unbekannteren Stoffen den Hörer überraschen.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien/Lübbe Audio




 


 
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