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Movie-Review: Der Baader Meinhof Komplex (Paramount)

Nach „Der Untergang“, dem vielgescholtenen Film über die letzten Tage im Führerbunker, hat sich Produzent Bernhard Eichinger erneut einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte gewidmet: Der Roten Armee Fraktion (RAF). Regisseur Ulrich Edel folgt dabei dem Sachbuch von Stefan Aust, das vielen als Standardwerk gilt.

der_baader_meinhof_komplex_cover (c) Paramount / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer Film muss in knapp zweieinhalb Stunden einen langen Zeitraum abdecken: Vom 2. Juni 1967 (Demonstration gegen den Schah-Besuch in Berlin, bei der Benno Ohnesorg erschossen wird) bis zum 18. Oktober 1977 (Erschießung Hanns Martin Schleyers durch die Zweite Generation der RAF).

 

Schon das Faktum, dass die Eckpfeiler des Filmes sich auf den Tag genau festlegen lassen, macht die Absicht klar: Der Film möchte einen möglichst realistischen Überblick über die Ereignisse liefern. Der lange Zeitraum, der in Spielfilmlänge dargestellt werden muss, hat aber Auswirkungen auf die Dramaturgie; der Film hechelt quasi durch zehn Jahre deutscher Zeitgeschichte, keine Szene bleibt ohne Konflikt oder Zuspitzung, Action-Film-Dramaturgie.

 

Beim Anspruch, dem Zuschauer größtmögliche historische Authentizität zu präsentieren, bleiben aber andere Aspekte auf der Strecke: Neue Perspektiven oder Einblicke oder gar einen Diskurs über dieses Stück bundesdeutscher Zeitgeschichte liefert der Film nicht; auch bleibt die Charakterzeichnung (trotz großer Namen auf der Besetzungsliste) seltsam farblos:

 

Ulrike Meinhofs Wandlung von der linksintellektuellen Journalistin, die die Feder gegen das Schwert tauscht und Terroristin wird, wird noch am meisten Platz eingeräumt.

 

Gudrun Ensslin ist schon zu Beginn fanatisiert, im weiteren Verlauf der Handlung entwickelt sie sich dann (charakterlich und optisch) von der Fanatikerin zur bösen Hexe. Andreas Baader, im Film die bestimmende Figur (auch durch die Präsenz des Darstellers Moritz Bleibtreu) wird auffällig flach und eindimensional gezeichnet: Ein frauenfeindlicher, aggressiver Macho, der ein Faible für schnelle Autos und schicke Kleidung hat, der den Terrorismus als Räuber-und-Gendarm-Spiel begreift, immer einen coolen Spruch auf den Lippen hat und sich selbst in Situationen größter Bedrängnis erst einmal eine Zigarette ansteckt: Der prototypische rebel without a cause im Wortsinn, denn für Begründungen bleibt im Film keine Zeit. BKA-Chef Horst Herold, oberster RAF-Jäger, Vater der Rasterfahndung (gespielt von Bruno Ganz) hat ironischerweise im Film u.a. die dramaturgische Funktion, die Motivation der Terroristen immer wieder zu erläutern.

 

Bleibt die Frage, an wen der Film sich eigentlich wendet: Kennern der RAF-Geschichte wird die dramaturgisch notwendige Verknappungen der Handlung sauer aufstoßen, Nicht-Kennern wird durch sie vieles im Dunkeln bleiben. Der letzte Satz des Filmes, gesprochen von der Darstellerin der Brigitte Mohnhaupt "Ihr habt die Leute nie gekannt. Hört auf, sie so zu sehen, wie sie nie waren", kann so auch als Selbsteingeständnis der Macher des Filmes gelesen werden.

 

Trotzdem: Allen, denen die RAF wenig bekannt ist, kann der Film einen guten ersten Einstieg ins Thema liefern – wenn man auch immer im Hinterkopf behalten sollte, dass es sich um einen Spielfilm handelt. Besonders empfehlenswert ist für diesen Publikumskreis die Version mit 2 DVDs: Neben dem Audiokommentar des Regisseurs Uli Edel (auch auf der Single-Disc-Version enthalten) findet sich auf dieser nämlich ein ausführliches Making Of und ein langes Interview mit Stefan Aust, der die historischen Hintergründe vertiefend erklärt.

 

# # # Manuel G. Mattweber # # #

 

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