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Stadt der Vergessenen

In der Unterwelt von L.A. ist Joe Sunday eine Größe. Bisher gab es für ihn im Leben nur eine Richtung: Nach oben. Doch nun Joe muss erkennen, das Glückssträhnen enden können, als er während eines Auftrags erschossen wird.

(C) Bastei Lübbe / Stadt der Vergessenen / Zum Vergrößern auf das Bild klickenLos Angeles ist keine gewöhnliche Stadt. Nicht ohne Grund hat sie den Ruf, Menschen mit Haut und Haar zu verschlingen. Ein Ort, an dem Hoffnungen und Träume ein Ende finden. Es versteht sich daher beinahe von selbst, dass eine Existenz jenseits des Gesetzes als besonders gefährlich einzustufen ist. Joe Sunday gehört zu den Raubtieren in diesem Dschungel und es gibt nur wenige, die ihm das Wasser reichen können. Bisher fand sich noch kein Job, den er nicht zur Zufriedenheit seines Bosses erledigt hätte. Doch irgendwann verlässt jeden einmal das Glück, eine bittere Erfahrung, die auch Joe Sunday machen muss. Sein Chef wird bei einem groß angelegten Einbruch hintergangen und die Beute fällt in die Hände eines Rivalen.


Sunday bekommt den Auftrag, die abhandengekommene Sore wiederzubeschaffen. Doch der scheinbare Routinejob läuft vollkommen aus dem Ruder, Sunday wird in einen Hinterhalt gelockt und ermordet. Der eiskalte Schläger muss erkennen, dass der Tod nicht das unvermeidliche Ende ist und es Dinge gibt, die weitaus schlimmer sind. Sunday hat sich in einen Untoten verwandelt. Ein Zustand, der eine Reihe von Unannehmlichkeiten mit sich bringt.


Sein Körper ist stets von einem rasant voranschreitenden Verfall bedroht, den er nur aufhalten kann, indem er seinen ausgeprägten Hunger nach Menschenfleisch stillt. Joes einziger Ausweg aus dieser prekären Situation scheint der Besitz des Edelsteins zu sein, den sein ehemaliger Boss stehlen ließ. Ohne Umschweife macht er sich an die Arbeit, das verschwundene Juwel in seinen Besitz zu bringen. Gleich mehrere Gegenspieler treten jedoch auf den Plan und versuchen ebenfalls des Edelsteins habhaft zu werden.


Als ob das allein noch nicht genug wäre, muss der ehemalige Schläger erkennen, dass auch seine Rivalen über einige reichlich merkwürdige Fähigkeiten verfügen. Eine genaue Einordnung des Debüts von Stephen Blackmoore gestaltet sich nicht ganz einfach, denn der Autor bedient sich in den verschiedensten Genres und rührt sie zu etwas Neuem zusammen. Die größte Schnittmenge dürfte sich wohl mit dem Hardboiled-Krimi, der in den 1920er Jahren in Kalifornien das Licht der Welt erblickte, finden.


Zwar ist die Hauptperson kein einsamer Privatdetektiv, doch weist Joe Sunday viele Merkmale einer Figur dieser Gattung auf. Er steht auf weiter Flur allein und versucht zu klären, wer warum ein Interesse an seinem Ableben haben könnte. Immer wieder gerät er dabei in gefährliche und undurchsichtige Situationen und muss mehrmals Prügel von seinen Gegenspielern einstecken. Doch aufgeben ist nicht Joe Sundays Ding. Er beißt sich fest, bis klar ist, wie er sich aus der scheinbar ausweglosen Lage an den eigenen Haaren wieder herausziehen kann.


Typisch für den Hardboiled-Krimi eines Dashiell Hammett oder James Ellroys ist auch die lakonische Sprache und die düstere Beschreibung von L.A. als eine brodelnde Metropole, die einen verschlingt, wenn man nicht vorsichtig genug ist. Niemand wäre so vermessen, die Sprache dieser Richtung des Krimis als ästhetisch schön zu beschreiben, auch Stephen Blackmoores Erstling ist weit davon entfernt. Seine Wort sind knapp, schlicht und nicht selten brutal, angereichert mit einer nicht geringen Anzahl von Schimpfwörtern und Fäkalsprache. Wer sich davon abgeschreckt fühlen sollte, dem sei empfohlen, ein anderes Buch zu lesen.


Wenn wir die Sprache in den Mittelpunkt rücken, so sind wir bei einer weiteren Inspirationsquelle angelangt, die jedoch nicht in der Literatur zu suchen ist, sondern im Kino. Immer wieder blinzelt verstohlen das Werk eines Quentin Tarantino um die Ecke. Insbesondere die Actionszenen und in jenem Moment, in dem Joe das erste Mal einen Heißhunger verspürt, erinnern an Aufnahmen aus den Filmen Tarantinos. Bemerkbar macht sich dies natürlich auch bei einigen der Figuren, denen wir in diesem Roman begegnen.


Eine Latina-Hexe, die sich um die Ausgestoßenen der Schattenwelt sorgt, ein ehemaliger KZ-Arzt und ein Untoter, dessen Wurzeln im 16. Jahrhundert zu suchen sind. Doch sie sind keine Kopien aus den Filmen des Regisseurs, sondern eine Hommage an seine Figuren. Zu guter Letzt gesellen sich noch einige Zutaten aus der klassischen Horrorliteratur hinzu, um das Bild zu komplettieren. Also stoßen wir auf den gut 300 Seiten auf Zombies, Vampire und Hexen, die allesamt eine verborgene Parallelgesellschaft in der Stadt der Engel bilden.


Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass es Stephen Blackmoore mit "Stadt der Vergessenen" gelingt seine Leser zu unterhalten, wenn man seine Bücher ein wenig ruppiger und robuster mag. Was den Plot der Geschichte angeht, besteht sicherlich noch Luft nach oben und einen Originalitätspreis wird man mit der Story auch nicht gewinnen, doch versteht es der Autor, sein Publikum nie zu langweilen und bis zum Schluss gut zu unterhalten. Für ein Debüt gibt es jedenfalls keinen Grund zu meckern.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Bastei Lübbe




 


 
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