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Book-Review: Serge Gainsbourg – Für eine Handvoll Gitanes (Heyne)

"Je t’aime… moi non plus". Jeder kennt den Stöhnsong, nur wenige seinen Schöpfer. Die erste deutschsprachige Biographie über Serge Gainsbourg schafft Abhilfe.

fuer_eine_handvoll_gitanes_cover (c) Heyne / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAuf dem Pariser Cimitiére Montparnasse haben viele Berühmtheiten ihre letzte Ruhestätte gefunden: Charles Baudelaire, Samuel Beckett, Man Ray, Susan Sontag, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, Jean Seberg, um nur einige zu nennen. Das Grab, auf dem aber die meisten Devotionalien abgelegt sind, ist jenes von Serge Gainsbourg. Bilder, Blumen, Briefe, Zigaretten (Gitanes ohne Filter), Kränze, Spirituosen und eine Unzahl von Metro-Fahrscheinen erzählen von der ungebrochenen Liebe der Fans zum 1991 verstorbenen Universalgenie. Er war (Drehbuch-)Autor, Regisseur, Schauspieler, Maler, Dichter, Enfant terrible – und vor allem Musiker. Außerhalb Frankreichs ist es aber meist nur ein Song, mit dem Gainsbourg assoziiert wird, eben "Je t’aime… moi non plus".


Eigentlich eine Schande, und so hat sich die renommierte britische Rock-Journalistin Sylvie Simmons (Sounds, Mojo), an sich ausgewiesene Expertin für Americana (Neil Young, Johnny Cash), in frankophilere Gefilde begeben und eine Gainsbourg-Biographie vorgelegt. Sie zeichnet in 18 Kapiteln das bewegte Leben des Serge Gainsbourg nach und schildert ihn als zerrissene Persönlichkeit: Das musikalische Genie, der Poet, der liebevolle Ehemann und Vater, aber auch der zwangsneurotische Kontrollfreak, der sich mit Alkohol- und Nikotinmissbrauch selbst zerstört und einen Skandal nach dem anderen liefert. Damit folgt Simmons etwas unkritisch einer entschiedenen Selbststilisierung Gainsbourgs als "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" (übrigens auch ein Songtitel); diese ging soweit, dass er in seinen späteren Jahren sogar ein Pseudonym für sein dunkles Alter Ego kreierte: Gainsbarre.


Simmons gelingt es aber perfekt, neugierig auf den Menschen Serge Gainsbourg und vor allem auf seine Musik zu machen. Faszinierend die musikalische Bandbreite seines Oeuvre; kaum ein Stil der populären Musik, an dem er sich nicht versucht hätte, ohne aber je beliebig zu werden. "Klassische" Chansons, Bar-Jazz, World Music, Rock’n’Roll, 60s-Baby-Pop, Disco, Reggae, Rap. Aber mindestens genauso wichtig wie die Musik waren Gainsbourg auch die Texte seiner Songs. Und Simmons gibt immer wieder Einblicke in die Poesie Gainsbourg, obwohl die Songtexte wegen der vielen Zweideutigkeiten und Wortspiele kaum bis überhaupt nicht zu übersetzen sind – ein weiterer Grund dafür, dass seiner Musik außerhalb des französischen Kulturkreises der große Erfolg nicht beschieden war.


Es verwundert auf den ersten Blick, dass gerade "A Fistfull Of Gitanes" die erste Gainsbourg-Biographie ist, die ins Deutsche übersetzt wurde, liegen doch weitaus gewichtigere Werke französischer Autoren zum Thema vor. Aber: Simmons’ Zugang als der einer, die nicht dem französischen Kulturkreis entstammt und somit interessiert und neugierig die Musik Gainsbourgs erst für sich entdecken muss, überträgt sich geschickt auf die Leserinnen und Leser ihres Buches.


Und wer bislang nur den einen Song kennt, wird nach der Lektüre von "Für eine Handvoll Gitanes" wohl in den nächsten Plattenladen pilgern, um sich mehr von Gainsbourg anzuhören. Da hilft der Anhang des Buches: Er enthält eine Kurz-Diskographie für den Einsteiger und eine ausführliche, chronologisch geordnete für den Kenner und Sammler, weiters eine Bibliographie (die sowohl Primär- als auch Sekundärliteratur anführt) und eine Filmographie.


Weiters werden jene Chansons angeführt, die Gainsbourg für andere Interpreten schrieb, sowie ausgewählte Coverversionen seiner Songs. Um nur einige Künstler aus dem deutschsprachigen Raum aufzuführen: Die Aeronauten, Böhse Onkelz, Dzihan & Kamien, Einstürzende Neubauten, Geschwister Pfister, James Last, Heiner Lauterbach (!), Young Gods, ZK. Und wen wundert es: Der meistgecoverte Song ist selbstverständlich "Je t’aime… moi non plus".

# # # Gustav Ganz # # #

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