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Gruselkabinett 71

Jede Legende enthält immer ein Körnchen Wahrheit. Diese Erfahrung muss auch Sir Matthew Fell machen, als er eine Bewohnerin des nahegelegenen Dorfes als Hexe verbrennen lässt.

(C) Titania Medien/Lübbe Audio / Gruselkabinett 71 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSchon seit langem gibt es immer wieder Gerüchte in dem kleinen Dorf unweit von Castringham Hall, dass die Heilkundige Mrs. Mothersole mit dem Teufel im Bunde stehe und eine Hexe sei. Eine Sichtweise, die auch der Schlossherr von Castringham Hall, Sir Matthew Fell, teilt. Bisher konnte er allerdings keine Beweise gegen die Frau vorbringen. Als Fell  eines Abends an einer uralten Esche auf seinem Grund und Boden vorbeikommt, hört er jemanden in dem ausladenden Geäst seltsame Beschwörungen murmeln.


Für Fell besteht kein Zweifel, dass die Stimme die von Mrs. Mothersole ist. Nun gibt es kein Halten mehr, unverzüglich geht er gegen die vermeintliche Hexe vor. Schnell ist ein Hexenjäger gefunden, der trotz der schwachen Beweislage Mrs. Mothersole der Hexerei bezichtigt und an den Galgen bringt. In den letzten Sekunden ihres Lebens prophezeit sie dem Besitzer des Schlosses, dass er ab jetzt mit Gästen auf seinem Anwesen zu rechnen habe. Sir Fell tut die Worte der Alten als leere Drohung ab und vergisst sie auch schnell wieder. Doch einige Wochen später entdeckt er in den Zweigen der alten Esche eigenartiges Getier, das den Baumstamm entlangkrabbelt.


Am darauffolgenden Tag wird er tot in seinem Schlafgemach aufgefunden, das genau vor dem alten Baum liegt. Für seinen Sohn besteht kein Zweifel, dass der Baum und Mrs. Mothersole mit dem Tod seines Vaters in Verbindung stehen und er lässt den Raum versiegeln. Auch die Nachfahren des Verstorbenen sollen keine Ruhe finden, dies muss 50 Jahre später Sir Richard Fell am eigenen Leib erfahren, als die merkwürdigen Ereignisse Castringham Hall erneut heimsuchen.


"Der Eschenbaum" greift eine Thematik des Gruselgenres auf, das bereits im Mittelalter in den Legenden und der Folklore Mitteleuropas zu finden war. Eine Frau der Dorfgemeinschaft verfügt über Mittel der Zauberei, die in engen Zusammenhang mit einem bestimmten Baum oder anderen markanten Orten der Umgebung stehen. Die Furcht des Menschen vor außergewöhnlichen Orten oder Phänomenen der Natur dürfte allerdings bereits so alt wie die Menschheit selbst sein.


Im "Gruselkabinett" wurde diese Art von Mythen bisher nicht thematisiert und stellt somit eine neue Variante klassischer Spukerzählungen vor. Gerade dieses hohe Maß an Abwechslung bei der Themenwahl ist einer der Pluspunkte, der die Reihe so attraktiv für den Hörer macht. Anstatt immer wieder dieselben Geschichten wiederzukäuen werden hier neue Felder für Geschichten erschlossen und für den Hörer zugänglich gemacht. "Der Eschenbaum" von M.R. James gehört im deutschen Sprachraum zu den unbekannteren Vertretern seiner Gattung.


Der Transfer der Geschichte ins Medium Hörspiel ist weitestgehend geglückt, nur ab und an hätte der Handlung eine Straffung gutgetan, so gibt es die eine oder andere Szene, die etwas kürzer hätte ausfallen dürfen. Doch dies ist reine Geschmackssache und tut der durchwegs gelungenen Bearbeitung durch Titania Medien keinerlei Abbruch. Wer eine originelle Gruselgeschichte sucht, kann hier bedenkenlos zuschlagen.


Wie gewohnt ist die kreierte Soundkulisse gelungen und kann insbesondere bei den besonders atmosphärischen Szenen überzeugen, wie etwa zu Beginn, wo man am Rande des Hörbaren die gemurmelten Beschwörungen vernehmen kann. Die Geräusche sind ausnahmslos passend zum Inhalt gewählt. Die Räume sind akustisch gut gestaltet, wie etwa die Szenen im Gerichtssaal beweisen, wenn durch den eingesetzten Hall die Größe des Raums angedeutet wird.


Die Zahl der Sprecher ist bei dieser Folge relativ umfangreich ausgefallen und mit vielen bekannten Namen gespickt. So sind unter anderem Lutz Mackensy, Frank-Otto Schenk und Peter Weis in dieser Produktion zu hören und bereichern "Der Eschenbaum" mit ihren Stimmen. Aber auch die anderen Sprecher stehen ihnen qualitativ in Nichts nach und stellen das gewohnt hohe Niveau des "Gruselkabinett" unter Beweis.


Das Cover ist sehr stimmig ausgefallen und bildet eine Szene des Hörspiels ab. Marc Gruppe ist wieder eine unbekanntere Spukgeschichte in die Hände gefallen, die sich unter seiner Federführung in ein originelles Hörspiel ganz im Stil des "Gruselkabinett" verwandelt hat.



# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien/Lübbe Audio





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