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Gruselkabinett 117

Ist es möglich, dass in besonderer Schönheit noch größere Hässlichkeit verborgen liegt? Eine Frage, die sich auch Emmerich Kemen stellen muss, als es in Wien zur schicksalhaften Begegnung mit der Gräfin Nádasdy kommt.

(C) Titania Medien / Gruselkabinett 117 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAn einem sonnigen Wintertag flanieren mehrere junge Männer über eine der Prachtstraßen Wiens und diskutieren darüber, wer wohl zurzeit die schönste Frau in der Stadt sei. Jeder von ihnen hat eine andere Favoritin, jedoch sind sich alle darin einig, dass es eine gibt, die alle anderen überstrahlt, die Gräfin Nádasdy. Emmerich Kemen, der einzige noch unerfahrene Mann in der Gruppe, ist sofort von den Erzählungen über die Gräfin und dem Geheimnis ihrer ewigen Jugend fasziniert. Sofort erwacht der Wunsch in ihm, selbst einen Blick auf die außergewöhnliche Schönheit zu werfen.


Er kann sein Glück kaum fassen, als er erfährt, dass die Gräfin täglich die Messe im Stephansdom aufsucht. Es gelingt ihm tatsächlich, die geheimnisvolle Frau persönlich kennenzulernen, welche seine Zuneigung auch noch zu erwidern scheint. Emmerich verliebt sich unsterblich in die ungarische Adelige und ist ihr bald hoffnungslos verfallen. Daran ändert sich auch nichts, als er eine andere Seite der Gräfin entdeckt, die keinerlei Zweifel daran lässt, dass es ihr großes Vergnügen bereitet, andere Menschen auf grausame Art zu quälen und zu foltern.


Trotz kurz aufflackernden Unbehagens entspricht Kemen unverzüglich dem Wunsch der Gräfin, sie auf ihrem Schloss zu besuchen. Schon auf dem Weg dorthin kommen ihm neue unheilvolle Geschichten über die Grausamkeit der Adeligen zu Ohren. Tatsächlich scheinen immer wieder junge Frauen in ihrer Obhut spurlos zu verschwinden. Trotz seiner großen Liebe zur Gräfin beginnen erste Zweifel in Kemen zu keimen, die sich noch verstärken, als er Gisela Kery kennenlernt, eine junge Frau in den Diensten der Gräfin, die ebenfalls von einem Tag auf den anderen unauffindbar ist. Stimmen die Gerüchte, die sich um die Nádasdy ranken vielleicht doch? Emmerich hat noch keine Ahnung, in welch großer Gefahr er sich befindet.


Bereits nach wenigen Minuten dürfte jedem gruselaffinen Menschen klar sein, welche historische Persönlichkeit für die Geschichte aus der Feder von Leopold von Sacher-Masoch Pate stand. Niemand Geringeres als die legendäre Blutgräfin Elisabeth Báthory gibt sich in "Ewige Jugend" die Ehre und stellt einmal mehr unter Beweis, warum sie ihren Namen mehr als verdient hat. Nicht umsonst inspirierte sie zahlreiche Autoren und Filmemacher zu einer Vielzahl von Werken, in denen weibliche Blutsauger auf sadistische Weise auf die Jagd nach ihren Opfern gehen.


Sacher-Masoch wählt für seine Interpretation des historischen Stoffs der im Blut junger Mädchen badenden Massenmörderin den Blickwinkel eines jungen Mannes, der sich Hals über Kopf in die wunderschöne und ewig junge Frau verliebt. Ganz langsam aber unaufhaltsam bahnt sich das Grauen seinen Weg in die zunächst heitere und ausgelassene Geschichte, bis die ersten eindringlichen Szenen die Grausamkeit der schönen Adeligen offenbaren. Erinnert die Einführung noch an eine Romanze mit historischem Sujet, so verändert sich die Wahrnehmung spätestens dann, wenn die Gräfin aus reiner Lust eine ihrer Dienerinnen auf grausame Art peinigt. Diese Ausbrüche von Sadismus und Gewalt steigern sich zusehends und gipfeln schließlich im blutdurchtränkten Finale. Die Spannung potenziert sich mit jeder weiteren Minute und der Hörer, wird von der Frage getrieben, ob es Emmerich und den anderen Menschen in den Fängen der Bestie doch noch gelingen wird zu entkommen.


Neben der sicherlich gruseligen Komponente dieses Hörspiels gibt es auch immer wieder Momente, in denen einzelne Szenen eindeutig sexuell konnotiert sind. Recht offen wird immer wieder ein sadomasochistisches Verhältnis zwischen der Gräfin und Emmerich Kemen angedeutet, das beide als lustvoll empfinden. So bekommt dieses Hörspiel eine weitere Dimension, die der Geschichte einen zusätzlichen Reiz verleiht. Die musikalische Gestaltung ist wieder einmal vorbildlich ausgefallen und orientiert sich an den geschilderten Ereignissen, so verwundert es nicht, dass die ersten Minuten eine eher heitere Untermalung erhalten, während in der zweiten Hälfte düstere und bedrohlichere Klänge das Geschehen bestimmen.


Die verwendeten Geräusche sind ein weiteres Stilmittel, um ein vergangenes Jahrhundert wieder mit Leben zu füllen und dem Hörer die Möglichkeit zu bietet seine Vorstellungskraft zu befeuern. Beides ist einmal mehr auch im vorliegenden Fall geglückt. Die Soundeffekte klingen organisch und wurden an den richtigen Stellen positioniert. Ohne jede Einschränkung ist Arianne Borbach der Star dieser Episode. Ihr gelingt es scheinbar mühelos, all die Grausamkeit und Härte der Gräfin Elisabeth Nádasdy in ihre Stimme zu legen, sodass es einem kalt den Rücken hinunterläuft, ebenso vermag sie es jedoch auch etwas Verführerisches und Geheimnisvolles in ihre Worte fließen zu lassen, was es überaus verständlich macht, warum die Männer der Adeligen zu Füßen liegen. Ein wahrlich großartiger Auftritt von Arianne Borbach.


Peter Weis übernimmt die Rolle des Erzählers und seine einzigartige Stimme ist eine gute Wahl, um durch das Geschehen zu leiten. Patrick Baehr gelingt es, die Unerfahrenheit und Unsicherheit seiner Figur auf beeindruckende Weise für das Publikum greifbar zu machen. Seine Sprache und Wortwahl verdeutlichen grandios die zerbrechliche und unsichere Person hinter den Worten. Dazu gesellen sich weitere bekannte Sprecher wie Detlef Biersedt, Joachim Tennstedt, Maximiliane Häcke und Patrick Bach, die mit ihren markanten Stimmen die vielen Nebenrollen mit Leben füllen. "Ewige Jugend" ist wieder einmal eine jener Episoden, die das "Gruselkabinett" zu etwas Besonderem machen. Sicherlich muss man sie zu den absoluten Highlights der jüngeren Vergangenheit innerhalb dieser Reihe zählen, da nur wenige andere ihre inhaltliche Dichte und Vielfalt erreichen.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 
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