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Gruselkabinett 65

Finanzielle Schwierigkeiten zwingen die junge Bella, als Gesellschafterin ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Das anfängliche Glück, eine lukrative Stelle gefunden zu haben, verblasst jedoch schnell, denn ihre Gesundheit verschlechtert sich rapide.

(C) Titania Medien/Lübbe Audio / Gruselkabinett 65 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenKaum eine andere Epoche dürfte so eng mit der literarischen Gattung des Geister- und Schauerromans verbunden sein wie das viktorianische Zeitalter. Hier entstanden zeitlose Klassiker des Genre wie Bram Stokers "Dracula" oder Mary Shelleys "Frankenstein". In etwa genauso bekannt wie die angeführten Autoren war zu ihrer Zeit Mary Elizabeth Braddon, die zu den populärsten Autorinnen Englands zählte. Heute jedoch sind ihre Werke in Vergessenheit geraten und nur noch einem kleinen Kreis von Interessierten ein Begriff. Umso erfreulicher, dass eine ihrer Geschichten den Weg ins "Gruselkabinett" gefunden hat. An dieser Stelle muss man die wirklich gute Recherchearbeit von Titania loben, wenn es darum geht,  immer wieder gute, noch unbekannte Stoffe ans Tageslicht zu fördern.


Bella Rolleston ist verzweifelt! Seit dem Tod ihres Vaters reicht das Geld kaum noch aus, um sie und ihre Mutter über Wasser zu halten. Um die angespannte finanzielle Lage zu lockern, beschließt sie, schnellstmöglich in Lohn und Brot zu kommen. Eine schnelle und lukrative Möglichkeit um ans Ziel zu gelangen, verspricht eine Anstellung als Gesellschafterin in einem Haus der britischen Upper class. Doch die Chancen scheinen äußerst gering, ihre beruflichen Qualifikationen sind nicht ausreichend, um im ersehnten Bereich Arbeit zu finden. Umso erfreuter ist Bella, als die Leiterin der beauftragten Agentur doch noch eine Anstellung in Aussicht stellt. Sie kann ihr Glück kaum fassen, denn ihre neue Arbeitgeberin, die betagte Lady Ducayne, entlohnt ihre neue Angestellte fürstlich und hält ihre neuen Aufgaben in einem sehr überschaubaren Rahmen.


Ein Traum geht in Erfüllung als Lady Ducayne ihrer neuen Gesellschafterin offenbart, dass sie den Winter auf ihrem Anwesen in Italien zu verbringen gedenkt. Eben jenes Land, das Bella schon seit ihrer Kindheit bereisen wollte. Doch schon kurz nach der Ankunft verschlechtert sich die robuste Gesundheit von Bella von Tag zu Tag zusehends, ohne eine Erklärung woher die plötzliche körperliche Schwäche stammen könnte. Steht ihre seltsame Erkrankung vielleicht sogar in einem Zusammenhang mit dem vorzeitigem Tod ihrer Vorgängerin?


Ohne Zweifel lässt sich die Geschichte von Mary Elizabeth Braddon dem romantischen Schauerroman zuordnen, da dafür viele Kriterien auf der Hand liegen, allerdings muss man die wohl wichtigste Zutat mit der Lupe suchen, das Übersinnliche. Nur im entferntesten Sinne kann man einen fantastischen Kern in der beuruhigenden Geschichte der jungen Bella erkennen. Viel eher ließe sich "Gesellschafterin gesucht" im klassischen Krimisegment verordnen und stände einem Sherlock Holmes denkbar gut zu Gesicht. Fans, die sich auf eine wohlige Gänsehaut freuen, wenn sie die neueste "Gruselkabinett"-Folge in ihren CD-Player legen, dürften eventuell enttäuscht werden. Der Grusel tritt hier nur sehr dosiert in Erscheinung.


"Gesellschafterin gesucht" steht in einer Reihe mit Folgen wie "Northanger Abbey" oder "Rappaccinis Tochter". Hörer, die die Reihe gerade wegen dieser Geschichten zu schätzen wissen, können ungesehen zugreifen. Schon immer war das "Gruselkabinett" bekannt für sein ausgewogenes Verhältnis unterschiedlicher Vertreter des Gruselgenre. Julia Stoepel kann in ihrer Rolle der Bella Rolleston auf ganzer Linie punkten und man nimmt ihr die junge und unbedarfte Frau, die das erste Mal allein auf Reisen geht, zu jeder Zeit ab. Hier hat Titania ein glückliches Händchen bei der Besetzung der Hauptrolle bewiesen. Daneben agiert, wie gewohnt eine gute Zusammensetzung von alten Hörspielhasen und noch unverbrauchten Stimmen, die Folge 65 zu einer runden Sache machen.


Das Sounddesign ist altbekannt und eher zurückhaltend gestaltet, sorgt aber an den richtigen Stellen für die passende Untermalung. Die Musik ist stimmig und versprüht das Flair des viktorianischen Zeitalters. Das Cover hätte nicht besser gewählt sein können und verkörpert zudem eine der besten Arbeiten von Firuz Askin. "Gesellschafterin gesucht" ist ein Krimi angereichert mit einer romantischen Note und einer Prise an Gruselelementen. Beinharte Horrorfans werden hier die Nase rümpfen, wer allerdings eine klassische Schauergeschichte in bester Hörspieladaption zu schätzen weiß, kann sich "Gesellschafterin gesucht" bedenkenlos ins Regal stellen.



# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien/Lübbe Audio





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