Noch immer ist die Lage für Mark Brandis neue gegründete Organisation zur Raumnotrettung alles andere als rosig. Bürokratie, geringe finanzielle Mittel und Ressentiments von Regierungsangehörigen gegenüber der neuen Einrichtung machen ein Überleben schwer. Da tritt John Harris an Mark Brandis heran und bittet ihn um Mithilfe in einer scheinbar harmlosen Angelegenheit. Da sich die Rohstoffe innerhalb beider Machtblöcke immer weiter verknappen, ist man über jede Quelle zur Ausbeutung dankbar. Als Wiedergutmachung für die Besetzung Südafrikas überlassen die Republiken der Union den Asteroid Ikarus zum Abbau von Rohstoffen.Um die hohen Transportkosten zu dämpfen und die langen Wege zu verkürzen, will man den Himmelskörper in die Umlaufbahn des Mondes versetzen. Ein riskantes Unterfangen, das bei vielen Bedenken auslöst. Doch trotz aller Widerstände nimmt das Unternehmen Gumboldt Stellar die Arbeit auf. Doch es scheint nicht alles glatt zu verlaufen, immer wieder verschwinden kleinere Mengen von Diamanten. Mark Brandis macht sich im Auftrag von Harris auf den Weg zum Ikarus, um zu prüfen, was hier tatsächlich vor sich geht. Kaum auf dem Asteroiden eingetroffen, wird klar dass dieser Einsatz keinesfalls harmlos ist und Mark Brandis und seine Crew alles daran setzen müssen am Leben zu bleiben.
Wie bereits einige der vorherigen Folgen zeichnet sich auch die neueste der Reihe, "Ikarus Ikarus", durch ein hohes Maß an Realismus aus. Das hier geschilderte Szenario ist ein durchaus Mögliches für die Menschheit, wenn wir den bisher eingeschlagenen Weg nicht ändern werden. Bereits jetzt zeichnet sich bei einigen seltenen Rohstoffen ein Wettlauf um die letzten Ressourcen ab, der nächste Schritt, andere Himmelskörper ausbeuten zu wollen, liegt da nicht mehr fern. Das daraus erwachsende Bedrohungspotenzial, das in dieser Folge aufgegriffen wird, ist äußerst glaubwürdig.
Kaum einer anderen Serie und noch wenigeren im SF-Bereich gelingt es, Spannung, Action und eine anspruchsvolle Handlung derart gelungen zu kombinieren. Zu den üblichen Verflechtungen zwischen Mark Brandis` aktueller Aufgabe und dem politischen Weltgeschehen wird in dieser Folge der Hinweis auf einige zukünftige Entwicklungen gegeben, die genug Stoff für weitere dramatische Abenteuer liefern dürfte. An mancher Stelle werden Bezüge zu vergangenen Ereignissen hergestellt (Südafrika, Übergabe des Ikarus und so weiter), die allerdings auch dann nachvollziehbar sind, wenn man den bisherigen Serienverlauf nicht kennen sollte.
Dass die Serie die Schallmauer von 20 Folgen mittlerweile weit hinter sich gelassen hat, kann man insbesondere an jenen Sprechern erkennen, die eine Hauptrolle verkörpern (Michael Lott, Dorothea Anna Hagena, Martin Keßler, Gerhard Hinze). Sie spielen ihre Rollen mittlerweile so ungekünstelt und glaubwürdig, dass man annehmen könnte, sie hätten nichts Anderes gemacht und ihre Figuren wären ihr Alter ego. Aber auch alle anderen Charaktere sind passend besetzt und können überzeugen. Wie sollen Orte oder Gegebenheiten klingen, an denen wir noch nie waren oder nie teilhaben werden? Sicherlich eine der größten Herausforderung für jeden Hörspielschaffenden, zumal man sich insbesondere nur auf ein Sinnesorgan des Menschen konzentriert.
"Mark Brandis" gelingt es aber immer wieder, durch eine sensible Auswahl von Geräuschen eine Kulisse zu erschaffen, die zu jeder Zeit realistisch klingt und die Zukunft fast greifbar macht. Das Cover ist in kühlen Blautönen gehalten und könnte eine Szene aus dem Hörspiel darstellen. Auf jeden Fall sollte es in jedem SF-Fan Interesse wecken, hier ein Ohr zu riskieren. "Mark Brandis" ist und bleibt eine Ausnahmeerscheinung auf dem deutschen Hörspielmarkt. Es gibt nur wenige Serien, denen es gelingt, konstant auf einem so hohen Niveau zu agieren wie hier bei mittlerweile weit über 20 Folgen. Auf diesem Level braucht das Hörspiel andere Medien wie Film und Fernsehen nicht zu fürchten.
# # # Justus Baier # # #
Publisher: Folgenreich/Universal Music





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