Mit dem legendären "Commodore"-Modell 64 der gleichnamigen Firma sind wie bei vielen anderen meiner Generation wundervolle Erinnerungen verbunden. Es mag so manchen Nachgeborenen erstaunen und möglicherweise belustigen, wie eine aus heutiger Perspektive langsame, träge, steinzeitliche Homecomputer-Kiste (wegen der Form des ersten Modells auch liebevoll „Brotkasten“ genannt) mit riesigen 5-Zoll-Disketten und schnell erhitzenden Netzgeräten, mit primitiver Grafik und ohne grafische Benutzeroberfläche Junggebliebene jenseits der 20 damals in der Kindheit faszinierte und erst recht heute fasziniert. Heute, in einer Zeit, in der jeder Billig-Taschenrechner vom Diskonter mehr Rechenleistung erbringt und sich die grafische Darstellung aktueller Computerspiele unaufhaltsam in Richtung fotorealistischer Gefilde bewegt, werden die wenigsten Jugendlichen auch nur ansatzweise erahnen können, wie 64 KB RAM eine Kindheit in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts prägten. Und zwar derart, dass beispielsweise noch heute mit dem legendären SID-Soundchip des C 64 musiziert wird oder sich Enthusiasten die Mühe gemacht haben, viele Tausende Spiele für Emulatoren auf dem PC für jedermann mit Internetzugang nutzbar machen.
Noch heute fröne ich der Nostalgie, in dem ich einem Ritual gleich einmal im Jahr unseren alten C 64 entstaube und mich einen Tag lang der Illusion hingebe, noch ein sommersprossiger Hosenmatz zu sein und die Blechkiste vor mir State of the Art in der Computertechnologie. Das Ding läuft trotz seiner 20 Jährchen am Buckel immer noch wie geschmiert, lediglich zwei Joysticks und ein neues Netzgerät fanden über eBay einen neuen Platz bei mir. Wahnsinn. Eine ähnliche Faszination wie die Spiele des "64ers" übten eigentlich nur mehr die frühen MS-DOS-Spiele für IBM-PCs ein paar Jahre später aus. Der geniale Super Mario Brothers-Ripoff "The Great Giana Sisters", der den Softwareriesen Nintendo erzürnte. "Bubble Bobble", bei denen zwei Spieler mit ihren kleinen Drachen böse Monster mit gespuckten Blasen bekämpfen müssen. "Turrican" mit tollem Soundtrack von Musikmagier Chris Huelsbeck. Wahnsinn...
Nun aber zu den Besprechungen dreier Bücher, die den Hunger nach dem Commdore zumindest kurzweilig stillen könn(t)en.
LOAD"Die Commodore Story",8,1.
RUN.
In diesem kleinen, aber über weite Strecken feinen Büchli geben uns Christian Zahn, Rainer Benda und Enno Conners einen gestrafften Überblick zur Geschichte des Commodore-Konzerns. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf der Darstellung der technischen Aspekte der einzelnen Entwicklungen, die zugebenermaßen Novizen auf diesem Gebiet - den Autor miteinbegriffen - in ihrer Detailliertheit wenig sagen dürften. Angereichert mit einigen Anekdoten und Interviews mit alten Hasen aus der C 64-Szene liest sich das Buch ganz gut binnen weniger Stunden. Was einem aber wirklich das Herz bricht, ist, wie Triumph und Tragik der Firma Commodore bis zu ihrem endgültigen Niedergang Mitte der 1990er Jahre erzählt werden. Dem Leser graut angesichts der Geschehnisse durch haarsträubende Fehlentscheidungen innerhalb des Konzerns, der sich im besten Stil einer antiken Tragödie scheinbar macht- und hilflos dem Untergang zubewegte.Verlag: CSW Verlag
Da das Thema Spiele in diesem Buch im engeren Sinne nicht gestreift wird, kann vielleicht ein Griff in die Belletristik-Abteilung abhelfen.
LOAD"EXTRALEBEN",8,1.
RUN.
Dieser "Abenteuerroman für die Generation C64", wie mir der Buchrücken erklärt, handelt von den beiden Freunden Nick und Kee, die mit Leib und Seele in den 1980er und 1990er Jahren hängengeblieben sind; zumindest was Computer und die dazugehörigen Spiele betrifft. Um aus dem langweiligen Berufsleben als Technik-Troubleshooter in einer Redaktion auszubrechen, muss des öfteren der gute alte Commodore aus der Kinderstube herhalten. Das Retro-Zockerleben könnte eigentlich in seinen normalen Bahnen weiterlaufen, fiele den beiden nicht eine versteckte Botschaft in einem der alten Spiele auf. "Datacorp" ruft, die beiden folgen. Und zwar auf einer kurios-abenteuerlichen Schnitzeljagd quer durch die Vereinigten Staaten. Bis zum Grande Finale werden nicht zuletzt verehrungswürdige Stätten der vergleichsweise jungen Computerspiel-Historie der Reihe nach abgeklappert.Das Werk von Constantin Gillies kommt in einem klaren, leger geschriebenen Stil in Monologform daher. Die Spannung wird bis zum letzten Kapitel - stimmungsgemäß natürlich als Levels bezeichnet - aunaufdringlich aufgebaut. Gelungen ist, dass der Leser ebenso wie die Protagonisten lange im Unklaren gelassen werden, ob sich hinter den mysteriösen Hinweisen von "Datacorp" tatsächlich etwas Handfestes befindet oder nicht; das Schwanken zwischen unmöglichen Zufällen und Paranoia hält bis zu den lezten Kapiteln an. Zwischen den Zeilen schimmern oftmals Nostalgie und Bewunderung für die heute meist der Vergessenheit anheim gefallenen großen Namen und Geschehnisse aus der Pionierzeit der Computerspiele durch. Es wird derart häufig aus dem diesbezüglichen Erfahrungsschatz zitiert, dass sich beim Lesen unweigerlich der Eindruck aufdrängt, die ganze Rahmenhandlung des Buchs diene lediglich der Aneinanderreihung von Anekdoten aus dem reichhaltigen Fundus der Computerspiele-Geschichte. Wer davon also in leicht verträglich eingestreuter Form lernen will, ist mit "Extraleben" sicherlich nicht schlecht bedient. Anders gesagt: Man kann aus Gillies Werk schlau werden, muss aber nicht. Für alle anderen bleibt es möglicherweise angenehm lesbare "Popcorn-Literatur". Vielleicht will es aber auch nicht mehr als das sein.
Verlag: CSW Verlag
LOAD"64",8,1.
RUN.
Das dritte Buch, dem ich mich widme, ist unter dem Pseudonym "Player One" verfasst worden. Gemäß unserem Thema ist dieses Buch in genau 64 Kapitel zu je meist zwei Seiten eingeteilt. Die ersten Kapitel hinterlassen einen Eindruck der Ratlosigkeit, sowohl beim Leser als auch beim in Ich-Perspektive erzählenden Protagonisten. Dieser scheint in einer sich ewig wiederholenden Sequenz eines Videospiels gefangen, in welcher er von Eingeborenen verfolgt auf einen Tempel irgendwo in Südamerika zuläuft, durch diverse Fallen stirbt und das Ganze von vorne anfängt. Die Reise führt den Namenlosen zuerst als Pirat durch die Kabirik, später in eine mittelalterliche europäische Stadt und schließlich ins Weltall.Wer die anfängliche Verwirrung durchsteht, kann sich im weiteren Verlauf des Buchs auf eine sich kontinuierlich aufbauende Handlung einlassen. Die Widersprüchlichkeiten, Zufälle und seltsamen Ereignisse, die unserem namenlosen Helden zuteil werden, klären sich bis zum Ende auf; leider wird das volle Potential der Geschichte bei weitem nicht ausgeschöpft. Getrübt wird das kurzweilige Lesevergnügen außerdem durch die vielen Grammatik- und Rechtschreibfehler im Text. Es hat den Anschein dass „Player One“ über all der berechtigten C64-Nostalgie die moderne Errungenschaft der Autokorrektur-Funktion vergessen hat.
Verlag: Books on Demand
Mit den drei genannten Büchern lässt sich wunderbar in die Welt des legendären Commodore 64 eintauchen. Wer darüber hinaus visuelle Nostalgica zum Thema sucht, greife zur DVD „Digital Memories“ (siehe Review von Roman Stingeder).
###Andreas Grabenschweiger###





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