Die Geschichte des "Chevalier Ardent", des "feurigen Ritters", so der Originaltitel, erschien ab 1966 in Fortsetzungen im belgischen Comic-Magazin "Tintin", ab 1970 kamen bei Casterman in Belgien insgesamt 20 Alben heraus. Wechselvoller gestaltete sich die Publikationsgeschichte von Francois Craenhals` Mittelalter-Saga in Deutschland. Ab 1975 erschienen im Carlsen Verlag die ersten zehn Alben, Band 11 bis 14 wurden von Feest herausgebracht. Durch die darauf folgende Einstellung der Serie blieben die folgenden Abenteuer Rolands dem deutschsprachigen Publikum vorenthalten. Seit 2010 legt nun der Cross Cult Verlag, der mit seinem Programm schon des Öfteren ein glückliches Händchen für feine Wiederentdeckungen bewiesen hat, den frankobelgischen Klassiker neu auf. Band 5 enthält die drei Alben "Der Geheimgang", "Der Günstling des Königs" und "Die Falle", wobei letzteres seine deutschsprachige Premiere erlebt.Zum Inhalt der Bände: Ritter Roland erlebt in "Der Geheimgang", ganz entgegen seines cholerischen Temperamentes, die ruhigsten und glücklichsten Tage seines Lebens: Während er den Wiederaufbau seiner Burg Rotteck beaufsichtigt bleibt ihm genügend Zeit, die er – und zwar nicht unbedingt in aller Unschuld – mit seiner innig geliebten Gwendoline verbringt. Doch es bleibt nicht alles eitel Wonne: König Artus, Gwendolines Vater, holt diese zurück, und auch Rolands Baumeister treibt ein böses Spiel im Auftrag von Artus.
Dass Artus Roland seinen Ungehorsam nicht verziehen hat, beweist er auch in weiterer Folge. Zwar ernennt er den ungestümen Ritter zum "Günstling des Königs", doch dies ist nur eine weitere List, um Roland durch die mit dieser Ehre verbundenen Pflicht, ein Turnier abzuhalten, in Abhängigkeit und zu unbedingtem Gehorsam zu zwingen. Von Gwendoline erhält Roland nur eine kurze Nachricht, die andeutet, dass die gemeinsamen glücklichen Tage nicht ohne Folge geblieben sind. Um Roland von Gwendoline fernzuhalten, schickt Artus ihn in "Die Falle" ins ferne Kiew, um dem russischen König Dokumente zu überbringen. Alsbald wird Roland aber in die Intrige um den von Kyptschaken entführten Fürsten Juri Turovs verwickelt. Roland gelingt es, den Entführten zu retten, doch für ihn bricht eine Welt zusammen, als er erfährt, dass Artus dem Fürsten Gwendoline zur Frau geben will.
Der vorliegende Band beweist eindrucksvoll, wie fest Craenhals nunmehr die Handlungsstränge und das Figurenpersonal seiner Saga im Griff hat: Es wird souverän und abwechslungsreich fabuliert, die Charaktere sind psychologisch rund und nachvollziehbar gestaltet, ihre Motivationen sind klar und schlüssig. Vor allem die Kontroverse zwischen Roland und König Artus, die immer mehr Raum einnimmt, ist psychologisch fein ausbalanciert. Mit allen Zwischentönen wird ein (Schwieger)Vater-Sohn-Konflikt voller widersprüchlicher Emotionen geschildert. Auch zeichnerisch zeigt sich Craenhals auf der Höhe seiner Kunst: Zwar fanden schon in den letzten Alben Stilmittel aus Symbolismus und Surrealismus Eingang in Craenhals` Strich, nun aber fügen sie sich harmonisch in seinen mehrheitlich realistischen Zeichenstil ein und stehen diesem nicht mehr konterkarierend gegenüber.
Das idealisierte Mittelalter, in dem die Serie angesiedelt ist, verkommt bei Craenhals nicht zur bloßen Staffage: Gut recherchiert und realistisch wird so zum Beispiel in "Der Geheimgang" ganz nebenbei, ohne den Fluss der Geschichte zu behindern, die architektonische Meisterleistung des Baus einer Burg um 1100 geschildert. Wie es gute Sitte bei Cross Cult ist, beschließt ein üppig bebilderter redaktioneller Anhang den Band. Er enthält unter anderem die faksimilierten Titelblätter der deutschsprachigen beziehungsweise flämischen Erstausgaben.
# # # Gustav Ganz # # #
Publisher: Cross Cult Verlag





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