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Der Monstrumologe und der Fluch des Wendigo

Eine Kreatur, die viele nur für eine Legende halten, findet ihren Weg in die Straßenschluchten von New York. Ihr Antrieb ist Hunger, unstillbarer Hunger! Ihre bevorzugte Beute: Der Mensch!

(C) Lübbe Verlag / Der Monstrumologe und der Fluch des Wendigo / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWer dieser Tage durch die Buchhandlung seines Vertrauens schlendert, könnte beim Anblick des aufwändig gestalteten schwarz-weißen Covers von "Der Monstrumologe und der Fluch des Wendigo" dem Irrtum erliegen, er habe ein Kinder- und Jugendbuch vor sich. Dem ist jedoch nicht so, für die lieben Kleinen ist die Lektüre denkbar ungeeignet. Denn im Vergleich zum ersten Roman über den Monstrumologen Dr. Pellinore Warthorp hat der Autor Rick Yancey noch eine gehörige Schüppe draufgelegt, was die eindringlichen Splatterszenen betrifft. Deshalb darf man hier sogar von eruptionsartigen Ausbrüchen von Gewalt sprechen, umrahmt von scheinbar stillen Momenten, die den Leser beruhigen, sodass die härteren Passagen einen treffen wie ein Vorschlaghammer. Es wird ihm einiges zugemutet, wenn er sich an den Inhalt zwischen diesen Buchdeckeln wagt. Wie bereits im ersten Band der als Trilogie angelegten Romanreihe gibt der Autor sein neuestes Werk als Überarbeitung mehrerer Tagebücher aus dem Nachlass des kürzlich verstorbenen Will Henry aus.


Um die vermeintliche Authentizität der geschilderten Ereignisse zu untermauern, hat der Autor einige Zeitungsausschnitte und Aussagen mutmaßlicher Bekannter von Henry beigefügt. Zudem tauchen im Rahmen der Handlung einige zeitgenössische Persönlichkeiten auf, die jedem ein Begriff sein dürften. Will Henry lebt gemeinsam mit seinem Vormund, Dr. Warthorp, in einem kleinen Ort irgendwo im ländlichen Massachusetts. Doch der Doktor ist kein gewöhnlicher Doktor, sein Forschungsgebiet ist die Monstrumulogie. Eine unbekannte Richtung der Wissenschaft, die nicht gerade zu den ungefährlichsten zählt, schließlich befasst sie sich mit der Jagd auf Monster.


Ein besonderes Ereignis läutet das jüngste Abenteuer von Will Henry und seinem Lehrherrn ein. Der Doktor erhält Besuch, was eigentlich so gut wie nie geschieht und dann auch noch von einer jungen Frau. Die schöne Unbekannte entpuppt sich als die große unerfüllte Liebe des Mentors von Will Henry und bittet diesen um seine Hilfe, da ihr Mann in den Weiten Kanadas auf der Suche nach dem legendären Wendigo verschwunden sei. Tatsächlich gelingt es dem ungleichen Paar, den verschollenen Ehemann und Kollegen von Dr. Warthorp in der verschneiten Wildnis zu finden. Man bringt den stark geschwächten Mann in seine Heimatstadt New York, wo auch zeitgleich der Kongress der Monstrumologen tagt. Alles deutet auf ein Happy End hin, doch was Will Henry bereits ahnte, bewahrheitet sich: Man hat das Grauen der kanadischen Wälder in die pulsierende Metropole am Hudson River gebracht. Ein Fehler mit fatalen Folgen.


Der Roman von Rick Yancey wird von der ersten Seite an von einem düsteren Unterton begleitet, der sich von Kapitel zu Kapitel verschärft. Immer wenn man glaubt, die Handlung würde sich in hellere Gefilde bewegen, schlägt der Plot einen Haken und sorgt für eine noch finstere Atmosphäre als zuvor. Wie bereits erwähnt, scheut der Autor dabei nicht vor expliziten Gewaltbeschreibungen zurück, sodass zarte Gemüter einen Bogen um dieses Buch machen sollten. Doch im Gegensatz wird einem hier die Gewalt nicht um der Gewalt willen präsentiert, sondern kommt an den passenden Stellen gut platziert zum Einsatz. Dazu zeigt Yancey sein gutes Gespür für die Wahl der richtigen Worte, denn hier erkennt man, dass er mit Sprache umzugehen weiß. Doch die Brutalität und Gewalt zeigen sich nicht allein im Monströsen und Übersinnlichen dieses Buchs, sondern auch in der Beschreibung der Stadt New York an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Der Leser wird konfrontiert mit übertriebener Polizeigewalt, der Ausbeutung der Heerscharen von Immigranten, die sich in den USA eine neue Zukunft aufbauen wollen, welche jedoch von den katastrophalen Bedingungen der Elendsviertel schon bei der Ankunft zunichte gemacht wird, und nicht zuletzt dem Dünkeldenken der besser situierten Gesellschaftsschichten, für die die Neuankömmlinge nicht viel mehr als der Dreck an ihren Stiefeln sind.


Themen, die auch heute nichts an ihrer Aktualität eingebüßt haben – umso erstaunlicher, sie gut verpackt in einem Horrorroman wiederzufinden. Ein Merkmal, dass die großen Talente von der breiten Masse abhebt. Neben Adam Nevill ist Rick Yancey eine der wenigen großen Hoffnungen des Horrorgenres, der es gelingen könnte, die Vormachtstellung von Stephenie Meyer und Konsorten in Zukunft zu brechen. Ein absolutes Muss für jeden Liebhaber des geschriebenen Wortes, außer für jene, für die bereits der sonntägliche "Tatort" zu viel für das Nervenkostüm ist.



# # # Oliver Fleischer # # #



Publisher: Lübbe Verlag





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