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Gruselkabinett 96 & 97

Seit einigen Wochen erschüttert eine Reihe von bizarren Todesfällen New York. Niemand hat eine Erklärung, was den scheinbar kerngesunden Menschen zugestoßen ist.

(C) Titania Medien / Gruselkabinett 96 & 97 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenNew York, die Stadt, die niemals schläft, hat bereits eine Menge absonderlicher Vorkommnisse erlebt. Die Bewohner der pulsierenden Metropole am Hudson River gelten allgemein als nur schwer zu beeindrucken, was seltsame und brutale Verbrechen durchaus mit einschließt. Auch Dr. Lowell, eine Kapazität auf dem Gebiet der Geisteskrankheiten, ist überzeugt, während seiner beruflichen Laufbahn bereits einer Vielzahl ungewöhnlicher Vorfälle beigewohnt zu haben. Vollkommen unerwartet wird er jedoch mit einem Fall konfrontiert, der alles bisher Erlebte in den Schatten stellt.


Am späten Abend wird ein Mann im Sanatorium von Dr. Lowell eingeliefert, der einige äußerst seltsame Symptome zeigt, die zu keinem bekannten Krankheitsbild passen wollen. Der neue Patient entpuppt sich als rechte Hand des bekannten New Yorker Unterweltbosses Julian Ricori. Dieser ist zutiefst besorgt um das Wohlergehen seines Mitarbeiters und bittet Lowell, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um seinen Adjutanten zu helfen. Er wird zudem von der Angst getrieben, einer seiner Konkurrenten könnte hinter dem merkwürdigen Zusammenbruch seines Gefolgsmannes stecken.


Doch sämtliche Bemühungen Dr. Lowells, den Mann zu retten, bleiben erfolglos, dieser verstirbt noch auf dem Behandlungstisch. Der Mediziner und die Unterweltgröße schließen einen Pakt, um in Erfahrung zu bringen, welches Geheimnis sich hinter der rätselhaftetn Angelegenheit verbirgt. Schnell stoßen sie auf eine ganze Reihe von unerklärlichen Todesfällen. Alle Verblichenen verbindet die Gemeinsamkeit, dass sie kurz vor ihrem Ableben mit einer Puppe aus dem Geschäft der undurchsichtigen Madame Mandilip in Berührung gekommen sind. Die beiden ungleichen Männer sind fest entschlossen, das Geheimnis der Puppen zu lösen. Sie können ja nicht ahnen, in welcher Gefahr sie sich durch ihre eigenmächtigen Ermittlungen bringen.


In den 1980ern und 1990ern erfreuten sich mordende Puppen, insbesondere auf der Leinwand, großer Beliebtheit und avancierten innerhalb weniger Jahre zum festen Bestandteil des Horrorfilm-Repertoires. Doch bereits einige Jahrzehnte zuvor gab es Geschichten, in denen unheilvolle, zum Leben erwachte Puppen den Menschen nach selbigem trachten. Zu dieser Kategorie zählt auch die Geschichte des amerikanischen Schriftstellers Abraham Merritt, die viele seiner späteren Nachfolger in Sachen Originalität und Spannung in den Schatten stellt.


Ebenso wie etwa Robert E. Howard oder H. P. Lovecraft verbindet Merritt Elemente der Kriminalliteratur und der Detektivgeschichte mit Motiven des Horrors und der Phantastik – unerklärliche, beunruhigende Ereignisse, die mit Voranschreiten des Plots immer weiter an Kontur gewinnen und die Realität der Figuren im zunehmenden Maße bedrohen. Die von Lowell und seinen Mitstreitern aufgenommenen Ermittlungen, wer oder was für die seltsame Todesserie verantwortlich zeichnet, ist ein klassischer Bestandteil vieler Kriminalromane mit dem Unterschied, dass hier kein normaler Krimineller, sondern ein übernatürlicher Gegenspieler zur Strecke gebracht wird.


Das Milieu, aus dem einige der Akteure der Geschichte und die Opfer der mordenden Puppen stammen, könnte sich so auch mühelos in einem Hard Boiled-Krimi wiederfinden. Ein undurchsichtiger Mediziner, der mit Figuren aus der Unterwelt verkehrt und ein Gangsterboss, der den Tod eines seiner Männer sühnen will, sind keine Unbekannten im Figurenkarussell  dieser Krimigattung. "Madame Mandilips Puppen" zeichnet sich durch eine enorm dichte Atmosphäre aus, der Hörer bekommt das Gefühl, unter ständiger Beobachtung zu stehen. Jeden Moment können die Puppen und ihre heimtückische Schöpferin wieder zuschlagen. Dazu kommen einige wirkliche gruselige Szenen, die den Rezipienten gefangen nehmen und ihm wirklich das bescheren, was er von einem Gruselhörspiel erwartet, eine amtliche Gänsehaut.


Zwar gibt es gegen Ende des ersten Teils einen leichten Spannungsabfall, was jedoch nicht weiter tragisch ist, da es gelingt, den Hörer über zwei Stunden immer wieder mit neuen Wendungen und unheimlichen Momenten zu fesseln. Nur wenige Hörspiele dieser Reihe können von sich behaupten, über eine derartige Kompaktheit zu verfügen, wie dieser Zweiteiler. Das ist natürlich nicht allein dem wirklich ansprechenden Plot der Geschichte geschuldet, sondern zu einem nicht unerheblichen Teil auch den anderen Komponenten, die ein gutes Hörspiel ausmachen.


Die musikalische Untermalung wechselt zwischen unheimlich bedrohlich anmutenden Klängen und eher melancholischen Soundcollagen, die weite Teile dieses Hörspiels begleiten und die dichte Atmosphäre noch verstärken. Hier fließen Wort und Musik zu einem schlüssigen Ganzen ineinander. Die Geräusche sind, wie so häufig in dieser Serie, eher dezent und sorgen für eine harmonische Abrundung der Geschichte. Hans-Georg Panczak ist im "Gruselkabinett" wahrlich kein Unbekannter, schließlich übernahm er bereits die Hauptrolle des Aylmer Vance in gleich vier Abenteuern innerhalb der Reihe und machte schon dort eine ausgesprochen gute Figur. Die Rolle des Nervenarztes Dr. Lowell scheint ihm jedoch direkt auf den Leib geschrieben worden zu sein. Man hat hier tatsächlich das Gefühl, dem Bericht einer realen Person zu folgen. Beeindruckend gut!


Helmut Krauss hat im Laufe seiner Sprecherkarriere schon den unterschiedlichsten Charakteren die Stimme geliehen, Gangster und Schurken waren jedoch eher die Ausnahme. Den in einer zwielichtigen Halbwelt beheimateten Gangsterboss Julian Ricori kauft man ihm zu jeder Zeit ab, unter der polierten Oberfläche verbirgt sich hier das Raubtier, das Krauss immer wieder kurz in seinen Dialogen aufblitzen lässt. Eine Rolle so zu interpretieren dürfte nicht jedem gelingen. Doris Gallert übernimmt die Rolle der geheimnisvollen und boshaften Madame Mandilip. Ihr gelingt es, durch die richtige Betonung und Wechsel in der Artikulation eine wirklich finstere Figur vor dem geistigen Auge des Hörers heraufzubeschwören.


Zu den genannten Sprechern gesellen sich weitere bekannte Namen wie Antje von der Ahe, Simon Jäger, Dietmar Wunder und Bodo Wolff, die ebenfalls alle zu überzeugen wissen. Bei der Besetzung der Rollen hat man wirklich ein glückliches Händchen bewiesen, denn hier passt wirklich alles. "Madame Mandilips Puppen" setzt ein neues Highlight in einer Reihe von guten Hörspielen und gehört definitiv in die "Gruselkabinett"-Top Ten, was bei über 90 Folgen für sich sprechen dürfte.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien/Lübbe Audio




 


 
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