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Mark Brandis – Raumkadett 9

Mark Brandis befindet sich auf einem öden Außeneinsatz in einer abgelegenen Station. Der Alltag ist monoton und bietet wenig Abwechslung. Das ändert sich abrupt als klar wird, dass Mark und sein Begleiter nicht länger allein sind.

(C) Folgenreich/Universal Music / Mark Brandis - Raumkadett 9 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie Feindseligkeiten zwischen der Union und den Orientalischen Republiken hat sich zu einem offenen Konflikt ausgeweitet. Mark Brandis erlebt die ersten Wochen dieses stetig anschwellenden Kriegs weitab der Frontlinie in der Tiefe des Alls. Der Auftrag, der ihn ins Weltall führt, könnte nicht langweiliger sein. Gemeinsam mit dem Kadetten Rodrigo Rojas wurde ihm die Aufgabe zuteil, für mehrere Wochen die abgelegene Forschungsstation im Inneren des Asteroiden Pallas zu bemannen. Schnell stellt sich langweilige Routine ein und die beiden jungen Männer suchen sich neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Plötzlich wird Mark jedoch von seiner Vergangenheit eingeholt. Nairobi ist bombardiert worden und Justitia wurde vernichtet. Der trügerische Schutz vor den Attentätern Präsident Bählers gehört nun der Vergangenheit an. Obwohl weitab vom nächsten Außenposten der Zivilisation, muss Mark Brandis auch hier um sein Leben fürchten. Und tatsächlich: Die im Schatten lauernden Feinde lassen nicht lange auf sich warten, holen zum Schlag aus und versuchen den Raumkadetten zu beseitigen.


Mit der aktuellen Folge "Endstation Pallas" entfernt sich die Serie ein weiteres gutes Stück von ihren Wurzeln. Als Jugendserie und Prequel zu "Mark Brandis" gestartet, macht man mit dieser Episode einen gehörigen Schritt in Richtung Erwachsenenunterhaltung. Dies trifft insbesondere auf die Figurenentwicklung der Hautrolle zu. Im Mittelpunkt steht die unumstößliche Tatsache, dass unser Handeln immer auch Konsequenzen hat. Konsequenzen, mit denen wir manchmal ein Leben lang zurechtkommen müssen. Diese Erfahrung macht auch Mark Brandis, als er bereit ist, das Instrument der Folter anzuwenden, um endlich die Pläne der Mörder von Präsident Bähler aufzudecken und zu durchkreuzen. Seine Entscheidung rettet wahrscheinlich Tausende von unschuldigen Leben, verwandelt aber einen Einzigen in ein seelisches Wrack. Noch viele Jahre später hadert der erwachsene Mark Brandis mit dieser Entscheidung, die er kurz als Erzähler aufgreift. Hinter den spannenden Ereignissen im Inneren des Asteroiden verbirgt sich eine weitere moralische Frage: Welchen Wert hat ein einzelnes Leben, wenn man tausende andere retten kann?


Es dürfte nur wenige, bis keine anderen Serien geben, die solch philosophische Ansätze in ihren Geschichten einbinden, ohne zu langweilen und zum Nachdenken anzuregen. Mit "Endstation Pallas" werden Ereignisse und Handlungsstränge aus früheren Folgen mit aktuellen Entwicklungen verknüpft und fortgesponnen. Immer mehr einzelne Versatzstücke fügen sich zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Auch der politische Hintergrund, der sich ausbreitende und vertiefende Konflikt der beiden großen Machtblöcke der Erde, wird konsequent vorangetrieben. Es wird immer deutlicher, dass die Serie einem gut ausgearbeiteten Konzept folgt, das man so manchem Titel der Konkurrenz ebenfalls wünschen würde.


Der Spannungsaufbau schreitet eher langsam aber konsequent voran und wartet mit einigen wirklich starken und äußert emotionalen Momenten auf. Die Schilderung, wie es den beiden eingesperrten Kadetten in einem dunklen Raum gefangen in ihren Raumanzügen ergeht, gehört sicherlich zu den atmosphärisch dichtesten Momenten dieses Hörspieljahres. Immer wieder haben die Abenteuer des jungen Mark Brandis auch etwas damit zu tun, Grenzen zu überschreiten und neue unbekannte Ziele zu erreichen. Etwas, was man früher als Pioniergeist beschrieben hat. Ein Gefühl, das sich auch immer wieder in den kühlen elektronischen Klängen dieser Serie wiederfindet. Nicht selten denkt man, dem musikalischen Äquivalent des Aufbruchs des Menschen zu den Sternen zu lauschen. Das ist natürlich ein rein subjektiver Eindruck, aber für mich persönlich die beste Umschreibung des Soundtracks dieser Serie.


Die verwendeten Geräusche vermitteln ein gutes Gefühl davon, wie sich das Leben in den verschiedenen Bereichen der Forschungsstation darstellt. Nie aufdringlich aber immer authentisch gelingt es mit den eingesetzten Soundeffekten, das Kopfkino anzuregen. Im Inneren des Booklets finden sich einige Hintergrundinformationen zum vorliegenden Hörspiel, die einige der Ereignisse in rechte Licht rücken. Eine sinnvolle Einrichtung, die sich ruhig auch auf andere Serien übertragen dürfte. Michael Lott tritt wieder als erwachsener Mark Brandis in Erscheinung und berichtet von den Ereignissen aus seiner Jugend. So wird die eigentliche Geschichte gerahmt und in einen Gesamtkontext gestellt. Außerdem deutet sich hier bereits an, welche weitreichenden Folgen die Ereignisse auf Pallas für den heranwachsenden Mark hatten. Eine gute Leistung, dies in wenigen Sätzen zum Hörer zu transportieren.


Daniel Claus als junger Mark Brandis agiert äußerst natürlich und schafft es, in seine Stimme all das einfließen zu lassen, was einen jungen Erwachsenen wohl auszeichnet. Dazu gehören Unwissenheit und Erfahrung genauso wie der Rückgriff auf die ersten selbst gemachten Erfahrungen. Arne Kapfer übernimmt über weite Strecken die Rolle des einzigen Begleiters von Branids und kann ebenfalls mit einer sehr authentischen Performance überzeugen. Großes Lob geht an Kathrin Decker. Sie schafft es die Veränderung ihrer Rolle von der taffen Soldatin zum psychischen Krüppel hervorragend einzufangen und liefert die wohl überzeugendste Arbeit dieser Episode ab. Einmal mehr eine äußerst überzeugende Folge von "Mark Brandis – Raumkadett", die mit einem erstaunlichen Tiefgang und einer Anregung zum Nachdenken punkten kann.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Folgenreich/Universal Music




 


 
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