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Game-Review: Iron Man 2 (PS3)

Griff ins Klo oder spielerisches Feuerwerk nach der Vorlage der Comic-Verfilmung?

Man kann es drehen (c) Secret Levels / iron_man_2_1 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenund wenden wie man will: Das Klischee der Filmspiele wird sich wohl nie wirklich ändern. Es gibt zwar immerhin Titel, die zwar nicht vollends überzeugen, aber durchaus für einige Stunden unterhaltend wirken. Manche wiederum sprühen geradezu vor Motivation und mögen – man will es ja schon fast nicht wahr haben – gar zu kleinen Hitkandidaten mutieren. Doch dann gibt es genau diese Griffe ins Klo, welche einen solchen Lichtblick gnadenlos zunichtemachen und ihr Bestes für die Aufrechterhaltung des negativen Klischees geben.


Nach einer imposanten Einleitung fiebern wir geradezu euphorisch der (c) Secret Levels / iron_man_2_2 / Zum Vergrößern auf das Bild  klickennächsten Entäuschung entgegen: Dem nett gemeinten, aber schwach umgesetzten Gameplay. Zunächst wandelt der gute Tony noch auf dem Boden der Tatsachen herum, doch schon im zweiten Level offenbaren sich sämtliche Entwickler-Torheiten bei "Iron Man 2". In lieblos designten Arealen dürft ihr euch wieder völlig frei zu Fuß oder in luftiger Höhe austoben und müsst einfach alles in Schutt und Asche legen was euch vor die Flinte läuft. Dabei ballert ihr mit unterschiedlichster Bewaffnung auf Panzer, fliegende Robotern sowie auf Abwehrtürme. Hin und wieder wird der Baller-Einheitsbrei mit einem verheißungsvollen Boss-Fight aufgelockert. Doch auch diese überdimensionalen Kriegsgeräte werden mit simplem Dauerfeuer in ihre blechernen Einzelteile zerlegt. Der Schwierigkeitsgrad steigt beständig an, sodass immer mehr und stetig stärkere Feinde auftauchen und immer mehr Salven auf den Kampfanzug einprasseln. Zwischen den Missionen können diverse Upgrades gekauft werden um Panzerung, Munition und Bewaffnung zu verbessern.


Abwechslung in die Langeweile(c) Secret Levels / iron_man_2_3 / Zum Vergrößern auf das Bild klicken bringt das Lösen einiger kleiner Rätsel. An manchen Stellen führt die Befreiung von Gefangenen zu neuen Erkenntnissen über verschlossene Türen und den damit verbundenen Sperrcode. Diese sind zumeist keine zu große Herausforderung, denn sechseckige Formen durch ständiges herumprobieren in die richtige Stellung zu bringen, ist auch für den Gelegenheitsspieler keine Herausforderung. Wer fleißig die über die Level-Areale verstreuten "Tech-Punkte" einsammelt, kann die Attribute des Kampfanzuges  zusätzlich verstärken. Die Flugzeiten werden dann zwar länger, die Panzerung erweist sich jedoch weitaus widerstandsfähiger. Die Durchschlagskraft der vorhandenen Geschosse nimmt zu, und neue Laserwaffen lehren den Gegnern das Fürchten. Die komplette Aufrüstung erfordert hier einiges an Suchzeit, da die Power-Ups mitunter gut versteckt sind.


Wer eine Kinofigur auf die Konsole bringt, sollte gewisse Analogien beibehalten: Die Schauspieler sollten als Vorlage für die Spielfiguren dienen und bestenfalls sollten dieselben Synchronsprecher engagiert werden. Beachtet man das nicht, kommt so etwas heraus wie bei "Iron Man 2": Robert Downey jr. ist der einzige halbwegs wiedererkennbare Charakter, kämpft aber wie alle anderen mit seinem emotionslosen Gesicht und seiner Stimme. Seine Synchro klingt, als gehe sie auf einen Laien zurück, als wäre sie an einer Frittenbude aufgenommen worden: Hörbare Gefühlsregungen fehlen, sie klingt nasal oder beiläufig, jeglicher Charme oder Wortwitz fehlt. Black Widow (Scarlett Johannson) ist z.B. nur schwer wiederzuerkennen. Zu der mäßigen Synchronisation und der geknickten Optik gesellt sich außerdem eine schlechte Abmischung. Häufig bewegen sich Münder, jedoch ohne dass eine Stimmausgabe ertönt. Oder andersrum. Kurz: Die Tonabmischung leidet unter massiver Asynchronität.


Klar,das ist mit Sicherheit kein Spiel das vor Innovation strotzt, aber hey(c) Secret Levels / iron_man_2_4 / Zum Vergrößern auf das Bild  klicken - es ist nur ein Lizenzspiel, das irgendwie dem Konzept gerecht werden möchte. Während die Story deshalb in Ordnung geht, hat "Iron Man 2" weit gravierendere Probleme, die nur schwer verkraftbar sind. Als erstes fällt hierbei die Grafik negativ auf, die eher an ein PS2- als an ein aktuelles PS3-Spiel erinnert. Bis auf die Protagonisten und die Endbosse, die beide grafische Highlights darstellen, wirkt die übrige Optik grau, hoffnungslos veraltet, kantig und pixelig. Und das obwohl das mittlerweile aufgelöste Entwickler-Team mit aktuellen Engines gearbeitet hat. Wirklich haarig gestaltet sich aber vor allem die Handhabe. Der komplette Controller ist zweifach belegt, da in den meisten Szenen die gegnerischen Blechdosen vom Boden oder der Luft aus bearbeitet werden können. Daher wird man gezwungen sich auf die Lock-On Funktion zu verlassen, denn manuell die Kamera zu steuern und Gegner anzuvisieren, ist ein Ding der absoluten Unmöglichkeit. Von intuitiv kann auf jeden Fall keine Rede sein und tatsächlich wird Iron Man stundenlang wie eine Billard Kugel über den Bildschirm geschleudert. Vor allem im Nahkampf kommt es dank der offensichtlichen Fahnenflucht des virtuellen Kameramanns zu imposanten Großaufnahmen der schaurig altertümlichen Texturen. Grundsätzlich gilt: den rechten Trigger durchdrücken und Dauerfeuer bzw. die Aktionstaste hämmern, um die oftmals nicht mehr sichtbaren Gegner mit einigen zufälligen Backpfeifen zu versorgen. Dank regenerativem Schutzschild kann man ja sekundenlang blindlings auf den Controller eindreschen und dennoch auf ein gutes Ende hoffen. Die behäbig erzählte Geschichte und die furchtbar unmotiviert klingende deutsche Synchronisationsfassung runden das anfänglich gefällte Gesamtbild unversöhnlich ab. Hier wurde einfach - trotz ein paar netter Einfälle – zu viel verschenkt. Leider. Denn die durchaus vorhandenen guten Ansätze werden durch die miserable Umsetzung zunichte gemacht. Die Idee, die Geschichte vor allem durch die Figuren zu erzählen, gefällt beispielsweise recht gut. Allerdings läuft selbst das darauf hinaus, dass ihr mehr oder weniger sinnfrei mit Maschinen kämpft, Feuerbälle verschießt und die schlecht gestaltete Einrichtung zerballert. Das ist Stakkato-Actionkost, die sich leider schnell in der Eintönigkeit verliert. Die Möglichkeit, euer Equipment nach jeder Mission aufzurüsten, schafft da keine Abhilfe, wenngleich dieser Gedanke ebenfalls gar nicht so schlecht ist.


Nach ungefähr vier Stunden Spielzeit unterteilt in 8 Levels ist es schließlich vorbei. Vermutlich sollte man den Entwicklern keinen Vorwurf machen, denn ihr Spiel erweckt den Eindruck, als haben sie es unter Zeitdruck fertigstellen müssen - und es doch nicht geschafft.


Fazit: Viel Positives (c) Secret Levels / iron_man_2_5 / Zum Vergrößern auf das Bild klickengibt es über "Iron Man 2 - Das Videospiel" leider nicht zu berichten. Die Grafik ist weit vom heutigen Standard entfernt, die Synchronisation beschämend, die Handlung wird zwar der eines Superhelden gerecht, aber unterm Schnitt wird das Spiel lediglich jene eingefleischte "Iron Man"-Fans ansprechen, die den ersten Teil überlebt haben. Alle anderen können sich den Titel getrost sparen.



###Christoph Stingeder###



Grafik: 4,0/10
Sound: 3,0/10
Steuerung: 5,0/10
Spielspaß: 4,0/10
Gesamt: 4/10

Entwickler: Sega
Publisher: Secret Level



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