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Book-Review: Ich rechne noch in Schilling (Czernin)

Nach dem Welterfolg "Alpenkönig und Menschenfreund" schießt Österreichs wohl größter Austropopper sein zweites Opus in Buchform nach und musste wegen der großen Nachfrage bereits eine zweite Auflage drucken lassen.

Aber so ist er halt, der Austrofred. Der nimmt einfach, lässig wie er ist, sämtliche Blog-Einträge, die er in den Jahren 2004 bis 2006 über seine Homepage in den Äther gejagt hat, macht einen – zugegebenermaßen erotisch extrem ansprechenden – Umschlag drum herum und verkauft das Ganze um knappe 16 Euro, respektive 220 Schilling.


Und das mit Recht. Denn beim
Austrofred bekommt man schließlich etwas für sein Geld. Nämlich einen mehr oder weniger regelmäßigen Fachkommentar zu sämtlichen Ereignissen der (österreichischen) Weltgeschichte besagter drei Jahre: Die mangelnde Kompetenz des österreichischen Rundfunks, die mangelnde Erfolgsquote des österreichischen Schiteams bzw. der Fußballnationalmannschaft oder die mangelnde Qualität der Schnitzel in den Speisewägen der ÖBB (ganz im Gegensatz zu Schweizer Speisewägen) – um nur einige zu nennen. Doch der Austrofred übt natürlich nicht nur Kritik. Auch erfreuliche Anekdoten, wie zum Beispiel die Freude über den Literaturnobelpreis der Elfi Jelinek, finden sich im neuen Buch des Champions (wie ihn seine Fans ja liebevoll nennen).


Und trotz der bemerkenswerten Beobachtungsgabe und des Blicks fürs Wesentliche ist und bleibt die größte Stärke des
Austrofred die Sprache. Denn jeder einzelne Eintrag in diesem Büchlein strotzt von einer gleichsam charmanten wie urkomischen Einfachheit, welche die Grenzen des österreichischen Deutsch bis zum Letzten ausreizt und so pointiert zum Einsatz bringt, dass man immer wieder aufs Neue ins Staunen kommt. Dennoch ist „"ch rechne noch in Schilling" im direkten Vergleich zum Vorgänger anders, vielleicht sogar schwieriger. Denn konnte man auf Grund der In-Sich-Geschlossenheit von "Alpenkönig und Menschenfreund" nur zu gut den Champion in all seinen bunten Schilderungen visualisieren, so lässt das neue Werk angesichts seiner indirekten (weil zeitlich versetzten) Aktualität die Grenzen zwischen dem Austrofred und dem Menschen dahinter – Franz Wenzel – leicht verschwimmen. Doch das soll der Freude daran keinen Abbruch tun. Ein großes Stück österreichischen Kulturguts.

# # # Michael Komjati # # #


 

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