Diese Frage will "Cities in Motion" 17 Jahre nach dem "Transport Tycoon" mit einem Paukenschlag beantworten, und die finnische Produktion scheint vielversprechend zu sein. Im Unterschied zum bereits genannten "Transport Tycoon" ist man bei "CiM" allerdings auf innerstädtischen Verkehr beschränkt, der in vier Metropolen (Wien, Berlin, Amsterdam und Helsinki) gemanaget werden will. Mithilfe von Bus, Straßenbahn, U-Bahn, Wassertaxis und Helikoptern muss die Bevölkerung herumkutschiert werden, und das möglich effizient und ohne dass die eigene Firma dabei pleite geht.
Als erstes sticht die immense Komplexität ins Auge: Es existieren verschiedene Bevölkerungsgruppen; von Pensionisten, Touristen bis zu drei verschiedenen Arbeiterschichten ist alles dabei. Alle unterscheiden sich in der bervorzugten Wahl ihrer Verkehrsmittel und vor allem in ihrer Bereitschaft, wie viel Geld sie euch für eine Fahrt in den Rachen stopfen wollen. Das hängt aber auch von der aktuellen sich immer ändernden wirtschaftlichen Gesamtsituation ab, die Fahrpreise sollten diesem Zyklus immer angepasst werden. Auch wachsen die Städte im Laufe der Zeit, neue Vororte wollen angeschlossen werden, neue Fabriken schaffen Arbeitsplätze und damit Straßenverkehr.
Doch bis man sich damit beschäftigt, gilt es der gewohnten Paradox-Spieltiefe beizukommen. Einfach eine Buslinie quer durch die Stadt zu legen und auf den fetten Gewinn zu hoffen, führt hier nicht zum Erfolg. Die Fahrzeuge verursachen Kosten, Angestellte gibt es auch noch und ohne ausführliche Planung werden die Busse ganz schnell im Stau versinken und damit keinen Cent einfahren. Dasselbe gilt natürlich auch für an einen Gleiskörper gebundene Straßenbahnen, auch wenn sich für jene, falls Platz vorhanden, auch auf Grünanlagen ausweichen lässt.
Abhilfe schaffen U-Bahnen, wobei an dieser Stelle gleich erwähnt werden sollte, dass das Spiel insgesamt sehr U-Bahn-lastig ist. Ohne die ober- und unterirdisch verlegbaren und damit von Verkehrsstau nicht betroffenen Schläuche bleibt dabei nämlich ein ständiger Kampf mit geringen Gewinnspannen, die größere Projekte praktisch verhindern. Hier kommen Banken zum Zug, je nach Schwierigkeitsgrad besteht mehr oder weniger Auswahl, wie viel Geld zu welchen Konditionen gepumpt werden kann. Allerdings hat auch die Untergrundvernetzung ihre Nachteile: Gibt es zwei stark frequentierte, noch dazu lange Linien mit dementsprechend vielen Fahrzeugen und diese kreuzen sich an einer Station, kann es auch hier zu Staus kommen. Es wäre wünschenswert wenn man die Stationen viergleisig ausbauen könnte.
Gegner habt ihr beim Bau eures Netzwerkes übrigens keine, was aber aufgrund der Grundlagen und dem ohnehin ständigen Kampf gegen Stau und Wirtschaftsschwankungen Sinn macht. Daraus folgt dass "CiM" über keinen Mulitplayer-Modus verfügt. Auch die immer wieder auftauchenden Missionen müssen nicht erledigt werden. Sie bringen zwar in den meisten Fällen etwas Geld und Reputation bei den Stadtbewohnern, das kann aber anderweitig erreicht werden; "CiM" lässt alle Freiheiten. Spieler, die Wert auf ein Step-by-step legen, werden hier keine Freude haben, da vieles selbst entdeckt und verstanden werden muss.
Frühestmöglicher Spielbeginn in allen Städten ist das Jahr 1920. Hier steckt man mit den primitivsten Stationen (einem Schild), den klapprigsten und ausfallslastigen Fahrzeugen fest. Im Laufe der Zeit kommen bessere Stationen und Fahrzeuge hinzu, wobei als größter Kritikpunkt ein Upgraden der Stationen derzeit nicht möglich ist. Das heißt dass für eine Verbesserung einer Linie alle Haltestellen abgerissen und neu gebaut werden müssten – eine unnütze Umständlichkeit, die derzeit ein Full-Length-Spiel bis in die Moderne völlig vergällt.
Überhaupt bergen die Abriss- und Bautools noch einige gewisse Mängel. Das ansonsten gut gelöste Interface zeigt hier seine Schwächen, vor allem das Entfernen gelegter Schienen wird immer wieder zum Ärgernis. Auch der Bau der U-Bahn über Bildschirmgrenzen hinweg kann mitunter abenteuerlich sein. Der absolute Traum hingegen ist der beigefügte Karteneditor, der derart intuitiv gebaut ist, dass nicht einmal eine Anleitung notwendig ist (die es ohnehin nicht gibt).
Das größte Problem stellt derzeit allerdings der Verkehr dar, besonders Amsterdam und Helsinki sind davon betroffen. Zwar sind Staus realistisch, aber mit der Zeit verstopft fast alles und es kommt zu Situationen, in denen Bus und Bim nutzlos werden. Selbst ein sich über die ganze Stadt erstreckendes Netz, das zumindest einiges abdecken sollte, schafft keine Abhilfe mehr, da sich der Verkehr gar nicht mehr auflösen will - an diesem Problem wird allerdings laut Auskunft der Entwickler bereits gearbeitet.
Fazit: Auf alle Details kann und will ich hier nicht eingehen. Allen Simulations- und Transportfans kann dieses äußerst liebevoll gestaltete Spiel wärmstens ans Herz gelegt werden, da ein funktionierendes Grundgerüst vorhanden ist. Dass es an einigen Kleinigkeiten zum Releasetermin noch krankt, ist bei Spielen des schwedischen Publishers normal, aber die Entwickler werden das mithilfe der großartigen Community sicher in den Griff bekommen.# # # Bernhard Kleinbruckner # # #
Grafik: 9/10
Sound: 7/10
Steuerung: 7/10
Spielspaß: 9/10
Gesamt: 8/10
Entwickler: Colossal Order
Publisher: Paradox Interactive





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