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Steinfrühling

Der Planet steht kurz davor, sein Antlitz auf dramatische Art zu verändern. Ein Vorgang, von dem die an Zahl noch geringe Menschheit nichts ahnt. Auch nicht jene kleine Gemeinschaft, die ein Land ihr Eigen nennt, das kurz vor dem Untergang steht.

(C) Cross Cult Verlag / Steinfrühling / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie Welt vor über 9000 Jahren. Extelur war ein einst ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum, das auf dem gesamten Kontinent bekannt war. Doch der einstige Glanz beginnt zu schwinden. Seit das Oberhaupt der Gemeinschaft auf dem Meer verschollen ist, strecken Feinde und Rivalen ihre Fühler aus, um sich das lukrative Dorf einzuverleiben. Doch ein viel größerer Feind droht Extelur für immer von der Landkarte zu tilgen – die Natur. Durch das Ende der Eiszeit kommt es zu großen Umwälzungen in der Natur, die insbesondere für die Küstenregionen fatale Folgen machen.


Es kommt zu einem Anstieg des Meeresspiegels und gigantische Wellen reißen ganze Landstriche in die Ozeane. In der Stunde, in der die Not am größten ist und die Elemente kurz davor stehen über den Menschen zu triumphieren, geschieht in Extelur etwas Ungewöhnliches. Mit Hilfe einiger Fremder, die zufällig an den Ort gelangt sind, stemmt sich eine der Töchter des Anführers dem Untergang entgegen. Aus den Ruinen entsteht etwas Neues, bisher nicht Dagewesenes. Der Mensch stellt sich der Natur entgegen. Man beginnt mit einem gigantischen Bauvorhaben, einem Deich, der die Menschen vor der heimtückischen See beschützen soll.


Von der fernen Zukunft in die tiefe Vergangenheit. Bisher war Stephen Baxters Metier eher der Entwurf zukünftiger Entwicklungen der Menschheit, in "Steinfrühling" widmet er sich nun einer aufstrebenden Kultur in der Steinzeit. Beheimatet in einem heute im Meer versunkenen Gebiet zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland, nimmt die beschriebene Gesellschaft eine alternative Richtung als die historisch dokumentierte.


Baxter entwirft mit Worten und Sätzen ein äußerst lebendiges Gemälde einer längst vergangenen Epoche, die er geschickt, erst unmerklich, dann immer klarer von der uns bekannten Geschichte entfernt. Schon auf den ersten 100 Seiten skizziert der Autor eine Welt, in der die Natur noch nicht gezähmt wurde und der Mensch um das tägliche Überleben kämpfen muss. Dies geschieht in einer manchmal sehr direkten Sprache, was den Geschehnissen einen sehr realistischen und unmittelbaren Anstrich verleiht. Baxter schreckt auch nicht davor zurück, dafür eine vorherrschende Brutalität und Rohheit darzustellen, die für die Figuren seines Romans den Alltag verkörpern.


Die Beschreibung, wie es dazu kommt, dass die uns bekannte Geschichte einen alternativen Lauf nimmt, ist logisch und geschieht auf eine subtile und nachvollziehbare Art. Hier wird deutlich, dass der Autor sich mit den tatsächlichen Gegebenheiten der Zeit und Natur eingehend auseinandergesetzt hat, um seine Ideen glaubwürdig einfließen lassen zu können.
Der Entwicklung der Charaktere wird breiter Raum geboten, sie nimmt fast ein Drittel des Buchs in Anspruch.


Was auf den ersten Blick den Gedanken nahelegt, dass so unnötige Längen entstünden, ist unbegründet, denn Langeweile findet sich auf den über 500 Seiten zu keiner Sekunde. Trotz der detailreichen Beschreibung der Akteure scheut Baxter jedoch keine Sekunde davor zurück, Figuren urplötzlich über die Klinge springen zulassen, während andere eine eher beiläufige Einführung erfahren und sich wenige Kapitel später im Mittelpunkt der Handlung wiederfinden.


Erstaunlich für einen Roman, der in der Steinzeit angesiedelt ist, ist die Vielschichtigkeit des beschriebenen Frauenbilds. Zwar gibt es in einigen der beschriebenen Stammesgesellschaften das erwartete archaische Rollenverständnis der Frau, dem gegenüberstehen allerdings viele starke selbstbestimmte Frauen, die ihr eigenes Leben und das ihrer Völker entscheidend gestalten. Ein Darstellung, die so nicht unbedingt zu erwarten gewesen ist und den Leser auf angenehme Art überrascht.


Sicherlich nicht jedermanns Sache dürften die in der zweiten Hälfte des Buchs einsetzenden Zeitsprünge sein, die manchmal ganze Jahrzehnte ausmachen. Dies macht manchmal zutage tretende charakterliche Veränderungen der Figuren nicht immer nachvollziehbar. Sicherlich hätte man auch gerne mehr erfahren, was sich in der Zwischenzeit an den verschiedenen Handlungsorten zugetragen hat. Allerdings ist es einleuchtend, dass Stephen Baxter dieses Mittel wählen musste, wenn er die Entwicklung einer Zivilisation über mehrere Jahrhunderte schildern möchte.


"Steinfrühling" ist der gelungene Auftakt der "Nordland"-Trilogie, der mit einer packenden Story, vielschichtigen Charakteren und einer logischen und nachvollziehbaren Geschichtsschreibung punkten kann. Abwechslungsreich und nicht unbedingt vorhersehbar sind Attribute, die "Steinfrühling" zu einer willkommenen Alternative im undurchsichtigen Bücherdschungel machen. Uneingeschränkte Kaufempfehlung.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Cross Cult Verlag




 


 
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