Bis vor wenigen Jahren wurde den wissbegierigen Fans zur Vergangenheit von X-Man Wolverine lediglich häppchenweise Information gegeben, abgesehen von einigen größeren Brocken wie „Weapon X“ aus der Feder von Barry Windsor-Smith. Was bisher (grob verkürzt) bekannt war: Wolvie ist Kanadier, schätzt Bier und Zigarren. Und verfügt über Kräfte, die ihn nur langsam altern lassen, ihm Selbstheilung selbst nach schwersten Verletzungen und tierhafte Instinkte ermöglichen. Nicht zu vergessen natürlich die Beschichtung seines Skelettes mit dem Metall Adamantium, das ihm (un)freundlicherweise die kanadische Regierung in einem streng geheimen Experiment spendiert hat. Sein im wahrsten Sinne des Wortes herausragendstes körperliches Merkmal sind die aus dem Handrücken ausfahrbaren messerscharfen Krallen - was sich im Comic mit dem berühmten Soundword „Snikt!“ bemerkbar macht. So weit, so gut.Das Geheimnis um die Herkunft von Wolvie, Mutantenfreunden auch als Logan bekannt, wussten bis vor einigen Jahren nicht einmal die Autoren selbst. „Niemals die Herkunft von Wolverine erklären“, lautete ein eisernes Credo des Verlags, um den Reiz der Figur nicht zu mindern. Erst mit dem erfolgreichen „X-Men“-Franchise ab 2000 bemerkten Marvels Mächtige, dass hier Handlungsbedarf bestand. Schließlich galt es zu vermeiden, Hollywood als erstes die Herkunft Wolverines erzählen zu lassen. Zu diesem Zweck engagierte man den geschätzten Autor Paul Jenkins sowie den langjährigen „X-Men“-Zeichner Andy Kubert, die das Ganze in einer sechsteiligen Miniserie umsetzen sollten.
Es ist ihnen mehr als gelungen. Die Story fesselt den Leser von Beginn an, die Charaktere werden einfühlsam charakterisiert, oft durch kleine liebevolle Details. Der düstere Grundtenor der Handlung wird bis zum tragischen Ende durchgetragen, die Spannung aufrecht erhalten. Es soll hier nicht zuviel verraten werden, nur soviel: „Dog“ Logan und sein Vater arbeiten auf dem Gut der wohlhabenden Howlett-Familie im Kanada des späten 19. Jahrhunderts, als die junge Rose dazu berufen wird, sich um den kränklichen Sohn des Hausherren zu kümmern. Großteils aus ihrer Perspektive wird der eskalierende Konflikt zwischen den Logans und den Howletts erzählt, der - angespornt von geheimnisvollen Ereignissen in der Vergangenheit - eine Spirale der Gewalt in Gang setzt...
„Wolverine: Origin“ ist ein großes Stück Kino im Kopf. Die Dosierung von Action und Charakterstudie ist gelungen, mehrere unvorsehbare Wendungen machen Lust auf die jeweils nächste Seite. Vor allem Jenkins Trick, wer nun tatsächlich der „echte“ Logan ist, ist meisterhaft. Kuberts Zeichnungen, untertsützt von Richard Isanoves toller Kolorierung, fangen die Emotionen der handelnden Personen pefekt ein. Gewalt wird nicht effektheischend, sondern glaubwürdig und mitunter subtil dargestellt.
Der Comicband, von dem wir hier sprechen, ist zwar schon 2006 erschienen, aber beim guten Comic- oder Buchhändler sicherlich noch vorrätig. Der Preis geht für Aufmachung und Inhalt mehr als in Ordnung, und wer in Anbetracht des Kinostarts von „Wolverine: Origin“ mitreden oder einfach nur wissen will, wie sich nun Hollywood Wolvies Herkunft vorstellt, kommt an diesem Ding nicht vorbei. Ach ja, noch ein Tipp für Klugscheißer: Wolverine bezeichnet übrigens ein Raubtier mit dem lieblichen Namen „Vielfraß“. SNIKT!!!
###Andreas Grabenschweiger###
Marvel Deutschland/Panini Comics





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