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Serien-Review: Ein Engel auf Erden Season 1

Halleluja, freuet Euch sehr: Season 1 von „Ein Engel auf Erden“, der legendären Familienserie aus den 80ern mit der Extraportion Spiritualität ist nun auf DVD in deutscher Sprache erhältlich.

Ein Engel auf Erden Season 1 (c) Paramount Home Entertainment / Zum Vergrößern auf das Bild klickenBrüder und Schwestern, höret, was die Legende besagt: Als Michael Landons Tochter schwer erkrankte, legte der tiefreligiöse Schauspieler ein Gelübde ab. Sollte sie genesen, so würde er eine Fernsehserie zu Ehr und Preis des Herrn drehen; eine Serie, die Zeugnis davon ablegen sollte, dass sich all die Probleme auf der Welt der Menschenkinder mit Liebe, Glaube und Hoffnung, mit etwas Mitgefühl und Gottvertrauen, mit Verständnis, Hilfsbereitschaft und Tatkraft lösen lassen. Und die Tochter genas, und so produzierte Landon von 1984 bis 1989 „Ein Engel auf Erden“ (im Original: Highway To Heaven) in insgesamt fünf Staffeln. Und er sah, dass es gut war.

Die Ausgangssituation von „Ein Engel auf Erden“ ist schnell erzählt und jedem, der in den 1980er den Einschaltknopf des Fernsehers bedienen konnte, wohlbekannt: Der Engel Jonathan wird von Gott auf die Erde gesandt, nicht aber etwa als Cherubin mit weißen Flügeln, sondern in der Gestalt eines all american guy (und trägt so auch den Allerwelts-Nachnamen Smith) in Jeanshemd und Lederjacke, um Menschen in Schwierigkeiten mit Taten (und gerne auch weisen Worten) beizustehen. Und obwohl der Engel selbstverständlich überirdische Kräfte besitzt, setzt er diese nur sehr sparsam ein, er tritt als ganz gewöhnlicher Mensch auf. Der Engel muss seine Aufträge allerdings nicht allein erfüllen, denn bereits in der Pilotfolge trifft er auf den bärbeißigen Ex-Polizisten Mark Gordon (dargestellt von Viktor French, der bereits in „Unsere kleine Farm“ mit Landon zusammenarbeitete), dem er sich offenbart und der ihn fortan bei seinen Missionen begleitet.

Und so fahren die beiden in Gordons alter Karre kreuz und quer übers Land, und werden vom Herrn dort hingeführt (oder gerne auch per Autopanne gestoppt), wo Not am Mann bzw. Engel ist.

Die einzelnen Episoden folgen strikt diesem Schema, Variationen gibt es kaum. Das erhöht zwar den Wiedererkennungseffekt, wirkt aber auf Dauer (und vor allem dann, wenn man sich die Episoden hintereinander ansieht) etwas phantasielos. Auch entwickeln sich die Hauptfiguren kaum weiter, die Rollen stehen fest; spannend genug, wenn doch ab und an kleine Irritationen auftreten, so in einer Episode, in der sich Engel Jonathan plötzlich damit konfrontiert sieht, dass er höchst irdische Regungen gegenüber einer seiner Klientinnen – aber mit Gottes Hilfe und dem Rat seines buddys Mark widersteht er natürlich der 5. Todsünde.

Die Absichten von Landon sind klar: „Highway To Heaven“ war der Versuch, das Fernsehpublikum im Rahmen einer Unterhaltungsserie mit ernsten Themen (wie Krankheit, Tod, Behinderung) zu konfrontieren und den Zuseher zu Menschlichkeit, Nächstenliebe und Toleranz zu erziehen. Auch die Tatsache, dass Gott nicht als sprichwörtlicher deus ex machina eingreift und die Schwierigkeiten löst, sondern einen Engel in Menschengestalt schickt, der eigentlich jedermann sein könnte, sollte auf die Zuschauer pädagogisch einwirken, und sie durchaus zur praktischen Nachahmung animieren.

Dieser Vorsatz mag ja gut gemeint sein, nur wirkt die Abhandlung ernster Problematiken im Rahmen einer 45-minütigen Episode doch oft oberflächlich, manchem mag auch mitunter die Schlichtheit einiger Happy Ends sauer aufstoßen. Einige Episoden schrammen wirklich hart an der Grenze der Rührseligkeit und des Kitsches vorbei, und manchmal wird diese Grenze meilenweit überschritten. Gerade diese Episoden sind es aber, die dem genauen Beobachter einen erheblichen Mehrwert bieten, denn sie erlauben einen decouvrierenden Blick darauf, wie sich die Macher der Serie die moralisch und religiös perfekte Gesellschaft in god`s own country vorstellen. Trotz der ernsten Absichten kommt aber der Humor in "Ein Engel auf Erden" nicht zu kurz; er ergibt sich vor allem aus der Konstellation duldsamer Engel Jonathan/brummiger Mensch Mark. Und immer wieder sind - zur Erholung des Zusehers - Episoden eingestreut, in denen nicht die ganz großen Themen verhandelt werden; in solchen Folgen kann dann die verbissene Ernsthaftigkeit etwas zurücktreten und einer wohltuenden Leichtigkeit Platz machen.

Die DVD-Box selbst ist eher karg ausgestattet: Sie enthält kein Booklet und auf den Discs findet sich kein Bonusmaterial, sieht man davon ab, dass die Schlussepisode der ersten Staffel in zwei Versionen vorliegt: Einmal in der amerikanischen Originalfassung als Doppelfolge (leider ohne deutsche Untertitel), und einmal in der deutschen Synchronfassung, die auf die Länge eine Folge gekürzt wurde. Und spätestens beim direkten Vergleich der beiden Fassungen fällt dann leider auch die eher enttäuschende Bildqualität auf: Das Bild der gekürzten deutschen Fassung (vom ZDF zur Verfügung gestellt) ist um einiges kontrastreicher, schärfer und farbechter als das der restlichen Episoden (bei denen auch leider immer wieder störendes Bildruckeln auftritt).

Eher nichts für Actionfans und Zyniker (die sollen sich bitte „Eine himmlische Familie“ besorgen); für Freunde familienfreundlicher, erbaulicher Unterhaltung, die ernste Themen (manchmal ein bisschen zu seicht und gar viel Schmalz) anspricht und Nostalgiker durchaus empfehlenswert.


###Manuel G. Mattweber###

Paramount Home Entertainment
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