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Gruselkabinett 126

James Russell kann sein Glück kaum fassen, als er endlich nach langer Suche ein bezahlbares Appartement in New York findet. Noch ahnt er nicht, mit wem er unter einem Dach wohnen wird.

Gruselkabinett 126Mit beschränkten finanziellen Mitteln im New York des Jahres 1923 eine akzeptable Bleibe zu finden, gestaltet sich unter Umständen schwierig. Eine frustrierende Erfahrung, die auch der junge Journalist James Russell machen muss. Umso größer ist die Freude, als sich endlich ein Appartement findet, das die geringen Ansprüche tatsächlich erfüllen kann und auch noch bezahlbar ist. Die von Senora Herrero offerierte Wohnung übertrifft jegliche Erwartungen. Einige Zeit später jedoch sickert aus der Behausung über jener von Russell eine unangenehm riechende Flüssigkeit durch die Decke. Es besteht keinerlei Zweifel, die aus dem anderen Stock tröpfelnde Substanz ist nichts Anderes als Ammoniak. Mithilfe der Vermieterin kann das Malheur schnell beseitigt werden. Einige Tage später kommt James Russell aufgrund eines Herzanfalls in den Genuss, den Mieter über sich kennenzulernen.


Bisher hatte der zurückgezogene ältere Herr jeden Kontakt zu seiner Umwelt gemieden, auch scheint es als verlasse er seine vier Wände niemals. Tatsächlich gelingt es Dr. Munoz, die Krankheit des jungen Reporters in den Griff zu bekommen. Die beiden ungleichen Männer beginnen sich anzufreunden, obwohl der Mediziner einige sonderbare Verhaltensweisen an den Tag legt. Warum ist es dem Arzt so wichtig, seine Unterkunft kontinuierlich auf einer niedrigen Temperatur zu halten? Welches Geheimnis umgibt den alten Mann? Als eine der Maschinen, die die Räume kühlen, den Dienst einstellt, wird Dr. Munoz von Panik ergriffen. Was wird geschehen, wenn sich seine Wohnung auf eine normale Temperatur erwärmt?


Mit der 126. "Gruselkabinett"-Folge ist es wieder einmal an der Zeit, dem Altmeister des Horrorgenres seine Aufmerksamkeit zu widmen. "Kalte Luft" wurde von niemand Geringerem erdacht als Howard Phillips Lovecraft, der mit seinem "Cthulhu-Mythos" Literaturgeschichte geschrieben hat und unzählige Autoren mit seinen Ideen beeinflusst haben dürfte. Die vorliegende Vertonung einer Kurzgeschichte des Autors streift nur mehr am Rande den nahezu unerschöpflichen Geschichtenkomplex um die Großen Alten, auch wenn es für den Laien auf den ersten Blick kaum erkennbar sein dürfte.


Wie so häufig in den Geschichten Lovecrafts kommt auch hier das Grauen auf leisen Sohlen und schleicht sich zunächst fast unerkannt in den Alltag der Menschen, um dann umso unvorhergesehener zuzuschlagen. Dem Hörer geht es wie James Russell, als er das erste Mal auf Dr. Munoz stößt und dem Mann für einen liebenswerten alten Kauz hält. Doch die Fassade bekommt alsbald Risse und es gibt immer wieder Momente, in denen das Verhalten des alten Mediziners irritiert und seltsam anmutet. Wenn man dann am Ende sein Geheimnis präsentiert bekommt, macht sich das Entsetzen breit, wie weit ein Mensch zu gehen bereit ist, um dem Grab zu entkommen.


Mit jeder verstreichenden Minute wird dem Publikum klarer, warum die Hauptfigur eine stetig wachsende Abneigung gegen Kälte plagt. Ist sie zunächst harmloser Begleiter, wird sie im späteren Verlauf ein Synonym für den Versuch, den körperlichen Verfall und letztendlich den Tod auf widernatürliche Art zu stoppen. Die damit einhergehenden Begleiterscheinungen sind für die Normalsterblichen der blanke Horror. Eine enorme Sogwirkung entsteht zudem durch die einem Kammerspiel ähnlichen Gespräche. Wenige Worte oder Betonungen lassen den Wahnsinn hinter der dünnen Fassade der Normalität erahnen und bescheren den Hörern eine amtliche Gänsehaut.


Wie gewohnt bekommt man das geboten, was man von einer Story Lovecrafts erwarten darf, allerdings gibt es bei den Dialogen, insbesondere zwischen Russell und seiner Vermieterin ein paar Längen, die den Inhalt unnötig strecken, zudem muss die Frage gestattet sein, welche Etage die Protagonistin erklimmen, um in Munoz` Wohnung zu gelangen. Das Gespräch zwischen Russell und der Vermieterin wird zumindest unglaublich lang und man bekommt das Gefühl, die Treppenstufen scheinen niemals enden zu wollen, doch dies sind Kleinigkeiten, die den Hörgenuss kaum schmälern.


Die musikalische Gestaltung fällt im vorliegenden Fall recht facettenreich aus und deckt ein breites Spektrum unterschiedlichster Stile ab. Ruhige Stücke folgen auf modernere elektronische Kompositionen, die aber allesamt zum Geschehen von "Kalte Luft" passen. Die Soundeffekte beschränken sich auf das Wesentliche und sorgen dafür, dass das Appartementhaus und seine Bewohner an Kontur gewinnen.


Bedarf es eines großen Ensembles an Sprechern, um eine Geschichte würdigen zu können? Im vorliegenden Fall kann man dies klar verneinen, den es reichen genau vier Stimmen, um beim Publikum für eine ordentliche Portion Grusel zu sorgen. Peter Weis spielt Dr. Munoz, einen auf den ersten Blick äußerst liebenswerten alten Herren, den eine seltsame Erkrankung an seine Wohnung kettet. Immer wieder blitzt jedoch etwas Boshaftes und zutiefst Verstörendes in den Gesprächen und dem Verhalten des Mannes auf, die beunruhigen und verunsichern, was hier einzig und allein der genialen Performance von Weis geschuldet ist. Sicher einer der unheimlichsten Auftritte in seiner langen Historie als Hörspielsprecher.


Timmo Niesmer ist als James Russell zu hören, ihm gelingt es, die stetige Veränderung seiner Figur auf geschickte Art in die Dialoge einfließen zu lassen. Eine weitere mehr als ansprechende Leistung. Daneben sind Monika Bielstein und Tom Raczko als Mutter und Sohn Herrero im Einsatz und runden den positiven Gesamteindruck ab. "Kalte Luft" darf man ohne Wenn und Aber zu den besten Produktionen jenseits der 100er-Marke der Reihe zählen.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 
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