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Die Beatles

"Bullshit!" John Lennons Verdikt über diese (übrigens einzige von der Band autorisierte) Biografie war mehr als eindeutig. Ob sein Urteil vielleicht doch zu harsch ausgefallen ist, lässt sich nun wieder nachprüfen, denn der Klassiker ist neu aufgelegt worden.

(C) Hannibal Verlag / Die Beatles / Zum Vergrößern auf das Bild klicken1965 traf der britische Journalist und Autor Davis im Zuge der Verfilmung eines seiner Romane auf Paul McCartney und besprach mit ihm die Idee einer BEATLES Biografie,  Manager Brian Epstein gab schließlich seinen Sanktus dazu. Zwei Jahre wurde an der Biografie gearbeitet, im September 1968 erschien sie und wurde sofort ein Bestseller. Davis hat sein Werk in drei Abschnitte geteilt, der erste beschäftigt sich mit der Geschichte der Vier aus Liverpool vor der internationalen Berühmtheit. Dabei konnte er mit  Eltern, Verwandten, Bekannten, ehemaligen Mitmusikern und alten Freunden der BEATLES sprechen und ermöglicht den Lesern intime Einblicke in die Kindheit und Jugend von John, Paul, George und Ringo. Davis zeichnet den Weg von der Schülerband THE QUARRYMEN zu den BEATLES in Stammbesetzung nach, besonderes Augenmerk legt er auf die Engagements der Band in Hamburg. Dieser umfangreichste Abschnitt schildert das, was Davis (nicht zu Unrecht) als Fundament für den riesigen Erfolg der BEATLES ansah.


Der zweite Teil des Buchs widmet sich der Blütezeit der Band: Von der ersten Plattenaufnahme für Parlophone 1962 über den rasanten Aufstieg in Großbritannien, der internationalen Beatlemania in den USA und dem Rest der Welt bis zum Ende der Tourneen 1966. Zeitlich endet dieser Teil mit der Ausstrahlung von "Magical Mistery Tour" Ende 1967. Der dritte und letzte Teil behandelt die Gegenwart, und zwar jene zum Erscheinen des Buchs, also 1968. Davis spielt den stillen Beonbachter bei Aufnahmesession der BEATLES im Studio und erzählt, wie die BEATLES privat lebten. Er geht auch der Frage nach, welche Auswirkungen der immense Erfolg auf Eltern, Verwandet, Freunde und Bekannte der Bandmitglieder hatte. Beim Erscheinen der Biografie war die Welt der "Fab Four" also (scheinbar) noch heil und in Ordnung: An eine Trennung der Band war nicht zu denken, die Firma Apple befand sich noch nicht in Konkurs (weil gerade erst gegründet), Paul McCartney war Junggeselle, und von einer Frau Ono ist im BEATLES Universum (präziser: zumindest in Davis` Buch) noch keine Rede (Labsal für die Anhänger der "Yoko hat die BEATLES zerstört"-Theorie).


Unter dieser Prämisse schrieb Davis sein Buch, und es bietet einen intimen, unmittelbaren und frischen Einblick in das Leben der BEATLES. Ein Zeitdokument der Roaring Sixties, eben weil Davis in time beschreibt und nicht mit dem heutigen Wissen um die immense Bedeutung der Band für die Popkultur. Wir heutigen Leser wissen um diese, und gerade diese Dichotomie macht die Lektüre der Biografie heute noch so lohnenswert. Viele Beobachtungen und Schilderungen erhalten nämlich unter heutigen Gesichtspunkten neue Dimensionen. Als Beispiel genannt sei die Szene, in der Davis eine Aufnahmesession der BEATLES für "Sergeants Pepper`s Lonely Hearts Club Band" dokumentiert – und dabei zufällig Chronist einer der kleinen großen Momente der Popgeschichte wird (wie wir Leser aus jetziger Sicht wissen): Ein ehemaliger Tontechniker der BEATLES, Norman "Hurricane" Smith, der 1971 als Sänger mit "Don`t Let Die" selbst einen Hit landete, kommt vorbei. Er produziert nämlich gerade nebenan das Debütalbum einer jungen, aufstrebenden Band und fragt, ob "seine Jungs" vielleicht kurz die BEATLES besuchen dürften. Ach ja, der Name der jungen, aufstrebenden Band lautet übrigens THE PINK FLOYD…


Das Manko (aus heutiger Sicht), dass sie eben nicht die komplette Geschichte der BEATLES erzählte, glich Davis später dadurch aus, dass er seine Biografie 1985 ergänzte. Er veränderte allerding – und das ist gut so – keinen Beistrich am Text, sondern rahmte ihn in ein Vorwort und ein Postskriptum. Im Vorwort plaudert er aus dem Nähkästchen des Biografen: So schildert er detailreich die Genese des Buchs, berichtet von Schwierigkeiten bei der Abfassung, erzählt von Details, die er damals aus Rücksichtnahme auf seine Gewährsleute bewusst verschwieg. Das Postskriptum wiederum erhebt den Anspruch, die Geschichte der BEATLES von 1968 bis 1985 nachzutragen. Davis streift die Geschichte der (Ex-)BEATLES als Musiker nur äußerst rudimentär, viel mehr interessieren ihn private Entwicklungen. Hier kann man ihm den Vorwurf der Eitelkeit nicht ganz ersparen, Davis geriert sich teilweise fast penetrant als so etwas wie der allerengste Vertraute der BEATLES. Trotzdem birgt auch das Postskriptum Perlen, so etwa Paul McCartneys Schilderung seines Verhältnisses zu John Lennon. 2001 hat Davis übrigens noch ein weiteres kurzes Vorwort verfasst, das deutlich macht, dass die Geschichte der BEATLES nie enden wird. Dass selbst dieses Vorwort schon wieder veraltet ist, beweist die Stelle, an der Davis McCartney viel Glück zu seiner Vermählung mit Heather Mills wünscht. Das Herzstück bleibt aber der Originaltext von 1968, er nimmt den Leser von heute mit auf eine Reise in die 1960er. Sicher, es gibt BEATLES Biografien, die faktenreicher, detailverliebter und objektiver sind als jene von Davis – an deren Frische, Unmittelbarkeit und Intimität reicht aber keine heran.



# # # Wilfried Schiers # # #



Verlag: Hannibal





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