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Game-Review: Deus Ex – Human Revolution (Xbox 360, PC, PS3; getestet auf Xbox 360)

Elf Jahre nach dem Release eines der besten Videospiele aller Zeiten kommt endlich neue Augmentierten-Action, doch kann Teil 3 halten woran schon sein Vorgänger gescheitert ist?

(C) Eidos Montreal/Square Enix / Deus Ex: Human Revolution / Zum Vergrößern auf das Bild klickenNachdem "Duke Nukem Forever" vor kurzem seine Schuldigkeit als Videogame-Pendant zu "Chinese Democracy" von GUNS N` ROSES getan hat, richteten sich alle Blicke auf Eidos und sein heißes Eisen im Feuer wiederkehrender Daddelklassiker. "Human Revolution" tritt in riesige Fußstapfen, denn der legendäre erste Teil von "Deus Ex" wurde von Kritikern mit Lob überhäuft und genießt unter Fans noch immer kultische Verehrung. Völlig zu Recht, denn das unter Regie von Warren Spector und Harvey Smith im Jahr 2000 veröffentlichte Spiel kombinierte in bis dahin unbekannter Virtuosität den klassischen First Person Shooter mit Rollenspielelementen. Der Spieler konnte sich in der Haut des mit Nanotech augmentierten Agenten JC Denton, während er der Rahmenhandlung rund um eine gigantische Verschwörung in höchsten bürokratischen Kreisen folgte, an den verschiedenen Schauplätzen mit großer Handlungsfreiheit bewegen und die Geschichte abhängig von seinen Entscheidungen vorantreiben. Mehrere Fraktionen buhlten im Verlauf des Spiels um seine Gunst und schließlich standen drei alternative Enden zur Auswahl – sieht man vom versteckten vierten Disco-Finale mit den tanzenden KIs einmal ab.


Vier Jahre (C) Eidos Montreal/Square Enix / Deus Ex: Human Revolution / Zum Vergrößern auf das Bild klickenspäter schickten Spector und Smith mit einen Klon von JC Denton namens Alex D ins Rennen, der zwanzig Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils angesiedelt war und erneut jede Menge Intrigen und Machenschaften bot, die es zu erhellen galt. Unterm Strich geriet "Invisible War" ganz ordentlich, wenn er auch unter den Möglichkeiten seines Vorgängers blieb und nicht überall auf Gegenliebe stieß. Als einer der hauptsächlichen Kritikpunkte wurde die Vereinfachung des Gameplays und die Reduzierung sowohl der Möglichkeiten zur Augmentierung als auch der Rollenspielelemente genannt. Das war wohl nicht zuletzt der Tatsache geschuldet dass der Titel parallel auch auf der Xbox erschien und man den Konsolenspielern damit entgegenkommen wollte. Seitdem sind sieben Jahre ins Land gezogen, und nach langer Wartezeit ist "Human Revolution" endlich auf Xbox 360, PC und PS3 gleichermaßen erhältlich.


(C) Eidos Montreal/Square Enix / Deus Ex: Human Revolution / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer dritte Teil fungiert als Prequel zum ersten und trägt sich im Jahr 2027 zu. Wir schlüpfen in die Haut von Adam Jensen, dem neuen Sicherheitschef des Konzerns Sarif Industries, welcher Augmentierungen für den menschlichen Körper herstellt und vor dem National Science Board Neuigkeiten vorstellen soll. Kurz vor der Präsentation greift eine Söldnergruppe die Zentrale von Sarif an und ermordet führende Wissenschaftler, darunter die Adam sehr nahestehende Megan Reed, die in ihren Forschungen gerade eben einen revolutionären Durchbruch erzielt hatte. Er selbst wird schwer verletzt und einer Notoperation unterzogen, bei der ihm mehrere Augmentierungen implantiert werden. Als er zu einem Gespräch mit dem Konzernchef David Sarif an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt, erfolgt ein zweiter Angriff auf das Gebäude. Anhänger der Organisation "Purity First", die als strikter Gegner von Augmentierungen auftritt, versuchen den "Taifun" zu stehlen, eine für militärische Anwendungen gedachte Augmentierung. Adam stellt einen Hacker der Gruppe, der sich offenbar gegen seinen eigenen Willen erschießt, und stellt fest dass dieser selbst augmentiert war. Diese Tatsache, selbst dem "Purity First"-Anführer Zeke Sanders unbekannt, soll von der Polizei verschleiert werden. Wie es scheint, wurde der Hacker von einem Dritten gesteuert, der Interesse daran hatte die Forschungen Sarifs zu behindern. Es bestehen Zweifel daran dass es sich dabei lediglich um einen Konkurrenten im hart umkämpften Augmentierungsmarkt handelt, und so macht sich Adam daran, die Hintergründe aufzudecken. Dabei kommt er nicht nur den Vertuschungsversuchen auf die Spur, sondern auch seiner eigenen mysteriösen Vergangenheit…


Das wohlige (C) Eidos Montreal/Square Enix / Deus Ex: Human Revolution / Zum Vergrößern auf das Bild klicken"Deus Ex"-Gefühl stellt sich bereits nach einigen Minuten ein, sobald man sich mit der Steuerung vertraut gemacht hat. Sehr praktisch ist das neue Feature, hinter Wänden oder Kisten Deckung zu suchen, daraus auf Gegner zu schießen oder sich zu einem anderen schützenden Hindernis zu hechten. Dabei erfolgt ein Wechsel von der Ego- in die Third Person-Perspektive, was Konsolenspielern geläufig ist und die Tendenz von "Invisible War" fortsetzt, dieser Zielgruppe entgegenzukommen. Ansonsten brilliert Teil 3 über weite Strecken, bietet wieder allerlei Lösungsmöglichkeiten, wenn auch das Schleichen oftmals erzwungene Präferenz ist, da Adam nur wenige Treffer einstecken kann und ein offener Kampf gegen mehr als drei bis vier Gegner auf einmal wenig Aussichten auf Erfolg hat. Gut gelöst ist das Upleveln der verschiedenen Augmentierungen, das durch das Sammeln von Erfahrungspunkten möglich wird. Die werden nicht nur für versteckte Bereiche, sondern auch gewaltlose Erfolge und das Abschließen von Nebenquests erreicht – allein letztere übertreffen locker die Spieldauer vergleichbarer Konkurrenz-Shooter. Das Suchtpotential und die Versuchung, den Controller nicht wegzulegen, speist sich nicht zuletzt durch diese in die Haupthandlung eingeflochtenen Missionen.


(C) Eidos Montreal/Square Enix / Deus Ex: Human Revolution / Zum Vergrößern auf das Bild klickenGespräche mit den verschiedenen NPCs lohnen sich, E-Books, Zeitungen und PDAs informieren über die bedrohliche Atmosphäre, in der man sich bewegt, und erhellen Hintergründe der Handlung. Besonderen Spaß macht das Hacken von Türterminals und Computern, die Umsetzung ist gut gelungen und die Angst, entdeckt zu werden, macht den Nervenkitzel aus und motiviert, die entsprechenden Augmentierungen schnellstmöglich zu verstärken. Sehr empfehlenswert ist auch die Verbesserung der Tragkapazitäten, um mehr Waffen und Ausrüstung transportieren zu können, denn auch Munition nimmt nun Platz im Inventar ein. Je nach Präferenz stehen wieder allerlei Schießprügel, wahlweise auch nichtletal, zur Verfügung. Obsolet geworden ist die Suche nach Medkits, da Adam seine Lebensenergie sehr schnell regenerieren kann, sodass man im Gefecht einfach einige Sekunden aus dem Schussfeld verschwinden muss, um zum Gegenangriff übergehen.


Ausgehend von (C) Eidos Montreal/Square Enix / Deus Ex: Human Revolution / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDetroit, der Zentrale von Sarif Industries, bahnt sich Adam seinen Weg durch die Intrigen von Freund und Feind und beschwört viele der Tugenden der ersten beiden Spiele herauf. Die Story ist spannend erzählt, mit interessanten Nebenmissionen gespickt, die Optionen, Ziele zu erreichen, zahlreich. So gut der Plot auch gestaltet ist, krankt "Human Revolution" jedoch wie seine Vorgänger an einer nicht zeitgemäßen Grafik, was durch eine möglichst düstere, in grau und Sepiafarben gehaltene Umgebung kaschiert werden soll. Das ist nicht weiter tragisch, denn schon "Deus Ex" hatte genügend Vorzüge abgesehen von der schalen Optik. Teil 3 macht also alles richtig und ist auf dem besten Weg, ein Meilenstein zu werden, wenn… ja, wenn da nicht die völlig unnötigen und fehlplatzierten Bosskämpfe wären! Die sind nämlich derart sauschwer geraten, dass man die Entwickler am liebsten mit schwerster Folter dafür büßen lassen will. Während man sich vor den Salven seiner Gegner in Sicherheit bringt, denkt wohl so mancher an die guten alten Killswitches zurück, mit denen sich einst JC Denton solcher Gegner nur mit einer Dialogzeile erledigt hat. Läuft das Spiel bis zum ersten Bossfight butterweich von der Hand, stürzt es hier sogar den erfahrensten Gamer in tiefe Frustration. Verstärkt wird diese durch die viel zu langen Ladezeiten, die sich als zweiter großer Schwachpunkt und Anlass für Ärger erweisen.


(C) Eidos Montreal/Square Enix / Deus Ex: Human Revolution / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIst man aber gewillt, durch diese unruhigen Gameplay-Fahrwasser hindurch zu tauchen, wird man mit einem großartigen Spiel belohnt, das einen lange beschäftigt und die Flagge seiner Vorgänger insgesamt hochhalten kann. Die Implementierung des Prequels in den "Deus Ex"-Mythos ist gut gelungen, wozu nicht nur auftauchende Reizworte wie VersaLife, NSF oder Joseph Manderley sorgen – jedem eingefleischten Fan ein Begriff. Und auch der berühmte Gag mit dem Besuch der Damentoilette, der bereits im ersten Teil den Unmut der Kollegenschaft erregte, findet sich in "Human Revolution" wieder. Das macht deutlich, wie viel Liebe zum Detail in das Spiel gesteckt worden ist, und dass die Wurzeln des Franchises nicht vergessen worden sind. Adam Jensens Abenteuer hätten alles in allem das Zeug gehabt, in die Fußstapfen von Teil 1 zu treten und sich ebenfalls zum Meisterwerk aufzuschwingen – aufgrund der beschriebenen, zwar wenigen aber doch stark ins Gewicht fallenden Mängel, reicht es nur zum heißen Anwärter auf das Spiel des Jahres 2011. Aber das ist doch auch was!


Fazit: Die gelungene Mischung aus Shooter und Rollenspiel inmitten eines großangelegten Verschwörungsszenarios glänzt auf weiter Strecke mit großer Entscheidungsfreiheit, sinnvollen Neuerungen und ist ein würdiger Vertreter der "Deus Ex"-Reihe.



# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Grafik: 7/10
Sound: 9/10
Steuerung: 9/10
Spielspaß: 9,5/10
Gesamt: 9/10


Entwickler: Eidos Montreal
Publisher: Square Enix




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