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Gruselkabinett 139

Als Noel Baron zufällig auf Lady Leigeia trifft, ahnt er noch nicht, dass die schicksalhafte Begebung sein ganzes weiteres Leben bestimmt.

Gruselkabinett 139Im Verlauf einer ausgedehnten Reise auf den Kontinent trifft der Brite Noel Baron in einer verfallenen Stadt am Rhein auf die Nachkommin eines uralten osteuropäischen Adelsgeschlechts, dessen Wurzeln in den Wäldern der Karpaten liegt. Von der ersten Minute an ist er der Ausstrahlung und Erscheinung der jungen Frau erlegen. Aus der schicksalhaften Begegnung erwächst eine nahezu bedingungslose Liebe. Ligeia wird die Sonne in Noels persönlichem Planetensystem, die alles andere überstrahlt.


Die bildschöne Adelige ist ihm ebenfalls verfallen, im Laufe der Zeit weiht sie ihn in einer Reihe okkulter Geheimnisse ein und beide beginnen gemeinsam Nachforschungen anzustellen. Doch die Beziehung wird alsbald von einer schweren Erkrankung Ligeias überschattet, der sie letztendlich erliegt. Der Schmerz und die Trauer Barons sind unendlich. Es fällt ihm schwer, den Tod seiner großen Liebe zu akzeptieren, er treibt seine düsteren Forschungen weiter voran. Gibt es vielleicht doch irgendwo einen Weg, um Ligeia zurück ins Leben zu holen?


Edgar Allan Poe gehört unbestritten zu den Urvätern der klassischen Schauergeschichte. Seine Novelle "Ligeia" ist dafür ein Paradebeispiel, vereint sie doch alle Zutaten, die eine Geschichte des Subgenres ausmachen. Eine dramatische Liebesgeschichte, gespickt mit obsessiven Elementen, trifft auf eine morbide Grundstimmung, die immer mehr an Tiefe gewinnt, je mehr das pulsierende Leben vom Tod und Zerfall verdrängt wird. Dazu gesellt sich das Unbekannte und Okkulte, das sich in den Forschungen Noel Barons niederschlägt und die erforderliche Portion Gänsehaut einbringt. Beste Voraussetzungen also, um sich einen Platz im "Gruselkabinett" zu sichern. Leider wird diese Chance gleich auf mehreren Ebenen verspielt. Es wirkt ein wenig überambitioniert, wenn man "Ligeia" mit dem bekannten Gedicht Poes "Der Rabe" verbinden möchte.


Was als Symbiose beider Texte gedacht war, stellt sich anstrengende Verkettung zweier Werke heraus, die sich wie Fremdkörper gegenüberstehen. Das über mehrere Minuten vorgetragene Gedicht stellt für das Hörspielpublikum eine Geduldsprobe dar. Dies soll nicht falsch verstanden werden, die Darbietung von Kristine Walther fällt durchaus ansprechend aus, allerdings wurde dafür der falsche Rahmen gewählt. Erotik ist ein fester Bestandteil der Schauerliteratur und hat dort eine eindeutige Daseinsberechtigung. Die Interpretation und Form, in der sie sich in einem Medium zeigen soll, können sehr unterschiedlich ausfallen.


Das brünftige Gestöhne und die schwulstigen Liebesschwüre, die hier an die Ohren des Hörers dringen, sind einfach zu viel. Spätestens nach zehn Minuten ist man des Namens Ligeia überdrüssig, so oft er hier einem in die Gehörwindungen geraunt und geflüstert wird. Lediglich zwei Aspekte retten diese Produktion, nämlich einerseits die musikalische Gestaltung, die zu keiner Zeit Wünsche offenlässt und die düstere, oft melancholische Atmosphäre gekonnt einfängt, andererseits die Sprecher, die trotz aller Widrigkeit mit viel Herzblut bei der Sache sind.


Johann Raspe als Noel Baron und Kristine Walther als Ligeia wurden für ihre Rollen gut gewählt und zeigen ihr ganzes Können, leider mindert hier die dramaturgische Vorgabe den positiven Eindruck. Weitere bekannte Namen wie Reinhilt Schneider, Max Schautzer, Detlef Bierstedt und Joachim Tennstedt erwecken weitere Figuren zum Leben und zeigen einmal mehr, warum sie alle zur Speerspitze der bekannten Hörspielstimmen zählen. Im Rahmen der gesamten Serie muss man "Der Rabe" als gescheitertes Experiment verbuchen, dem hoffentlich keine weiteren folgen werden. Niemand kann in Deutschland hochwertigen Grusel besser ein Gesicht verleihen als Titania Medien, deshalb besteht für mich kein Zweifel, dass es mit der nächsten Folge wieder bergauf geht.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 
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