Hype as Hype can. So laut wie bei den KLAXONS hat der NME seit den ARCTIC MONKEYS nicht mehr frohlockt und hat damit den drei englischen Jungens den Weg zur New Rave Revolution geebnet, die sich laut Erfahrungsberichten diverser Schreiberlinge besonders bei Live-Gigs explosionsartig und orgiastisch entladen soll, was bisweilen auch einem wichtigen Accessoire zu verdanken ist: dem Leuchtstab. Seit den KLAXONS erfährt dieses sinnentleerte Instrumentarium eine regelrechte Renaissance und verwandelt, in Massen verteilt, jedes Publikum in einen flimmernden Mob, der sich vor lauter Euphorie kaum mehr halten kann. Schon im Vorfeld des Wien-Konzertes hörte man es munkeln, dass, wenn die frisch gekrönten Szene-Prinzen KLAXONS zur Audienz bitten, man sich auf ein Spektakel der Extra-Klasse freuen müsse. Nun gut, der Hype hat die KLAXONS groß gemacht und vor allem das Flex bis auf den letzten Platz gefüllt, doch, was er dann zu bieten hatte, lag sogar jenseits von Schall und Rauch. Nach zwei bemühten Vorgruppen ließ der personifizierte Bad Hair Day in Form der drei Klaxonen das zwischen Aggression und Vorfreude oszillierende Publikum noch einmal zu lange warten, bevor sie dann endlich in betonter Gelassenheit die Bühne betraten. Endlich. Da ist es! Das neue englische Bübchen-Wunder kurz vor der Offenbarung der ultimativen Erfahrung in Sachen Live-Performance. Als Opener wird gleich mal „Bouncer“ gekreischt, der mich mit seinem viel sagenden Text "NOT TONIGHT, YOU’RE NOT ON THE LIST! YOUR NAME’S NOT DOWN YOU’RE NOT COMING IN!" gleich dran erinnert, dass diese Worte angesichts der modischen Monstrositäten des New Rave Taumels wohl etwas öfter von den Türstehern hätten benutzt werden sollen. Egal – schließlich geht’s hier um die Musik und im Dunkeln der Nacht kann man darüber hinwegsehen. Apropos hinwegsehen. Ich lasse meinen Blick in Erwartung eines Leuchtstab-Sturms über das Publikum schweifen und kann mich vor Enttäuschung kaum mehr auf den Beinen halten. Zwei mickrige Stäbchen ruckeln unmotiviert durch die Masse während sich in den ersten Reihen ein ausgewachsener Massenauflauf versucht zu entwirren. Nichtsdestotrotz, das Publikum ist in bester Stimmung und die KLAXONS legen gleich so richtig los. Die ersten Nummern überzeugen durch überraschende Soundqualität und Enthusiasmus von Seiten der Band, denn man spürt, dass es den Jungs wirklich Spaß macht. Doch was wie ein Feuerwerk begann, verpuffte leider viel zu schnell. Schon nach drei Liedern scheint den KLAXONS die Puste und damit auch die Stimmung wegzubleiben, was sich von Nummer zu Nummer nur noch verschlimmert und letztendlich in einer Wachkoma-Performance gipfelt, die von Wachsfiguren nicht schlechter hätte gebracht werden können. Obwohl die Songs trotz Equipment-Schwierigkeiten einwandfrei klingen, ist es mit der Leidenschaft und dem angekündigten Drive dahinter ganz schlecht bestellt. Angesichts akuter Dehydrierung pflüge ich durch die Massen Richtung Saft-Bar und erkenne auch in den Gesichtern der hinteren Reihen aufkeimende Skepsis. Mit dem seligen Glühen des Notausgangs vor Augen, beschließe ich dann doch lieber den Inhalt der anwesenden Leuchtstäbe zu trinken, bevor ich noch eine weitere Minute dieses Trauerspiels miterlebe und verlasse den Tatort. Liebe KLAXONS, ich habe euch wirklich gemocht, doch von nun an stelle ich mir jemand Anderes vor, wenn ich eure Platte höre. Corrina Bauer |





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