Da keine Zeit mehr bleibt die Zeltbühne noch vor Festivalbeginn wieder aufzubauen, müssen die Organisatoren schweren Herzens allen dort auftretenden Bands absagen, darunter Bands wie AEROGRAMME, DENDEMANN, DEICHKIND, COLD WAR KIDS und JOHNOSSI.
Als wäre das alles nicht schon bitter genug, macht auch das Wetter zum Festivalbeginn am Freitag keinerlei Anstalten, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Das Southside versinkt sprichwörtlich im Schlamm und Gummistiefelverkäufer haben Hochkonjunktur.
Auch der Festivalreporter des SLAM-Magazins reist mit charmanter Begleitung unter widrigsten Bedingungen an und stolpert noch spät abends durch den knöcheltiefen Schlamm des Festivalgeländes.
Im Dauerregen vernimmt er gerade noch die Schlussakkorde von ME FIRST AND THE GIMME GIMMES, die mit Sombreros bekleidet das schlammige Moshpit rocken und sich munter durch Hits wie „All my loving“ oder „Country Roads“ covern- stilecht im Punkgewand versteht sich.
Etwas später vor der Blue Stage zucken die Mannen um Aaron Turner im Kollektiv zu tonnenschweren, vertrackten Riffs und epischem Spannungsaufbau mit ihren Körpern. Und das Publikum tut es ISIS gleich, denn die ägyptische Sonnengöttin scheint sich ob dieser massiven Töne besänftigt und lugt zaghaft hinter den Wolken hervor. Unterdessen walzen sich die Bostoner durch die Hammersongs ihres besten Albums „Panopticon“. „Backlit“ und „So did we“ werden vom Publikum dankend angenommen.
Auf der Green Stage spielen unterdessen schon die Gebrüder Followill der KINGS OF LEON ein rockiges und sehr trashiges Set. Mal wird wild in der sprichwörtlichen Garage gerockt und mal die Prog-Rock-Keule geschwungen. Diese Band kann einfach alles, wie auch ihre aktuelle Scheibe „Because of the times“ beweist.
Und schon nimmt ein Alternative-Abend der Extraklasse seinen Lauf: Die New Yorker Noise-Götter SONIC YOUTH betreten die Bühne und zeigen sich sehr spielfreudig und sympathisch. Das kann eigentlich nur an den zahlreichen Hits ihres Albums „Rather Ripped“ liegen, denn Kim Gordon tanzt sich die Seele aus dem Leib, ihr Gatte Thurston Moore kullert wild auf der Bühne herum und legt mal eben seine Fender Jaguar auf der Kamera des Kameramannes ab. Hits wie „Incinerate“, „Reena“, oder Lee Ranaldo´s „Rats“ funktionieren eben auch auf Festivals und beweisen einmal mehr den Kultstatus und die Wichtigkeit dieser Band.
Nach den belanglosen PLACEBO folgt dann endlich der Headliner des zweiten Festivaltages: PEARL JAM entern die Bühne und machen gleich mit „Go“, „Do the Evolution“ und „Animal“ alles klar. An diesem Abend soll es keine Kompromisse geben, sondern es wird ehrlich und amtlich gerockt! Die Band hat wieder Lust auf´s Live spielen und zeigt sich perfekt eingespielt und einem Eddie Vedder, der charismatisch wie eh und je, auch ein Festivalpublikum in seinen Bann ziehen kann. Die fünf Seattler spielen ein sehr rockiges Set ohne Balladen, dafür aber mit „Glorified G“, „Why go“, „Alive“ und entlassen die Fans mit Neil Young´s „Rockin´ in the free world“ in die Nacht. Ein grandioser Auftritt!
Zum Sonntäglichen Kaffeekränzchen um kurz nach Drei laden die fünf Schotten von MOGWAI und zerstören, ähnlich wie ihre Kollegen ISIS am Vortag, mit einer hämmernden Wall Of Sound die warme Nachmittagsruhe, was sich über die gigantische PA natürlich bombastisch anhört. Trotzdem sind MOGWAI keine Festivalband, sondern gehören eher in kleine Clubs, was wohl auch das träge Publikum so empfindet. Knüller wie „Hunted by a freak“, „2 Rights make 1 wrong“ oder der Rausschmeißer „Glasgow Mega Snake“ laden aber trotzdem zum Mitwippen ein und die aktuellen Designs ihrer Bandshirts sind ebenfalls unschlagbar. Das die Ohren jetzt brummen war zu erwarten und so kommt es ganz gelegen, dass auf der Blue Stage die BRIGHT EYES etwas leisere Töne anschlagen. Conor Oberst zupft lauschig die Gitarre im Country-Style und spielt schöne Akustikliedchen- passend zur Grillsaison.
Auf der Green Stage erinnern unterdessen die Sanitätskräfte an ihren verstorbenen Kollegen und ernten dafür den tosenden Applaus der 45.000 Festivalbesucher. Zuvor wurde dem Toten mit einer Schweigeminute gedacht.
DIE FANTASTISCHEN VIER wiegen kurz vor Acht auf der Green Stage die Fans in den Sonnenuntergang, denn die ehemaligen Stuttgarter haben beim Southside-Festival quasi ein Heimspiel und bedanken sich mit einem Hitreichen Best-Of-Set: „MfG", „Tag am Meer“ und „Der Picknicker“ dürfen ebenso wenig fehlen wie die neuen Hits „Ernten was wir säen“ und „Ichisichisichisich“.
Das Southside-Festival 2007 neigt sich mit einem letzten, großen Headliner dem Ende zu, denn die BEASTIE BOYS beschließen den Festivaltag am Sonntagabend.
Das Bassriff von „Gratitude“ erklingt und das Publikum gibt alles. Die drei New Yorker treten dekadent in Anzug und Krawatte auf, schlürfen nebenbei Sekt und schrubben die Punk Hits ihrer Anfangstage wie „Egg Raid On Mojo“ und „Tough Guy“- skurriler könnte das Szenario gar nicht sein, aber genau deswegen lieben wir die drei Buben ja auch so, weil sie immer für eine Überraschung gut sind. Hip-Hop-Hits wie „Intergalactic“, „Ch-Check it out“ oder „Super Disco Breakin´” haben ebenso Platz wie die Funk-Instrumentals “Off the Grid“ und „The Rat Cage“ ihres neuen Albums „The Mix-Up“. Bei „Three MCs and one DJ“ erwähnt Mike D., dass DJ Mix Master Mic „Flames on his fingers“ ob seiner Scratch-Kunst an den Plattentellern habe. Die letzte Zugabe „Sabotage“ ist „George W. Motherfuckin´ Bush“ gewidmet, wie MCA erklärt und für das Publikum der Freibrief zum endgültigen Durchdrehen. Die BEASTIE BOYS waren wirklich ein glorreicher Headliner, bei dem die Fans am letzten Tag nochmals alles gaben.
Unter dem Strich hatten die Organisatoren des SOUTHSIDE-Festivals 2007 ein geniales Line-Up zu bieten und konnten selbst bei ungemütlichen Wetterkapriolen und dem schlimmen Todesfall am Donnerstag, sowie einer Massenabsage von Bands das Optimum herausholen und kühlen Kopf bei der Organisation bewahren. Wir sind gespannt auf´s nächste Jahr.
Text: Fabian Toenges
Fotos: Fabian Toenges / Quelle: SOUTHSIDE Festival
www.southside.de





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