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Movie-Review: Heinz Erhardt Collection (Kinowelt)

"Lasst doch mal den Dicken ran!" hieß ein Schlager im Deutschland der Wirtschaftswunder-Jahre. Und während der eine Dicke als Minister, später Bundeskanzler die Geschicke des Landes lenkte (Ludwig Erhard), prägte sein Fast-Namensvetter Heinz Erhardt den Humor jener Zeit. Zu seinem 100. Geburtstag ist eine DVD-Box erschienen.

heinz_erhardt (c) Kinowelt / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie Box bringt drei Kinofilme von Heinz Erhardt ins Patschenkino, nämlich "Immer die Radfahrer" (1958), "Kauf dir einen bunten Luftballon" (1960) und "Ach Egon!" (1961).

 

Kurz sei auf den Inhalt der Filme eingegangen.

 


"Immer die Radfahrer":

 

Drei ehemalige Schulkameraden wiederholen aus sentimentalen Gründen nach 25 Jahren ihre Abitur-Reise, mit dem Rad durch Kärnten. Dabei schließt sich ihnen die Schwiegertochter in spe eines der Herren an. Die Ehefrauen der drei/der Freund des Mädchens trauen ihren Gatten/ihrer Freundin nicht und reisen ihnen deshalb hinterher. Verwicklungen sind vorprogrammiert, vor allem, weil die gesetzten Herren plötzlich mit ihrer amourösen Vergangenheit konfrontiert werden.

 

"Ach Egon!":
 

Ein Kinderarzt hat während des Studiums aus Mitleid seine Zimmerwirtin geheiratet, um deren unehelichen Sohn (der älter ist als er und dem er nie begegnet ist) im Nachhinein zu legitimieren, hat das aber seiner jetzigen Frau verschwiegen. Zum ersten Hochzeitstag tauchen nun nicht nur seine gestrengen Schwiegereltern, sondern auch sein „Sohn“ auf, der als Varietekünstler arbeitet und noch drei Schimpansen im Schlepptau hat.


"Kauf dir einen bunten Luftballon":

 

Ein Direktor kann sein verschuldetes Theater nur dadurch retten, dass seine nächste Revue ein Flop wird. Durch eine Verwechslung bekommt die Nichte eines Eisstadionsbesitzers die Hauptrolle in dem Stück, das nun beste Chancen darauf hat, ein Erfolg zu werden. Die Premiere wird dennoch ein Fiasko, die Theaterleute werden arbeitslos. Doch der Bühnemaler (und Hobby-Eishockeyspieler) hat die rettende Idee: Aus der Theater- soll eine Eislaufrevue werden.


Die Kurzzusammenfassungen lassen es deutlich werden: Die Filme sind Klamauk-Konfektionsware jener Zeit, die üblichen harmlosen Komödien voller Verwechslungen, Verkleidungen und Missverständnisse; immer wieder werden zwischendurch auch gerne einmal Schlager geträllert, als Darsteller agieren Stars und Sternchen jener Zeit (Adrian Hoven, Corny Collins, Gunther Philipp, Waltraud Haas, Rudolf Vogel, Wolf Albach-Retty, Paul Hörbiger, Hans-Joachim Kulenkampff, Christiane Hörbiger, Peter Kraus, Toni Sailer). Handwerklich sind die Filme durchaus solide gemacht, keine Frage, aber im Grunde ist es Heinz Erhardts Humor, der diese Filme heute noch sehenswert macht.


Heinz Erhardts war ein Meister des Wortes, ein Komödiant, der in ganz eigener Weise mit der Sprache spielte, durchaus in der Tradition von Ringelnatz, Morgenstern oder Kästner stehend.


Flüchtig betrachtet mögen Erhardts sprachliche Kapriolen – gerade auch in den Filmen – oft als seichte Albernheiten aufgenommen werden, doch wer genau hinsieht und -hört, der kann unter dieser scheinbar harmlosen Oberfläche ein gehöriges Maß an Subversivität und Schärfe entdecken.


Perfide auch, dass Erhardt rein optisch im Gewand des deutschen Spießbürgers par excellence daher kommt: Klein und dicklich, in einen Konfektionsanzug gezwängt, das schüttere Haar korrekt gescheitelt und Hornbrille tragend. Doch Erhardt hielt mit der Rolle des leicht schusseligen Philisters und mit seiner genauen Analyse von Sprachgebrauch dem Kleinbürger jener Zeit auch – zwar sehr milde, aber durchaus kritisch – den Spiegel vors Gesicht.


Erhardt selbst hatte ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu seinen Filmen: Einerseits brachten sie ihm eine Popularität ein, die er allein mit Theater- und Kabarettauftritten nie erlangt hätte, andererseits meinte er einmal: "Ich nehme Rollen nur an, damit ich mir leisten kann, Kabarett zu machen."


Gerade auch vor diesem Hintergrund bleibt bei dieser DVD-Box ein etwas zwiespältiger Eindruck zurück. Die Filme sind durchaus vergnüglich und unterhaltsam, zeigen aber nur einen Teil des Spektrums von Erhardts Schaffen, nämlich den massentauglichen, scheinbar harmlosen. Möchte man den Komiker Heinz Erhardt in seiner ganzen Breite und Tiefe kennen lernen, ist der Erwerb eines Buches mit gesammelten Gedichten unbedingt anzuraten.

 

 

 # # # Manuel Mattweber # # #

 

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