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Comic-Review: Marvels (Panini)

Wenn Alan Moores "Watchmen" der Abgesang auf das Superhelden-Genre war, dann ist dieses Meisterwerk von Kurt Busiek und Alex Ross dessen feierliche Wiederauferstehung.

marvels_cover (c) Panini / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEine reizvolle Frage für den geneigten Leser von Superhelden-Comics US-amerikanischen Zuschnitts ist seit jeher jene, wie es wäre wenn allerlei bunt kostümierte Gestalten tatsächlich unter uns, in unserer Realität leben würden. Wie würden wir auf sie reagieren, wie zwangsläufig mit ihnen interagieren? Was bedeuten Menschen mit übermenschlichen Kräften für den vielzitierten "kleinen Mann"? Genau darauf versucht "Marvels", eingerahmt von fantastischem Artwork, eine Antwort zu finden.


Im Jahr 70 nach dem ersten Superhelden-Heft des damaligen Timely Comics-Verlags und fast ein halbes Jahrhundert nach Stan Lees "Marvel Revolution" hat Panini eine der wichtigsten Graphic Novels der 1990er Jahre neu herausgebracht. Autor Kurt Busiek und Zeichner Alex Ross, das Team hinter der empfehlenswerten Serie „Astro City“, die ein ähnliches Konzept verfolgt, schildern das Auftauchen der ersten Helden und Schurken des Marvel-Universums aus der Perspektive des Zeitungsfotografen Phil Sheldon.


Die Geschichte beginnt 1939 mit dem Auftauchen von Namor dem Sub-Marinter sowie der ersten Human Torch, im Gegensatz zum namensgleichen Mitglied der Fantastischen Vier ein Android. Sie eröffnen ein nicht nur gefühltes neues Zeitalter voller unglaublicher Ereignisse und Wunder ("marvels"), glänzenden Helden und finsteren Schurken, die sich über den Köpfen der Menschen hinweg ihre Duelle liefern. Sheldon ist fast immer hautnah und an vorderster Front dabei. Und wird immer besessener davon, ein gutes Foto zu schießen.


Wie die fantastischen Erlebnisse der kostümierten Übermenschen den Alltag der Bewohner New Yorks beeinflussen, sie zunächst zutiefst beunruhigen, schließlich abwechselnd faszinieren und erschrecken, spiegelt sich in Sheldons Gedanken auf meisterhafte Weise wieder. Wie wir sehen, braucht es keineswegs fiktiver Helden, um die tief verwurzelte Angst des Menschen vor ihm unbekannten Dingen ermessen zu können. Die Erkenntnis, dass auch er nicht imstande ist nur Geschichte(n) einzufangen, sondern sie auch macht, wird ihm schrecklicherweise bewusst, als er sich von der Hysterie um die ersten erscheinenden Mutanten anstecken lässt…


"Marvels" lässt sich als großartige Verbeugung vor der übersprudelnden Kreativität des Marvel-Universums und einer Hommage an die künstlerischen Heroen vom Schlage eines Stan Lee – der auch das Vorwort für den vorliegenden Band besorgt hat – oder Jack Kirby, Steve Ditko und vielen anderen interpretieren. Wo Alan Moore das Genre ebenso brutal wie genial demontiert und die Schattenseiten abseits der scheinbaren Perfektion der übermenschlichen Helden hervorgekehrt hat, streicht Kurt Busiek das positive Leitmotiv des Konzepts "Superhelden" hervor – ohne in Schönfärbereien zu verfallen.


Am Ende zeigt sich, dass das Gegenteil von gut auch gut gemeint sein kann: Mit dem brutalen Tod von Peter Parkers großer Liebe Gwen Stacy durch den Green Goblin verliert schließlich nicht nur das Marvel-Universum seine Unschuld, sondern auch Phil Sheldon seine Motivation das endlose Spiel weiterzuspielen – die Erde dreht sich scheinbar unbeirrt weiter, daher ist es nur logisch die Fackel weiterzugeben an eine jüngere Generation. Busiek und Ross als Vertreter einer solchen in künstlerischer Hinsicht schaffen es mit "Marvels", neue Sichtweisen auf die Klassiker aus dem Goldenen und Sibernen Zeitalter der Superhelden-Comics abseits von bloßer Konservierung zu eröffnen.

# # # Andreas Grabenschweiger # # #

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