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Gruselkabinett 145

Der passionierte Antiquitätensammler Mr. Dillet kann sein Glück kaum fassen, als er ein von meisterlicher Qualität gefertigtes Puppenhaus zum Spottpreis angeboten bekommt.

Gruselkabinett 145Nur allzu gern frönt Mr. Dillet der Jagd nach außergewöhnlichen Antiquitäten. Einer seiner besten Lieferanten ist der geschäftstüchtige Mr. Chittenden, dem es immer wieder gelingt Kostbarkeiten für den dankbaren Kunden zu akquirieren. Im neuesten Fall handelt es sich um ein Puppenhaus von geradezu ungewöhnlicher Qualität in der Fertigung. Bis ins kleinste Detail wirkt das Miniaturgebäude absolut lebensnahe. Dillet verliebt sich sofort in das handwerkliche Kleinod und erwirbt es für seine Kollektion.


Alles erscheint perfekt, bis die Uhr erstmals auf Mitternacht vorrückt. Mit Schrecken müssen der Sammler und seine Frau feststellen, dass die vielen äußerst lebendig gestalteten Figuren urplötzlich zum Leben erwachen und eine düstere Familiengeschichte zu erzählen beginnen. Dillet ist gleichermaßen abgestoßen wie fasziniert und fest entschlossen, dem Puppenhaus sein Geheimnis zu entreißen. Noch ahnt der neue Besitzer nicht, welche Abgründe hinter der handwerklichen Ausnahmeleistung verborgen liegen.


Mit M. R. James kehrt ein gern gesehener Gast ins "Gruselkabinett" zurück, der bereits mehrere ungewöhnliche Stoffe zu dieser Reihe beigetragen hat. Zwar sind alle seine bisher veröffentlichten Geschichten dem Gruselgenre zuzuordnen, verzichten jedoch auf klassische Figuren wie Untote, Werwölfe und Vampire. Im Zentrum stehen häufig die Magie und bösartige, geisterhafte Erscheinungen, die ihre Präsenz in die Welt der Menschen ausdehnen. Dass dies zum Nachteil der Protagonisten geschieht, versteht sich dabei von selbst.


"Das unheimliche Puppenhaus" ist ebenfalls eine Story aus dieser Kategorie, die heile und geordnete Welt des Antiquitätenhändlers Dillet bekommt ohne Vorwarnung Risse, als ein soeben erworbenes Schmuckstück zu unheilvollem Leben erwacht. Die Atmosphäre der Handlung wird urplötzliche eine andere und die eher heitere Stimmung tritt zurück hinter einen anhaltenden Moment des Grauens.


Leider kann die Geschichte an dieser Stelle nicht die ganze Stärke ausspielen, welche ihr in gedruckter Form sicher innewohnt. Die Ereignisse, die sich nun zu nächtlicher Stunde in dem Modellhaus zutragen, werden ausschließlich von den Personen erzählt, die den Vorgang miterleben, dadurch geht viel an Spannung und Dramatik verloren, zumal man auch fast komplett auf eine soundtechnische Untermalung an dieser Stelle verzichtet. Hier wirkt sich der zurückhaltende Einsatz von Soundeffekten nachteilig aus.


Es folgt eine durchaus ansprechende Recherche über Herkunft und Besitzer des Puppenhauses, was nochmals das Interesse des Hörers schürt. Man erwartet einen weiteren Höhepunkt, wird jedoch von einem abrupten Ende überrascht, das so sicherlich nicht alle Teile des Publikums zufriedenstellen dürfte, zu viele Fragen bleiben unbeantwortet und lassen eine Menge an Interpretationsspielraum. Tatsächlich ergeben sich einige philosophische und vielleicht sogar theologische Fragen aus dem Gehörten: Kann das Erschaffen von etwas Neuem als Abbitte für Sünden aus der Vergangenheit dienen, wenn man es als Mahnmal für Nachfolgende versteht, nicht dieselben Fehler zu begehen? Sicherlich interessante Ansätze, die aber vielleicht nicht jeder Hörer verfolgen möchte und sich ein weniger offenes Ende gewünscht hätte.


Die musikalische Gestaltung ist erneut über jeden Zweifel erhaben und weiß die jeweilige Stimmung der einzelnen Szenen gekonnt herauszuarbeiten. Geräusche kommen nur äußerst dosiert, aber immer passend zum Einsatz, was viele Hörspiele der Reihe auszeichnet. Matthias Lühn und Bodo Primus drücken mit ihren unverkennbaren Stimmen dieser Produktion einen Stempel auf und machen sie zu etwas Besonderem. Dazu gesellen sich weitere Akteure, die für Qualität bürgen, so sind in weiteren Rollen Dagmar von Kurmin, Sigrid Burkholder und Thomas Balou Martin zu hören. Eine gute und solide Episode, die jedoch nicht alle inhaltlichen Stärken voll ausspielen kann.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien


 
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