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Comic-Review: Wolverine (Panini)

Bereits in der "X-Men"-Trilogie von den Fans gefeiert, hat Hugh Jackman unserem Lieblingsmutanten Wolverine nun in einem abendfüllenden Spin-off wieder Gestalt verliehen. Anlass genug, die aktuellen Veröffentlichungen von Panini zu unserem haarigen Freund unter die Lupe zu nehmen.

Gemessen an Jahren in der realen Welt steht der Mann, um den sich diese Zeilen drehen, eigentlich in vollem Saft. Schließlich feiert das wahrscheinlich bekannteste Mitglied aus Professor Charles Xaviers Gruppe von Schülern mit besonderen Fähigkeiten im Herbst 2009 gerade mal seinen 25. Geburtstag: Im Oktober 1974 auf den Seiten von "The Incredible Hulk" #180 noch als Gegner des grünen Giganten erschienen, mauserte sich Wolvie im Laufe der Jahre zu einem der Aushängeschilder des Marvel-Flaggschiffs "X-Men" und brachte es zu einer erfolgreich laufenden Solo-Comicreihe. Illustriert wird seine Popularität unter Comicfans etwa durch seinen ersten Platz unter den "Top 200 Comic Book Characters of All Time" des US-Comicmagazins "Wizard" vom Mai 2008.

Wolverine ist Kult, keine Frage. Er nahm die Welle an Antihelden der 1980er Jahre, die zwielichtige Figuren wie den Punisher an die Oberfläche des Comic-Mainstreams spülte, voraus. Genehmigte sich gerne ein kühles Bierchen oder klemmte sich eine Zigarre in den Mundwinkel zwischen seinen diversen physisch ausgetragenen Meinungsverschiedenheiten. 



Wolverine: Waffe X

wolverine waffe_x_cover (c) Panini / Zum Vergrößern auf das Bild klickenÜber die Vergangenheit Logans, wie unser Held auch genannt wird, wurden seitens der Autoren bis vor wenigen Jahren stets nur vage Hinweise gestreut. Als früher Anhaltspunkt kann vor allem Barry Windsor-Smiths klassische "Weapon X"-Story von 1991 gelten: Hier erfuhren die Leser, dass Wolverine sein Adamantiumskelett, das unter anderem für die Schärfe seiner aus den beiden Handrücken ausfahrbaren Krallen verantwortlich ist, einem streng geheimen Experiment der kanadischen Regierung verdankt.


Zwischen April und August 1991 auf den Seiten von "Marvel Comics Presents" erschienen, wird Windsor-Smiths Erzählung von vielen zu Recht als eine der besten Wolverine-Storys aller Zeiten gehandelt. Unübertroffen scheint die düstere, beklemmende Atmosphäre, die vor dem Leser ausgebreitet wird, beängstigend die Schilderung wie eine rasende, beinahe entmenschlichte Bestie geschaffen wird, welche die Allmachtsphantasien tatsächlich entmenschlichter Technokraten reflektiert.


Für den maßgeblichen Einfluss dieser Erzählung steht nicht zuletzt die Tatsache, dass es sich bei ihr um die Vorlage für den aktuellen Wolverine-Film handelt. Bereits vor etlichen Jahren in der  "Marvel Exklusiv"-Reihe erschienen, hat Panini "Waffe X“ nochmals mustergültig aufgelegt und mit allen US-Covers sowie einer Bonusstory von Windsor-Smith aus dem Jahr 2001 versehen. Wer auf der Suche nach den großen Meilensteinen aus den letzten 20 Jahren amerikanischer Superhelden-Comics ist, hat hier einen gewichtigen Kandidaten vor sich.
 
 
Wolverine: Logan

wolverine_logan_cover (c) Panini / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIn der dreibändigen Miniserie von Brian K. Vaughn ( "Y – The Last Man") und Eduardo Risso ("100 Bullets"), die gesammelt in einem Hardcover-Band in Paninis Reihe von Graphic Novels erschienen ist, erfährt der Leser von einem weiteren prägenden Kapitel in Wolverines Leben. 1945, in den letzten Tagen des Pazifikkrieges, findet er sich gemeinsam mit seinem Mithäftling in einem japanischen Kriegsgefangenenlager wieder. Nach dem Ausbruch lernt er Atsuko kennen und lieben, die ihn bei sich aufnimmt. Sein Fluchtgefährte hält ihn für einen Spion und greift beide an. Atsuko wird dabei getötet, der anschließende Kampf wird jäh unterbrochen als sich ein US-Flugzeug nähert und eine einzelne Bombe abwirft. 60 Jahre später kehrt Logan an den Ort des Geschehens zurück: Hiroshima.


Brian Vaughns Story führt uns vor Augen, wie wertvoll Erinnerungen für den Menschen sind – seien es gute oder schlechte. Sie stellt die essentielle Frage was wäre wenn die Möglichkeit bestünde, schmerzliche Ereignisse aus der Vergangenheit auszulöschen. Vor eine solche Wahl gestellt: Ist es den Preis völligen Vergessens etwa von geliebten Personen wert.


Eduardo Rissos Striche harmonieren gekonnt mit der Kolorierung, die der Atmosphäre der Handlung entsprechend meist angenehm weich und reduziert ausgefallen ist. Der Band liest sich flüssig, leider zu schnell – das Grundmotiv um Liebe, Tod und Zerstörung hätte man vielleicht noch umfangreicher herausarbeiten können. So bleibt aber der Eindruck eines gelungenen, kompakt erzählten Kapitels aus Logans Vergangenheit.
 

 

Wolverine #1 (Vol. 3)

wolverine_vol._3_cover (c) Panini / Zum Vergrößern auf das Bild klickenParallel zum Kinostart wurde auch die reguläre Heftserie um unseren krallenbewehrten Mutanten bereits zum zweiten Mal nach 2004 neu gestartet, um interessierten Lesern einen passenden Einstieg zu bieten. So erfahren wir in der Erstausgabe Details über Wolverines Sohn. "Hääääh?!" wird da mancher sagen, seit wann hat Wolvie denn einen Sohn? Tja, der heißt Daken und ist vom Schurken Romulus nach einer Gehirnwäsche zur lebenden Waffe ausgebildet worden. Als der Vater den Sohn aus dessen Einfluss befreien will, wird er erneut mit Geistern der Vergangenheit konfrontiert. Wiederum hat das ganze einen Bezug zu Japan, allerdings in einem etwas anderen Kontext…


Nach zwei Ausgaben der "Wolverine: Origins"-Serie bekommt der Leser noch eine Story aus dem 2007er Annual namens "Requiem für J. Patrick Smitty" geboten. Letzterer ist ein Loser, der unter schwierigen Umständen aufgewachsen ist und sich mit kriminellen Delikten über Wasser hält – bis schließlich ein Coup schiefgeht und Wolverine auf den Plan tritt. Weiters gibt’s im 100 Seiten starken Erstling eine Preview auf ein anderes aktuelles Marvel-Highlight ("Ultimate Origins"), bei dem auch Wolverine eine Rolle spielt, sowie einige Stills aus dem Wolverine-Film. Einstand insgesamt gelungen, die Annual-Story fällt hinsichtlich der beiden "Origins" doch stark ab, liest sich aber flüssig. Hinsichtlich der Zeichnungen ist zu sagen, dass Stephen Segovias Artwork hervorragend zum dynamischen Wolvie passt. Mehr davon!

 

 

# # # Andreas Grabenschweiger # # #

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