SLAM Logo
© SLAM Media
SLAM #108 mit Interviews und Storys zu BODY COUNT +++ OZZY OSBOURNE +++ ANVIL +++ IGORRR +++ TWIN ATLANTIC +++ NATHAN GRAY +++ DEMONS & WIZARDS +++ NEAERA +++ u.v.m. +++ plus CD mit 11 Tracks! Jetzt am Kiosk!

Movie-Review: Brügge sehen…und sterben? (Universum Film)

Origineller Genre-Mix, der nun auf Blu-ray-Disc erhältlich ist.

brugge sehen und sterben (c) Universum Film / Zum Vergrößern auf das Bild klicken"Brügge sehen…und sterben?" ist die Geschichte des irischen Auftragsmörders Ray (Colin Farrell), der bei einem Mord an einem Londoner Pfarrer versehentlich ein kleines Kind erschießt. Für seinen Auftraggeber, den nur scheinbar gewissenlosen Harry (Ralph Fiennes), ist das ein schwerer Fehler, den er aus tiefster Überzeugung verurteilt. Er schickt Ray gemeinsam mit dessen Partner Ken (Brendan Gleeson) nach Brügge. Die beiden sollen dort eine Weile untertauchen und die Füße still halten.


Harry kennt und schätzt Brügge aus seinen Jugendjahren und möchte seinen Auftragskillern vermeintlich etwas Gutes tun. Für Ken, den Älteren der beiden, ist der Trip auch ein kulturelles Erlebnis, da er sich die unzähligen Sehenswürdigkeiten ansehen kann. Für Ray ist Brügge jedoch ein "shithole", ein uninteressantes Kaff, also genau das, was er mit seinen Schuldgefühlen und Selbstzweifel gerade nicht brauchen kann. Er ist auf der Suche nach Bier, Drogen und Sex und verpasst dabei keine Gelegenheit neuen Ärger anzufangen. Er beschimpft und verprügelt Touristen, beginnt eine Affäre mit der Dealerin Chloë (Clémence Poésy) und freundet sich mit dem kleinwüchsigen Schauspieler Jimmy (Jordan Prentice) an, der einen Film dreht, durch den surreale Figuren aus den Gemälden Hieronymus Boschs wandeln.


Regisseur und Oscarpreisträger Martin McDonagh war mit dem Drehbuch seines Spielfilmdebuts gleich wieder für den Oscar nominiert. Einen Namen hat er sich eigentlich am Theater gemacht, was sich auch in der Bildsprache des Films niederschlägt: Allegorische Figuren, märchenhafte Bilder und das verträumte Brügge in winterlichen Nebel getaucht. Wer die Stadt kennt, wird feststellen, dass tatsächlich vor Ort gedreht wurde und die malerischen Kanäle und die mittelalterliche Bausubstanz eine ideale Kulisse bieten, die, mal beschaulich-romantisch, mal surreal-albtraumhaft, entscheidend zur Atmosphäre des Films beiträgt.


"Brügge sehen…und sterben?" hat viele tiefgründige Momente, allerdings auch einige Härteeinlagen, die nichts für Zartbesaitete sind. Dennoch geht es vor allem um das zwiespältige Seelenleben der Protagonisten, denen McDonagh sehr viel Menschlichkeit zugesteht. Sie arbeiten ihre Beziehungen zueinander auf und stellen sich den grundlegenden Fragen nach Moral und Schuld der tragischen, aber mit schwarzem englischem Humor gespickten Gangstergeschichte. Die Darsteller laufen ausnahmslos zur Höchstform auf. Colin Farrell, der seine beste Performance seit "A Home at the End of the World" abliefert, erhielt dafür einen Golden Globe. Sein harter irischer Akzent und die direkte Art seiner Rolle sorgen für herausragende Dialoge und Sprüche.


Besondere Erwähnung erfordert der Score von Carter Burwell, der die melancholische Stimmung der pittoresken Stadt und die Verzweiflung Rays gut einfängt. Technisch ist die BD einwandfrei. Auch die Extras sind gelungen. Das Bonusmaterial enthält neben den üblichen Interviews, Outtakes und entfallenen Szenen Interpretationen verschiedener Schlüsselszenen und –motive durch McDonagh. Wer bisher nicht die Möglichkeit hatte vor Ort eine Bootstour zu machen kann dies mit der BD nun nachholen. Einen Besuch Brügges ersetzt das freilich nicht.

# # # Felix Reiterer # # #



Das gefällt mir! Weiter-tweeten
Eine der gelungensten Comicverfilmungen aller Zeiten ist als Edition mit limitiertem Kunstdruck neu herausgekommen.
Neuauflage einer Urproduktion der Monty Python-Komiker – zugreifen!
Unsere Empfehlungen für Filmenthusiasten.
"Spaceballs" – Die Kult-Persiflage des Sci-Fi Genres ist nun endlich auch in High Definition verfügbar. Möge der Saft mit dir sein – may the Schwartz be with you!
Endlich gibt es einer der besten Superhelden-Zeichentrickserien aus den 1990er Jahren auf Silberscheibe – mit allem, was den Mythos von Marvels Mutanten ausmacht!
Mit "Die Unbestechlichen" (englischer Originaltitel: "The Untouchables") gelang Brian De Palma 1987 nicht nur ein Gangsterfilm-Klassiker, sondern auch das Revival eines Filmgenres.
Rock Classics
Facebook Twitter Google+