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Aria 1

Während ihre Reisen unvermindert anhalten, hat die eigenwillige Abenteurerin in unseren Breiten in verlegerischer Hinsicht eine hoffentlich endgültige Heimat gefunden.

Aria 1Wie zahllose andere frankobelgische Klassiker feierte Michel Weylands Schöpfung, übrigens nach Johann Sebastian Bachs Air (Aria) in D-Dur benannt, ihr Debüt im legendären Comic-Magazin "Tintin", bevor sie kurze Zeit später in Albenform auf dem Markt erschien. Mit nicht wenigen Titeln teilte die ebenso clevere wie attraktive Dame auch ein anderes Schicksal, nämlich eine unstete und lückenhafte Publikationsgeschichte in deutschsprachigen Landen. Der Feest Verlag veröffentlichte zwischen 1987 und 1990 unter dem Titel "Ariane" sieben Alben sowie Kurzgeschichten in seiner Heftreihe "Comic Spiegel", dann war längere Zeit Funkstille.


Von 2002 bis 2011 brachte Epsilon zehn weitere Softcover-Alben heraus, pickte sich dabei aber bestimmte Ausgaben heraus, wodurch sich die teils "sprunghafte" Nummerierung ergab. Wer eine bibliophile Edition von "Aria" wünschte, musste sich wohl oder übel an das Original halten oder mangels Fremdsprachenkenntnissen durch die Röhre schauen. Mit Kult Comics hat sich ein vergleichsweise junger Player in der Riege der um die Neunte Kunst bemühten deutschen Verlage 2018 aber ein Herz genommen und beschert "Aria" in Form von schick aufgemachten Hardcover-Bänden ein Comeback.


Die Integral-Bände entstehen in enger Koordination mit Monsieur Weyland, was sich nicht nur in einem abgedruckten Interview und einer auf seinen Wunsch hin veränderten Reihenfolge der Alben, sondern auch Extras wie Coverentwürfen und originalen Titelbildern sowohl der ursprünglichen als auch (falls vorhanden) deutschen Erstveröffentlichung ausdrückt. Der Auftakt enthält die beiden ersten Bände "La Fugue d’Aria" und "La Montagne aux sorciers" von 1982, den sechsten ("L’Anneau des Elflings", 1985) und siebten Band ("Le Tribunal des corbeaux", 1986) sowie die Kurzgeschichte "Le Premier soufflé" aus "Tintin Super" 18 (1982), welche die Geburt der Titelheldin erzählt.


Die hier abgedruckten Erzählungen zeichnen das Bild einer ungemein sympathischen Protagonistin, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen weiß und so manchem Machismo mit Witz, Esprit und notfalls scharfer Klinge begegnet. Natürlich ist Aria, der alles zu glücken scheint, eine fiktive Figur in einem fantastischen Setting, aber die Probleme, mit denen sie sich herumschlagen muss, kommen dann doch sehr bekannt vor – sei es die Ausbeutung der anmutigen Waldbewohner in "Der Ring der Elflinge" zwecks Ankurbelung der Wirtschaft oder die Terrorherrschaft einer elitären Clique in "Das Gericht der Raben".


Möglich gemacht werden die verschiedenen Szenarios von "Aria" durch das Motiv des Reisens, denn die Protagonistin verbleibt nicht gerne lange an einem Ort, und falls doch, dann um Menschen in Not zu helfen – Eigenschaften, die sie etwa mit Stan Sakais Langohr Usagi Yojimbo teilt, der nur wenige Jahre nach ihr das Licht der Comic-Welt erblickte und sich seitdem ebenfalls auf anhaltender Wanderschaft befindet. Der erste Band birgt überdies auch ordentlich Retrocharme in sich, woran die ursprüngliche Kolorierung von Nadine Weyland in Kombination mit dem verwendeten matten Papier wesentlichen Anteil hat. Wie "Aria" mit neueren Farben wirkt, verdeutlicht "Le Premier soufflé", das 2008 für Band 30 ("Rennaisance") entsprechend bearbeitet wurde. Eine durch und durch glanzvolle Rückkehr!


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Kult Comics




 



 
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