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Audiobook-Review: Edgar Allan Poe 30-33 (Lübbe Audio)

Unschuldige Frauen verfolgende Schatten, diverse abgetrennte Köpfe in Bäumen, ein Dichter zum Abendmahl, Abschlachten von Anstaltsinsassen, Mord unter Arbeitskollegen, irreführende Doppelgänger, nächtliche Besuche von fremden, nackten Frauen in Duschen. Die Stimmung durchgehend düster, unheimlich, surrealistisch - ein gut ausgewogenes Festmahl aus Leichen, Mystery und dramatischen Höhepunkten.

Schon beinahe drei Jahre lang hält die Serie ihre Fans in Atem, seit 2003 die erste Folge erschienen ist. 2004 erhielt die Hörspielreihe den deutschen Phantastik-Preis und wurde 2006 für den deutschen Hörbuchpreis nominiert. Der Titelheld Edgar Allan Poe (gesprochen von Ulrich Pleitgen) verliert durch unglückliche Umstände Gedächtnis und Identität. Offiziell wird der Dichter E.A. Poe für tot erklärt, doch niemand weiß, dass sich in seinem vermeintlichen Grab eigentlich ein namenloser Leichnam verbirgt. Einzig Poes Geliebte Leonie (Iris Berben) steht ihm bei der Suche nach der Vergangenheit und damit der Wahrheit zur Seite.

 

Edgar Allan Poe Cover 30 (c) Lübbe Audio / Zum Vergrößern auf das Bild klickenFeeninsel (Folge 30)

"Die Bäume waren von dunkler Farbe und trauernder Gestalt; sie wuchsen in traurigen, feierlichen Formen; in denen sich tödlicher Schmerz und vorzeitiger Tod spiegelten." (Poe)

Leonie erfährt durch eine List, dass sich Poe im Irrenhaus aufhält. Ihm wird vorgeworfen, eine Frau getötet und ihren Kopf mittels Hexerei weggezaubert zu haben. Gemeinsam mit Joe, und verfolgt von ihrem mordlustigen Ehemann, erkundet Leonie den Ort des angeblichen poe´schen Verbrechens. Als es zur Begegnung mit einem mysteriösen Schattenwesen kommt, findet sie den verschwundenen Kopf, während ihr Begleiter – zum Ausgleich – den seinigen verliert. Leonie flieht in Panik und findet Schutz und Antworten auf der Feeninsel.


Der Vergleich mit "Sleepy Hollow" drängt sich spätestens nach dem Fund des ersten Kopfes in einem alten hohlen Baum auf. Der Hidden Track am Ende der CD wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Von den vier Folgen ist eindeutig "Die Feeninsel" am unteren Ende es Vergnügens anzusiedeln - obwohl ausreichend Spannung vorhanden, verstrickt sich die Geschichte in zusammenhangslosen Szenen.
 

Edgar Allan Poe Cover 31 (c) Lübbe Audio / Zum Vergrößern auf das Bild klickenTeer und Federn (Folge 31)

"Das Verhalten von Verrückten ist nicht berechenbar; und meiner Meinung nach, wie auch nach der von Dr. Tarr und Prof. Fedders, ist es niemals sicher, sie frei herumlaufen zu lassen." (Poe)
 

In dieser Folge dreht sich alles nur um Poe und seine Versuche aus der Irrenanstalt zu entkommen. Minutiös berichtet der Sprecher über seine verzweifelten Bemühungen eine Schwachstelle in der Zellenkonstruktion zu finden. Die Geschichte erinnert stark an Dumas "Der Graf von Monte Christo" als Poe einen Gang findet, der, nicht wie erhofft in die Freiheit, sondern zur Nachbarszelle führt. Hier fristet ein alter, sterbender Mann sein Leben, dessen eigenwilliger Fluchtplan Poe überzeugt. Die absurde Idee, mittels des abgerissenen und an den Zellensteinen zugespitzten Armknochen des Alten, kurz vor der Hinrichtung die Fessel zu durchschneiden und so im allerletzten Moment über den Fluss zu entkommen, wird durch die Einladung zu einem sonderbaren Abendmahl vereitelt. Die Gäste und der neue Anstaltsdirektor entpuppen sich als revolutionierende Irre, während die eigentlichen Wächter in rasender Wut alles abschlachten, was ihnen unter die Augen kommt.

 

 

Edgar Allan Poe Cover 32 (c) Lübbe Audio / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWilliam Wilson (Folge 32)

"Ich kehrte zu meinem sterbenden Gegenspieler zurück. Aber welche menschliche Sprache kann das Erstaunen und Grauen beschreiben, das mich nun bei diesem Anblick befiel?" (Poe)
 

Poe ist im Tumult des Anstaltaufstandes entkommen und sucht sofort Mittel und Wege, um seine wahre Identität zu beweisen. Hilfe verspricht sein ehemaliger Verleger, doch dieser ist in eine Verschwörung verstrickt. Da sich tote Poeten nun einmal bekanntlich besser verkaufen, wird kurzerhand beschlossen den einzigen Mitwisser auf Poes Seite zu meucheln und das Ganze völlig ungeniert dem Dichter in die Schuhe zu schieben. Poe zieht sich daraufhin in sein Versteck, eine Gruft, zurück und fällt in einen fiebrigen Traum, in welchem die Poe-Story von William Wilson aufgerollt wird: Auf einer Schule sind zwei Jungen, die den gleichen Namen tragen und einander auch sonst sehr ähnlich sind. Nach der Schulzeit beginn der eine (der Erzähler) ein liederliches Leben, während der andere in sporadischen Abständen auftaucht und immer wieder den Betrüger bloßstellt, bis es zum großen Showdown kommt.

 
 

Edgar Allan Poe Cover 33 (c) Lübbe Audio / Zum Vergrößern auf das Bild klickenMorella (Folge 33)

"Doch bald verdunkelte sich der Himmel dieser reinen Zuneigung, und Sorge, Angst und Gram zogen wie dunkle Wolken darüber hinweg." (Poe)
 

Poe und Leonie sind wieder glücklich vereint, gemeinsam versuchen sie Poes Familienangehörige zu finden. Doch Poes altes Haus lauert düster und verlassen in der Landschaft. Nachts treibt eine seltsame Frau ihr Unwesen, wobei Poe zunächst nur "feuchte Träume" zu haben scheint. Als sich überraschend ein Besucher in der Dusche einfindet, sind Mord und Todschlag nicht mehr weit.


Der Schriftsteller Edgar Allan Poe wurde 1809 in Bosten, Massachusetts geboren und starb 1849 in Baltimore, Maryland. Über die Todesursache gibt es mehrere unbewiesene Theorien. Er litt häufig unter schweren Depressionen, in "Teer und Federn" wird übrigens auch kurz Poes Alkoholismus und Opiumproblem bekrittelt. Er gilt als Vater der Kriminal- und Science-Fiction-Literatur. Wohl jedem bekannt ist die Geschichte "Der Doppelmord in der Rue Morgue", in welcher der Pariser Detektiv Dupin zum ersten Mal der Welt auf den Zahn fühlt. Das ebenfalls weithin bekannte lyrische Werk "Der Rabe" wird als eines der bedeutendsten Beispiele amerikanischer Dichtkunst gehandhabt. Seine Werke beeinflussten zahlreiche weltbekannte Literaten wie etwa Jules Verne, A.C. Doyle, H.G. Wells, E. T. A. Hoffmann oder Charles Dickens.

 

# # # Manuela Klinger # # #





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