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Gruselkabinett 62

Eine bezaubernde junge Frau und ein Garten voller exotischer Gewächse wecken das Interesse des Medizinstudenten Giovanni. Alsbald muss er feststellen, dass sich auch hinter der Maske des Schönen das Böse verstecken kann.

(C) Titania Medien/Lübbe Audio / Gruselkabinett 62 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie 62. Ausgabe von "Gruselkabinett" präsentiert erneut einen der ganz großen Namen der angloamerikanischen Literatur, Nathaniel Hawthorne. Sein wohl bekanntestes Werk dürfte "Der scharlachrote Buchstabe" sein, der zuletzt 1995 mit Demi Moore in der Hauptrolle verfilmt wurde. "Rappaccinis Tochter" ist eine seiner weniger bekannten Kurzgeschichten, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand.


Der junge Giovanni Guasconti verlässt seine Heimat, um in Padua sein Studium der Medizin aufzunehmen. Da seine finanziellen Mittel begrenzt sind, bezieht er Quartier im alten und wenig einladenden Haus der Hauswirtin Lisabetta. Der marode äußere Eindruck setzt sich auch im Inneren des Gebäudes fort, nur der Ausblick seines kargen Zimmers entschädigt für die dürftige Unterkunft. Direkt unter seinem Balkon erblüht ein erstaunlicher Garten voller exotischer Gewächse. Die Pflanzen verlieren jedoch schnell ihre Faszination, als der junge Mediziner im Garten eine bezaubernde junge Frau entdeckt, an die er sofort sein Herz verliert. Von seinem Doktorvater an der Universität erfährt Giovanni, dass es sich bei ihr um die Tochter des berühmten, aber auch berüchtigten Dr. Rappaccini handelt. Jegliche Warnung in den Wind schlagend muss der junge Mann schnell erkennen, dass sowohl der Garten als auch die Tochter Rappaccinis ein düsteres Geheimnis umgibt.


Die Kurzgeschichte von Nathaniel Hawthorne kann man guten Gewissens in die Kategorie der klassischen Schauerromantik einordnen, wobei in diesem Fall die romantischen Elemente dominieren und der übernatürliche Anteil doch eher wohl dosiert zum Ansatz kommt. Der Grundgedanke des skrupellosen Wissenschaftlers, der bereit ist alle Mittel auszuschöpfen um auf dem Gebiet der Medizin neue, bahnbrechende Erfolge zu erzielen, ist ein wiederkehrendes Motiv der Schauergeschichten. Wohl jedem dürften "Frankenstein" von Mary Shelley und E. T. A. Hoffmanns "Der Sandmann" ein Begriff sein. Die in diesen beiden Werken aufgegriffene Idee findet auch in "Rappaccinis Tochter" in abgewandelter Form Verwendung.


Die Hörspieladaption von "Rappaccinis Tochter" beginnt zurückhaltend und nimmt sich viel Zeit für eine ausführliche Beschreibung der Begebenheiten. Ebenso widmet man der Figur des Giovanni Guasconti Einiges an Zeit, um sie dem Hörer vertrauter zu machen. Die Ereignisse in Verbindung mit dem Garten und der Tochter des Wissenschaftlers kommen erst allmählich in Schwung. Diese Folge kann ohne Schwierigkeiten zu den ruhigeren Titeln der Reihe gezählt werden. Wer hier von Anfang an sich überschlagende Ereignisse und eine gehörige Portion Horror erwartet, dürfte enttäuscht werden. "Rappaccinis Tochter" ist ein Vertreter des leisen und feinen Grusels, der erst peu à peu seinen Schrecken entfaltet.


Es bleibt festzuhalten, dass hier der Fokus eher auf die romantischen und dramatischen Verwicklungen der Geschichte liegt als auf den absonderlichen Experimenten des Doktor Rappaccini. Wenn man aber das Alter der Geschichte berücksichtigt, nämlich immerhin fast 200 Jahre, dürfte schnell klar sein, dass die Geschichte zur damaligen Zeit durchaus für weitaus mehr Horror bei den Lesern gesorgt haben dürfte als dies heute der Fall ist.


Das Sound-Design ist wie gewohnt eher dezent und an den passenden Stellen zum Einsatz gebracht und hilft dem geneigten Hörer beim Einschalten des Kopfkinos. Die Musik ist wieder einmal mehr passend zur Handlung gewählt und schnell glaubt man sich im Italien des 19. Jahrhunderts zu wiederzufinden. Es ist beeindruckend, wie es gelingt, mit einem gerademal fünf Personen umfassenden Kreis an Sprechern eine gut durchdachte und unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Hier hat Titania einmal mehr bewiesen, wie man einen derartigen Stoff mit viel Liebe fürs Detail in Szene setzen kann.


Die Sprecher sind alle passend zu ihren Stimmen besetzt und wissen in ihren Rollen zu überzeugen. Jemanden besonders hervorzuheben ist hier schwierig, denn jeder füllt seinen Charakter glaubhaft mit Leben. Insbesondere Max Felder und Reinhard Glemnitz dürfen gerne in naher Zukunft wieder als Sprecher im Rahmen des "Gruselkabinett" tätig werden. "Rappaccinis Tochter" ist eine inhaltlich solide und gut produzierte Folge der Reihe, die sich eindeutig an jene Hörer wendet, die die ruhigeren Episoden des subtilen Horrors bevorzugen und auch romantische Elemente nicht ablehnen.



# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien/Lübbe Audio





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