Mit dem Erscheinen von "Duke Nukem Forever" endet der bis dato größte Running Gag der Videospiel-Geschichte, denn das Spiel hat sage und schreibe 14 Jahre Entwicklungszeit auf dem Buckel und prägte damit dem Begriff der "Vaporware" (sinngemäße freie Übersetzung: "Viel Lärm um Nichts“). Der Sprüche klopfende Maulheld Duke Nukem präsentiert sich auch im neuen Jahrtausend unverändert als Macho mit Comic-haft überzeichneten Weltanschauungen, welche bei verblichenen Frauenrechtlerinnen in eine Mehrfach-Grabrotation um die eigene Achse resultieren würde. Das Spiel beginnt ganz nach Geschmack des Duke mit einem Paukenschlag: Aus der Egoperspektive besiegt man gleich anfangs einen beindruckenden "Endgegner", nur um dann festzustellen, dass der Duke, wie könnte es anders sein, selbst ein Videospielfan, soeben das ihm zu Ehren programmierte Videogame durchgespielt und darin den "virtuellen" Obermotz niedergerungen hat.Doch als kurze Zeit
später "echte" Aliens die Fellatio-affinen weiblichen Lieblingszwillinge des Duke kurzerhand entführen, fängt der Action-Spaß für den Macho-Helden erst richtig an: Schrotflinte, Raketenwerfer, und sogar der legendäre Doppel-Raketenwerfer namens Devastation und später einige schräge Alienwaffen (zum Beispiel die legendäre Schrumpfkanone) werden wieder ausgepackt, um den Bösewichtern ordentlich Feuer unter deren außerirdischen Popos zu machen. Etwas skurril und unpassend zum allgemein persiflierenden Anspruch des Titels wirkt dabei die Begrenzung auf lediglich zwei Waffen. Wirklich störend ist dieses Limit aber ohnehin nicht, da vielerorts Geschütztürme zur Verfügung stehen, die ordentlich Wumms machen.
Für wenig "Wumms" sorgt hingegen die optische Präsentation. Hier ist die lange und zeitweilig unterbrochene Entwicklungsgeschichte des Spiels am augenscheinlichsten. Unglaubhafte und hölzerne Gesichtsanimationen, welche in einer Zeit von lebendig und auf grafisch hohem Niveau inszenierter Mimik und Gestik vom Schlag eines "L.A. Noire" wie Videospiel-Anachronismus pur wirken. Leider kämpft der Duke nicht nur mit Aliens, sondern mit unüblich langen und nervenden Ladezeiten und auf grafischer Ebene auch mit einem teils extrem hässlich und den Spielfluss unterbrechenden Ruckeln, Pop-Ups und Tearing.Der Spielsound
hingegen präsentiert sich einwandfrei, ein Highlight ist dabei die englische Sprachausgabe durch den unverkennliche Jon St. John, welche dem Duke den bekannten, unvergleichlichen Touch, quasi die Seele des Protagonisten verleiht. Auch die deutsche Synchronisation von Manfred Lehmann, den viele meist als Stimme von Bruce Willis kennen, kann sich durchaus hören lassen. Die Geschichte vom hässlichen Entlein und die Frage nach den inneren Werten: Eingefleischte Duke-Fans und Old School Shooter-Puristen bekommen trotz der vielen technischen Unzulänglichkeiten ein Action- sowie humoriges Macho-Attitüde-Rundum-Sorglos-Paket serviert. Comic-hafte Persiflage des zelebrierten Angebertums und Selbstironie gleichermaßen, das sind die zwei Schlüsselingredienzen zum Herz der Duke-Liebhaber. Gewürzt werden diese mit den herrlich überzogenen Splattereffekten. Duke Nukem ist und bleibt dabei der Fleisch gewordene Archetyp des Macho-Maulhelden beziehungsweise Albtraum aller Feministinnen.Fazit: Der pointierte Humor des Spiel und die viele Anspielungen und Seitenhiebe retten den handwerklich altbackenen Shooter vor der Bedeutungslosigkeit und verhelfen dem Duke dazu den Kult-Status der 1990er Jahre in die Gegenwart zu transportieren. Es bleibt hier lediglich zu offen, dass der nächste Auftritt des Macho-Helden technisch ausgereifter ist und sich auf der Höhe der Zeit präsentiert.
# # # Karl H. Stingeder # # #
Entwickler: 3D Realms u.a.
Publisher: 2K Games
Grafik: 2,5/10
Sound: 7,0/10
Steuerung: 6,0/10
Spielspaß: 7,0/10
Gesamt: 5,5/10





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