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Die Marvel-Superhelden-Sammlung 57

Begleitet von einem pfiffigen Marketing-Gag debütierte 2000 einer der sowohl mächtigsten als auch tragischsten Helden der jüngeren Marvel-Geschichte.

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 57Es war eine Sensation, die das "Wizard Magazine" als damaliges Leitmedium des US-Comics im Jahr 2000 vermelden konnte: Im Nachlass von Artie Rosen, einem früheren Marvel-Mitarbeiter, waren Studien und Skizzen zu einem Superhelden namens Sentry gefunden worden, den er gemeinsam mit Stan Lee noch vor den altbekannten Charakteren des "Marvel Age of Comics" geschaffen hatte. Der damalige Chefredakteur und kreative Lenker bestätigte dies in Interviews und gab zu Protokoll, dass er Robert Reynolds und sein kostümiertes Alter Ego über die Jahre wohl einfach vergessen habe. Im Rahmen des erfolgreichen Sublabels "Marvel Knights" fiel Autor Paul Jenkins und Zeichner Jae Lee, die 1999 die superbe "Inhumans"-Maxiserie geschaffen hatten, die Ehre zu, den Helden im Rahmen eines Fünfteilers zurückkehren zu lassen.


Eine bezaubernde Anekdote aus der kunterbunten Welt der Comics, nur eben von vorne bis hinten erfunden als Marketing-Trick, um die Leserschaft auf den neuen Charakter neugierig zu machen. Dank "retroactive continuity" wurde Sentry in die frühe Marvel-Historie eingefügt, nur musste er von Reed Richards und vielen anderen Helden der ersten Stunde wieder vergessen werden. Aber warum? Warum behauptete Mister Fantastic einst vor der Öffentlichkeit, dass sein bester Freund in Wirklichkeit ein Schurke sei? Mit dieser bohrenden Frage im Hinterkopf macht sich der "goldene Hüter des Guten" auf nach New York City, um die früheren Mitstreiter nicht nur an sich zu erinnern, sondern auch vor der drohenden Gefahr durch seinen mächtigen Erzfeind Void zu warnen.


Wer Sentrys Geschichte kennt, die vor allem Brian Michael Bendis fortschrieb, wird vom ebenso einfachen wie effektiven Twist, den Paul Jenkins gegen Ende hin eingebaut hat, nicht mehr überrascht werden, alle anderen hingegen dürften vielleicht schon einen entsprechenden Verdacht hegen. Die Miniserie in fünf Heften, von ebenso vielen Oneshots ("Sentry: Fantastic Four", "Sentry: Spider-Man", "Sentry: Hulk", "Sentry: X-Men" und "Sentry: The Void") begleitet, ist ein psychologisches Drama um Verdrängung und Verlust sowie wehmütiger Blick zurück in eine unschuldigere Zeit, eingerahmt von ebenjenen Helden, die für sie sinnbildlich sind. Jae Lees Zeichenkunst ist über alle Zweifel erhaben, auch seine Kollegen Phil Winslade, Rick Leonardi, Mark Texeira und Bill Sienkiewicz bürgen für einen Leckerbissen, der noch dazu einen der umfangreichsten Bände der Kollektion darstellt.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.die-superhelden-sammlung.de.


 
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