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Gruselkabinett 76

Am Rande des unheimlichen Teufelslochs treffen drei unzertrennliche Freunde eine schicksalhafte Entscheidung, die ihr Leben für immer verändern wird.

(C) Titania Medien/Lübbe Audio / Gruselkabinett 76 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenCornwall, der äußerste Südwesten Englands. Nur wenige Menschen verirren sich in diese einsame Gegend. Eine der wenigen Siedlungen in diesem Landstrich ist die kleine Stadt Pemcastle. Unweit davon befindet sich das Teufelsloch, eine tiefe Felsspalte, die von den Klippen hinab bis ins Meer fällt. Immer wieder wird das Meerwasser zu einer Fontäne durch das schmale Loch in die Höhe gepresst. Um diesen abgelegenen Ort ranken sich viele Geschichten, die sich die Bewohner des Ortes nur hinter vorgehaltener Hand erzählen.


Für Sarah, Eric und Abel allerdings ist das Teufelsloch ein Ort, den sie seit ihrer Kindheit immer wieder gerne besuchen und der als Zeichen ihrer einzigartigen Freundschaft gilt. Genau diesen Ort wählt Sarah an ihrem 18. Geburtstag, um ihren beiden Freunden eine folgenschwere Mitteilung zu machen. Das Los soll darüber entscheiden, wen der beiden sie heiraten wird, denn der gesamte Ort und ihre Mutter beginnen bereits über die junge Frau und ihre beiden Freunde zu reden. Eine folgenschwere Entscheidung, die das Leben der drei für immer verändern soll.


Erneut gibt der geistige Vater des Grafen Dracula, Bram Stoker, seine Visitenkarte im "Gruselkabinett" ab. "Das Teufelsloch" zählt nicht zu den bekanntesten Geschichten des irischen Autors und ist streng genommen auch keine Grusel- oder Schauergeschichte, sondern eher ein Drama und hat eigentlich nichts in dieser Reihe verloren. Das schmälert sicherlich nicht den Inhalt dieser Erzählung, der sich mit den großen Themen der Menschheit wie Eifersucht, Liebe, Hass und dem Schicksal beschäftigt. Allerdings geht der Story jeglicher übersinnlicher Aspekt ab, sie wäre sicherlich als eigenständiges Hörspiel besser aufgehoben gewesen.


Nur wie wenigen anderen Geschichten innerhalb dieser Reihe gelingt es den Produzenten, die Emotionen der Hauptfiguren herauszuarbeiten und von der Vorlage ins Hörspiel zu übertragen: Ihr Bangen und Hoffen, ihre Verzweiflung und die tiefe Liebe zueinander und nicht zuletzt die Tragik ihres Handelns. Wer auf der Suche ist nach einer anspruchsvollen Literaturvertonung, braucht nicht länger zu suchen und kann "Das Teufelsloch" getrost in den Warenkorb legen. Die ausgewählten Musikstücke fangen sowohl den einsamen und rauen Charakter der Landschaft ein, spiegeln aber auch die widersprüchlichen Gefühle der Protagonisten gekonnt wider. Es braucht nur wenigen Minuten bevor man in Gedanken, dank der musikalischen Untermalung, ins vergangene Jahrhundert an die Küste Cornwalls  eintaucht.


Die Sprecher sind wie gewohnt gut gewählt und passen hervorragend zu ihren Charakteren. Besonderes Lob gebührt an dieser Stelle Marion Hartmann, Stefan Günther und Benedikt Weber, denen es mit ihren Stimmen gelingt, die gesamte Tragweite ihrer schicksalhaften Entscheidung einzufangen. Egal ob Freude, Hass, Eifersucht oder Trauer, es gelingt ihnen allein mit ihren Stimmen, diese Emotionen hinaus zu den Hörern zu tragen. Kompliment! In den Nebenrollen sind zwei große Namen der alten Hörspielgarde, Mogens von Gadow und  Niels Clausnitzer, an der Seite von Ingrid Steeger zu hören, die ebenfalls eine ordentliche Arbeit abliefern. Lediglich Erzähler Horst Naumann klingt an der einen oder anderen Stelle als sei er bei den Aufnahmen erkältet gewesen und nicht hundertprozentig bei Stimme. Die Geräusche fangen die maritime Kulisse dieser Geschichte gut ein und bieten alles auf, um den Hörer an die steilen Küsten Cornwalls zu entführen.


Das Cover ist dieses Mal etwas schlichter ausgefallen als üblich, passt aber mit den vielen dunklen und kalten Blautönen sehr gut zum schroffen und abweisenden Handlungsort. Dazu gibt es eine zentrale Szene des Hörspiels wieder und stellt einmal mehr das Können des neuen Coverkünstlers Ertugul Edirne unter Beweis. Erneut reiht sich eine interessante und auf höchstem Niveau produzierte Folge ins "Gruselkabinett" ein. Allerdings könnte die ausgewählte Geschichte den einen oder anderen Hörer enttäuschen, der auf eine klassische Gruselgeschichte des Großmeisters Bram Stoker gehofft hat und stattdessen eine Tragödie präsentiert bekommt. Handwerklich und inhaltlich einmal mehr eine der besten Serien die der Markt zu bieten hat.



# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien/Lübbe Audio





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