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Live-Review: RUSH in der SAP-Arena in Mannheim (21.10.2007)

RUSH-Fans sind hartnäckig und teilweise bereit, für ihre Götter beachtliche Reisewege in Kauf zu nehmen. Vor allem in Europa, wo sich die drei Kanadier in den letzten Jahren zwar vermehrt, aber immer noch viel zu selten haben blicken lassen...

RUSH (c) Warner Music / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAuch meine Wenigkeit – seit 1988 ein glühender Verehrer des wegweisenden Prog-Trios aus Toronto – ist crazy genug, etwa achthundert Kilometer zu diesem einen von nur zwei Deutschland-Konzerten anzureisen. Und dass man solche Umwege keinesfalls bereut, weiß man als RUSH-Infizierter ohnehin. So schlecht können Alex, Geddy und Neil gar nicht spielen, dass sie nicht noch immer überirdisch gut wären und den lächerlichen Rest der Rock-Welt aussehen lassen wie nasse Fetzen. Anyway. Punkt 19:40 Uhr betrete ich die gewaltige, etwa zur Hälfte gefüllte SAP-Arena, und Punkt 20:05 Uhr geben uns auch schon unsere drei Herren die Ehre.

RUSH (c) Warner Music / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIm Gegensatz zu der R30-Jubiläums-Tour vor drei Jahren (damals musste ich bloß bis Prag fahren) hat man heute Abend einige Songs im Programm, mit denen damals wohl keiner so wirklich gerechnet hätte. Zwar erweist sich "Limelight" (nach einem genialen Video-Intro mit Geddy als Schotte, und Alex mit Neil gemeinsam im Bett!) nicht gerade als optimaler Opener, und während der ersten halben Stunde sind RUSH ein wenig steif unterwegs, was auch der etwas sperrigen Songwahl zu verdanken ist: "Entre Nous" oder "The Larger Bowl" funktionieren live eben nicht ganz so wie es sich Fan vielleicht wünschen würde. Aber dennoch beten etwa 6000 Verrückte – die meisten etwa so alt wie die Band selbst – von Anfang an sämtliche Texte lautstark mit. Nach elf Songs, unter anderem einem starken "Between The Wheels", dem Über-Instrumental "The Main Monkey Business" vom neuen Album und dem obligatorischen Live-Fetzer "Dreamline", geht`s erst mal in die Pause.

RUSH (c) Warner Music / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie zweite Hälfte – eröffnet von einem grenzgenialen "Snakes & Arrows"-Game-Intro (Alex sollte echt Schauspieler werden!) – hat dennoch einen schwerwiegenden Haken: RUSH ergehen sich doch tatsächlich in fünf Stücken vom neuesten Album in Reihe. Nicht, dass das Album schlecht wäre, die Fans warten aber unüberhörbar auf Klasiker und nicht auf insgesamt neun neue Songs (obwohl die live eigentlich toll funktionieren). Entschädigung naht in Form von "Natural Science", "The Spirit Of Radio" und "Tom Sawyer" (in Prag als Opener, heute als "Closer") – trotz des eher unausbalancierten, überlauten Sounds kann man das Publikum jedes Wort mitsingen hören. Und Neil trommelt sich bei seinem Solo zwischen "Malignant Narcissism" und "Hope" wieder mal den üblichen Wolf – was wiederum für die üblichen offenen Münder sorgt.

Brave Jungs! "One Little Victory", das lange vernachlässigte "A Passage To Bangkok" und die RUSH-Einserübung "YYZ" (das einzige Instrumental der Welt, bei dem auch wirklich ALLE mitsingen!) bilden die Zugaben und nach fast drei Stunden tun sowohl mir als auch den drei Kanucks auf der Bühne die Füsse weh. Obwohl ich ja gut 20 Jahre jünger bin.

RUSH (c) Warner Music / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIch brauche dann auch ungefähr `ne Woche, um das Spektakel zu realisieren. Und mir kommen solch Dinge in den Kopf wie das geniale South Park-Intro zu "Tom Sawyer", die nicht minder kultige McKenzie-Brothers-Ansage von "A Larger Bowl", die perfekt getimte Lightshow samt Pyro-Feuerwerk, eine bestens gelaunte Band in den besten Jahren – wobei sich diesmal sogar der sonst so stoische Neil Peart zu Blödeleien hinreissen hat lassen und sage und schreibe gleich zweimal binnen weniger Minuten `nen Drumstick verschustert hat. Geddy Lees Bassverstärker waren diesmal in einem Hähnchengrill versteckt und Alex Lifesons Grimassen bei seinen Gitarrensoli zuzusehen ist sowieso besser als jedes Kino. Ganz zu schweigen von den etwa dreissig Barbiepuppen, die der lustigste Gitarrist der Welt um seine Pedale herum aufgestellt hat, auf dass sie ihm auch ordentlich "zujubeln".

Was also sagt uns das? Ein Abend mit RUSH ist ein Abend mit Freunden, auf und vor der Bühne. Unvergesslich, Event und Convention im klassischen Sinne und in einem, und für Rushianer wie mich selbstverständlich das Nonplusultra, das geilste Konzert wo gibt. Da können die Burschen noch so schlecht spielen oder die Songwahl... aber das habe ich ja schon erwähnt. Und nach dem Konzert ist ja sowieso vor dem Konzert.

###MikerOwavE###
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