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Book-Review: Nazikiffer (Books on Demand)

In Zeiten der Krise schreit das Volk nach starken, mutigen Männern mit kühnen Visionen und dem Drang zur Macht – nach Männern wie HeilWichsFut Seiner Impertinenz dem III. Dieser kühne bergdeutsche Recke führt mit aller Brachialität die Obersteiermark in das hell gleißende Rampenlicht literarischer Größe und seinen Autor zu ewiglichem Ruhm.

nazikiffer_cover (c) Books on Demand / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSelbst in Zeiten von Google Earth und GPS, in denen man jede noch so kleinste Hundeausscheidung auf Zentimeter genau orten kann, gibt es sie noch: Geheimnisvolle Orte voller düsterer Legenden und Mysterien, an denen der Verstand scheinbar ebenso Urlaub zu machen scheint wie in den Köpfen so mancher Politiker. Ein solch dunkler Mahlstrom, der unbedarfte Zeitgenossen mit sich zu reißen und zu verschlingen droht, lauert in der grünen Steiermark in Österreich – Scherzbolden auch als "St. Eiermark" bekannt. Nicht in Gralla, wo sich Franz Fuchs und Hase gute Nacht sagten, sondern weiter nördlich im Bezirk Leoben. Hier gibt sich scheinbar Unvereinbares die Hand: Neben urbanen Ballungsgebieten wie Donawitz, dem "steirischen Detroit", liegen vom Massentourismus unberührte – oder vielleicht einfach links liegen gelassene? – Gegenden in all ihrer natürlichen Pracht.


Hier florieren seit jeher nicht nur Gartencenter oder Kleinkriminalität, sondern auch unzählige alte Geschichten und Legenden rund um alte Mächte, beseelte Berge oder vergrabenes Nazigold. Der Protagonist von Franz Trautmanns Erstlingswerk, ein begabter Jüngling mit dem unscheinbaren Namen HeilWichsFut Seine Impertinenz der III., hat es sich zur Mission gemacht, den Schleier um die montanen Mysterien so gründlich zu lüften wie andere die vom Marihuanarauch geschwängerten Gemächer ihrer Schutz- und Trutzburg. Ja, THC ist ebenso wie unerhörter Alkohol-, Kaffee- und Nikotingenuss Mittel und Zweck zur Einswerdung mit den Kräften der Berge und ihrer Abgründe. Begleitet HeilWichsFut auf seiner abenteuerlichen Odyssee voll bizarrer Ereignisse um brutale Polizeiroboter, sich mit Stalagmiten befriedigende Wassernymphen und den Eisenerzer Wassermann, der bei seinen unbedarften Opfern einen Tuttlfick antäuscht, nur um ihnen auf den Bauch zu scheißen! Doch ist dies nur bedeutungsloses Geplänkel im Vorfeld zu der sich ihm offenbarenden Pracht der Nationalsoziologischen Kifferpartei (NSKP), als deren Aspirant er auserwählt wird!


"Nazikiffer" ist vieles: Es enthält Elemente des Entwicklungsromans voll faustischem Wissensdurst und an Parzival gemahnenden Irrungen und Wirrungen und ist darüber hinaus eine Sammlung schonungslos offengelegter Interna der NSKP: Altehrwürdiges Liedgut, das Manifest der Partei, Kochrezepte für die Kameraden, Glaubens- und Grundsätze dieser glanzvollen Vereinigung, die – um das hier ausdrücklich festzuhalten – nichts mit Antisemitismus oder Rassismus zu tun hat. Verstanden werden kann es auch als Kifferapologetik, Polemik gegen Manischdepressiveökolesbenvegetarierfeministenpsychologiestudentinnen und generell allem was in dieser Welt falsch läuft. Vielleicht ist es aber auch gar nichts davon, sondern einfach nur eines der witzigsten Bücher der letzten Jahre, dem eine weite Verbreitung zu wünschen ist und ein Verlag, der auf dieses Meisterwerk aufmerksam wird. Kamerad, die Losung heißt daher nun mehr denn je: "NAZIKIFFER ERWACHE!"

 

# # # Andreas Grabenschweiger # # #

 

 

Seine Impertinenz III. rechnet ab! 28 Jahre im – scheinbar doch nicht so grünen – Herzen Österreichs waren Grund genug für Franz Trautmann, seine Erlebnisse Revue passieren zu lassen. Doch wer ist Franz Trautmann? Warum sollte sich jemand für das Leben irgendeines dahergelaufenen Steirers interessieren? Ganz klar: Jemand der sein Erstlingswerk "Nazikiffer" betitelt, sollte nicht unbemerkt bleiben. Auch andere stolze Söhne der grünen Mark haben einmal – kaum zu glauben – klein angefangen: Frank Stronach, Arnold Schwarzenegger, Klaus-Maria Brandauer, Johann Lafer und Alf Poier sind heute weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Franz Trautmann schickt sich nun an, ein ganz Großer zu werden, um neben den Thronen eben Erwähnter für immer Platz zu nehmen.


Schon nach den ersten zwanzig Seiten vermutet sich der Leser in den Fängen von H. P. Lovecraft, Hunter S. Thompson oder William Burroughs, so irre, so fantasievoll geht Trautmann zu Werke. Die Rede ist von einer dunklen Macht, die tief unter der Erde der Obersteiermark haust und die dort beheimateten Menschen in eine tiefe Depression zieht. Auch deformierte Zwerge treiben dort ihr Unwesen, die ständig Jungfrauen in ihre Stollen entführen, um sich mit ihnen fortzupflanzen. Lesbische, gallertartige, transparente Seejungfrauen, Holzkasperl, Polizeiroboter ("Robocop"?), Soziologie-/Volkswirtschaft-/Jus-Studentinnen begegnen uns in einem irren Abenteuer, bei dem auch vor einer Zeitreise und einem Gefängnisaufenthalt nicht halt gemacht wird. Ständig wird der Leser mit Franzis erotischen Fantasien, aber auch mit schmackhaften Kochrezepten für nimmersatte Haschbrüder konfrontiert.


Reminiszenzen zur Schreibe von Helge Schneider oder gar Alf Poier ziehen sich wie eine Cokeline auf dem Glastisch von Pablo Escobar durch das ganze Buch. Nicht selten muss man sich die Freudentränen aus den Augen wischen und sich den Bauch halten, bevor man sich sprichwörtlich in die Hose macht, vor lachen. Nur selten will man das Buch zur Seite legen, so gut hat Trautmann einen im Griff. Wer mit der österreichischen Populärkulturgeschichte vertraut ist, wird den doppelten Spaß mit dem Buch haben, aber gerade Leser in den deutschsprachigen Nachbarländern werden über die ungeschminkte Wahrheit Österreichs hocherfreut sein. In Franz Trautmann brodelt ein literarischer Vulkan: "Nazikiffer" war erst ein Rauchzeichen, welches noch Großes und Gefährliches für die Bücherwelt angekündigt. Peter Rosegger würde sich im Grabe umdrehen und sich einen fetten Blunt anzünden (wenn er könnte): "Cthuhudler lives!"

 

# # # Thomas Sulzbacher # # #




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