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Gruselkabinett 86

Immer mehr Kinder verschwinden ohne jeglichen Hinweis. Welches Grauen sucht die kleine Stadt heim?

(C) Titania Medien/Lübbe Audio / Gruselkabinett 86 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenMichael Strang ist untröstlich. Seine Freundin Majory ist zutiefst betrübt, ihr geliebter Malteser-Kater Bozo ist von einem Tag auf den anderen verschwunden. Niemand kann sich einen Reim darauf machen, was ihm zugestoßen sein könnte. Michael ist nicht bereit, tatenlos zuzuschauen, und begibt sich auf die Suche nach der nicht mehr auffindbaren Katze. Diese führt ihn auch zu einem abgelegenen Haus in der Nachbarschaft. Die Überraschung ist groß, als Strang feststellt, dass der düstere alte Kasten wieder bewohnt ist.


Der neue Besitzer entpuppt sich als älterer, etwas seltsam anmutender Mann, der aufgrund einer schweren Erkrankung sein Haus kaum verlassen kann. Trotz der vergeblichen Suche nach Bozo freundet sich Michael mit dem von der Ostküste zugezogenen Alten an. In den kommenden Wochen besucht Michael den neuen Nachbarn regelmäßig, es entsteht scheinbar eine fragile Freundschaft zwischen den beiden Männern. Dann verschwinden erneut, in kurzer Folge, weitere Hunde und Katzen auf den Straßen der Kleinstadt. Die Menschen sind beunruhigt.


Doch dann erfahren die Vorkommnisse eine dramatische Steigerung. Ein kleiner Junge kehrt von Spielen nicht zurück nach Hause. Das Kind ist trotz intensiver Suche unauffindbar. Die Stadt verfällt in einen Schockzustand, denn innerhalb weniger Tage verschwinden weitere Kinder. Michael ist besorgt, sein neuer Freund könnte ebenfalls ein Ziel des unbekannten Entführers werden, schließlich kann er das Haus kaum verlassen. In einer dunklen Nacht scheinen sich seine schlimmsten Befürchtungen zu bewahrheiten.


Mit "Die Kreatur" kehrt ein alter Bekannter ins "Gruselkabinett" zurück und gibt, zum bereits sechsten Mal, seine Visitenkarte ab.  Neben H. P. Lovecraft zählt Robert E. Howard, der geistige Vater Conans, sicherlich zu jenen Autoren innerhalb der Serie, deren Geschichten von einer düsteren und geheimnisvollen Grundstimmung geprägt sind. "Die Kreatur" macht hier keine Ausnahme, und obwohl sicherlich weit mehr als die Hälfte der Geschichte in eher ruhigen Fahrwassern verläuft, kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass hinter jeder Ecke das Grauen zu lauern scheint.


Die Spannungskurve baut sich nur langsam auf, entlädt sich dafür aber in einem furiosen Finale, das auch dem bereits erwähnten H. P. Lovecraft gut zu Gesicht gestanden hätte. Die Geschichte ist von einer großen Geradlinigkeit gekennzeichnet und bewegt sich ohne Winkelzüge und Nebenschauplätze konsequent in Richtung Höhepunkt. Einige werden nun sicherlich rufen, dass die Story so an Originalität verliert und der Ausgang recht schnell zu erahnen sei, all jenen sei empfohlen, einen Blick auf den Entstehungszeitpunkt der Handlung zu werfen. Zur damaligen Zeit waren viele Plots, die uns heute bekannt sind noch kein Thema.


Trotz des stolzen Alters von über 80 Jahren schafft es die Hörspieladaption von "Die Kreatur", einem eine ausgewachsene Gänsehaut auf den Körper zu zaubern. Ohne jeden Zweifel zählt die vorliegende Episode zu den atmosphärisch stimmigsten Veröffentlichungen, die die Reihe in der letzten Zeit zu bieten hatte, was sicherlich auch dem Umstand geschuldet sein dürfte, dass hier gehalten wird, was einem der Titel der Serie verspricht, nämlich angenehmen und wohligen Grusel.


Die Musik ist, wie so oft im "Gruselkabinett", auch hier fast permanent im Einsatz und trägt einen nicht unwesentlichen Anteil daran, eine unterschwellig unheimliche Grundstimmung zu kreieren. Alle verwendeten Stücke sind im klassischen oder filmischen Soundtrack-Bereich angesiedelt und unterstützen das eigene Kopfkino in vorbildlicher Art und Weise.


Fünf Sprecher, mehr bedarf es nicht, um eine Gruselgeschichte zu inszenieren, die diesen Namen auch verdient und es trotz aller Limitierung schafft, die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuerhalten. Wenn es dann noch gelingt, eine der markantesten Synchronstimmen Deutschlands zur Mitarbeit zu bewegen, kann eigentlich nicht mehr allzu viel schiefgehen.


So kommt der Hörer im Falle von "Die Kreatur" in den Genuss, die Stimme von Manfred Lehmann alias Bruce Willis in einer Hauptrolle genießen zu dürfen. Dazu kommt ein glänzend aufgelegter Jannik Endemann, dem die Verkörperung der Hauptfigur Michael Strang zufällt, und eine nicht minder gut aufgelegte Maximiliane Häcke in der Rolle der Majory. Abgerundet wird die gut gewählte Besetzung von Hasso Zorn, der mittlerweile zum Stammensemble des "Gruselkabinett" zählt.


Robert E. Howards Geschichten sind trotz ihres Alters definitiv eine Bank. Alle bisherigen, von ihm stammenden Veröffentlichungen konnten ohne Wenn und Aber überzeugen. Hier wird das Versprechen auf gute Unterhaltung und wohliges Gruseln auch eingelöst. Bleibt eigentlich nur eines zu sagen: Weiter so, Titania Medien!


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien/Lübbe Audio




 


 
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