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Book-Review: Horror und Ästhetik (UVK)

Dass Horror und Ästhetik zwei nicht voneinander zu trennende Begriffe sind, ist jedem Genrefan ein Grundgedanke. Egal, ob man sich lieber zu alten Vincent Price- Filmen gruselt oder Schlachtereien in Hardcore-Splatterfilmen bevorzugt.

Bei einem Buch, das eine Bearbeitung des Themas Horror mit wissenschaftlichem Anspruch verspricht, ist man zunächst etwas kritisch – spätestens wenn man das giftgrüne Buchcover in Händen hält und misstrauisch beäugt. Gleich vorab: Diesem Anspruch kann das Buch mit dem Untertitel "Eine interdisziplinäre Spurensuche" nicht gerecht werden. Mit Beiträgen von Autoren aus verschiedenen, Geistes- und naturwissenschaftlichen Fächern (etwa Literatur-, Medien-, Film- und Kunstwissenschaft, Soziologie, Zeitgeschichte, Psychologie und Medizin) deckt das Werk eine äußerst interessante und sehr differenzierte Bandbreite an Sichtweisen zum Thema ab. Aufgeteilt in drei Abschnitte, werden im ersten Teil ("Kunstformen") mediale Repräsentationsflächen in Film und Literatur auf Motive des Horrors untersucht. In Teil 2 ("Fakten und Fiktion") setzen sich Wissenschaftler mit den Grenzbereichen zwischen Fiktion und Realität auseinander. Horror als Genrekonzeption ist Thema des dritten Abschnittes ("Genretheorien").


Die Beiträge sind nahezu ausnahmslos gut recherchiert und der Informationsgehalt bzw. die Ansätze und Theorien liefern dem Horrorjünger permanent Denkanstöße zur Weiterbeschäftigung. Je nach Beitragsthema blickt man beispielsweise in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele und muss sich fragen: "Gibt es eigentlich nichts was es nicht gibt?", wenn der Fall des Kannibalen von Rothenburg und das mediale Echo dazu neu aufgerollt werden. Man wandelt auf dem schmalen Grat zwischen abgestumpfter Normalität und Angstneurose, wenn man sich die Entwicklung des Angstgefühles oder die Theorie zur phantastischen Literatur einverleibt. Und, falls man sich nicht schon längst über die Hintergründe des femininen Touchs mancher ansehnlicher Filmvampire Gedanken gemacht hat, kann man sich mit dem Beitrag "Das Queere des Horrors" ein Bild über die (einleuchtend argumentiert tief verwurzelten) Zusammenhänge zwischen Queer Theory und Horror machen.


Fazit: Wer einfach nur einen netten Horrorfilm-Abend mit einer Tüte (Popcorn?!) auf der Couch verbringen und sich ein wenig fürchten und ekeln möchte, wird mit diesem Werk vielleicht nicht ganz so viel anfangen können. Horrorfans, die sich bereits auf einer pathologischen Stufe der Beschäftigung mit Horrorfilmen und -literatur befinden und nach dem Filmabend erstmal eine analytische Nachbesprechung im Hinblick auf thematische Konzepte und Genre-Verwandtheitsgraden, Regiequalität, Einsatz von Effekten und Filmphilosophie anstrengen, werden "Horror und Ästhetik! nicht aus der Hand legen, bis auch der letzte Funke naiver Unschuld gewichen ist.

# # # Sandy Mayer # # #






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