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Audiobook-Review: Gruselkabinett-Box 1 (Titania Medien/Lübbe Audio)

Diese Hörspielbox vereint drei wunderbare Vertonungen klassischer Meisterwerke der schönen Schauerromantik-Literatur, die einfach in keiner Sammlung fehlen dürfen.

Rezension Gruselkabinett Box 1 Cover (C) Titania Medien/Lübbe Audio / Zum Vergrößern auf das Bild klickenTitania Medien hat es sich seit Jahren zur Aufgabe gemacht, klassische Schauergeschichten in atmosphärische Hörspiele mit Gänsehaut-Garantie zu verwandeln. Im Jahr 2004 beginnt die Erfolgsgeschichte der Hörspielreihe mit "Carmilla, der Vampir", nach einer Erzählung von J. S. Le Fanu (1814-1873).


"Carmilla, der Vampir"

Ein alterwürdiges Schloss mitten in der Steiermark ist das Zuhause der jungen Laura. Ihr Vater, ein ehemaliger General dessen Frau bereits verstorben ist, versucht es seiner Tochter an nichts fehlen zu lassen. Eines Nachts erwacht Laura aus tiefen Schlaf und findet eine andere junge Frau in ihrem Zimmer vor. Sie übt eine magische Anziehung aus, der sich Laura nicht entziehen kann. War etwa alles nur ein Traum?


Drei Jahre später verunglückt eine Kutsche vor dem Schloss. Eine geheimnisvolle Dame ist gezwungen ihre junge Tochter in der Obhut der Schlossbewohner zu lassen, denn die Reise duldet keinen Aufschub. Das fremde Mädchen namens Carmilla scheint von den Strapazen der Reise sehr geschwächt zu sein und wird im Schloss wieder gesund gepflegt. Laura schließt mit ihr schnell Freundschaft, doch der drei Jahre zurückliegende mysteriöse Vorfall beschäftigt sie. Ist Carmilla das Mädchen aus jener Nacht? Merkwürdige Ereignisse häufen sich plötzlich und eine todbringende Krankheit treibt ihr Unwesen in der Umgebung. Man erzählt sich ein Gerücht von einem Vampir, der die Gegend unsicher machen soll. Als schließlich Laura selbt krank wird und zwei nadelgroße Einstiche am Hals hat, verdichten sich die Indizien. Ist alles nur ein Zufall oder steckt doch mehr dahinter?


Die Novelle von J. S. Le Fanu hatte starken Einfluß auf Bram Stokers Dracula und ist ein Meisterwerk der morbiden Gruselunterhaltung. Als Zuhörer ist der rote Faden ständig gegenwärtig, das Ende der Geschichte immer erahnbar, aber die langsame, sich sukzessive entwickelnde Handlung ist überaus spannend. Fast behutsam wird man im Spannungsbogen weitergetragen, blutverspritzende Splatterszenen fehlen zur Gänze. Die hervorragenden Stimmen der Sprecher tragen sehr viel zur tollen Stimmung bei. In Zeiten von inflationärer Brutalität und Horror-Fast Food kommt der subtile, traumwandlerische Horror gerade rechtzeitig für ausgehungerte Gruselgourmets.


"Das Amulett der Mumie"

Bram Stoker ist vor allem für den literarischen Dracula bekannt, doch auch der Vater des transsilvanischen Obervampirs konnte sich der Faszination Ägyptens, der untergegangenen Kultur voller Rätsel und den geheimnisvollen Mumien nicht entziehen. "Das Amulett der Mumie" wurde schon mehrmals verfilmt, ist aber dennoch eine eher unbekannte Geschichte Stokers. London, im Jahr 1904: Abel Trelawny ist ein leidenschaftlicher Ägyptologe, sein Spezialgebiet sind Mumien. So ist es auch nicht verwunderlich dass das Haus des Witwers, das er mit seiner Tochter Margaret bewohnt, viele Artefakte beherbergt. Das Herzstück seiner Sammlung ist die Mumie der Königin Tera.


Eines Abends findet Margaret ihren Vater bewusstlos und verletzt in seinem Arbeitszimmer vor. Er hat tiefe Kratzspuren an den Unterarmen, die von einer großen Katze stammen könnten. Der Hausarzt versorgt Trelawny und ein Polizist wird mit der Aufklärung des Vorfalls betraut. Alles wird noch mysteriöser, als man auf die Anweisungen des Ägyptologen stößt, was in solch einem Fall zu tun sei. In einem unbeobachteten Moment kommt es zu einem erneuten Zwischenfall. Die Gruppe ist ratlos und langsam gerät Margaret in den Verdacht ihrem Vater geschadet zu haben.


Erst ein alter Freund Trelawnys kann Anhaltspunkte liefern, als er von der Ausgrabung der Königin Tera berichtet. Diese geschah im selben Moment, als Margaret geboren wurde und die Mutter verstarb. Die mächtige Königin scheint immer noch Macht zu besitzen und nichts mehr ist so wie es war. "Das Amulett der Mumie" ist sehr spannend inszeniert. Die gelungen Hintergrundgeräusche und die Musik steigern die dichte Atmosphäre enorm. Auch die Sprecher sind erneut hervorragend und verleihen den Figuren die nötige Färbung und Glaubhaftigkeit. Die Geschichte spielt in nur wenigen Räumlichkeiten und die Anwesenheit des Täters fesselt ungemein, obwohl auch diese Geschichte ein vorhersehbares Ende bereithält.


"Die Familie des Vampirs"

Der dritte Teil der Hörspielreihe führt die Linie konsequent fort. "Die Familie des Vampirs" entstammt der Feder des russischen Schriftstellers Alexei Konstantinowitsch Tolstoi, einem Cousin des bekannten Leo Tolstoi. A. K. Tolstoi setzt mit seiner Erzählung dem osteuropäischen Volksglauben des Vampirismus und der Widergänger ein würdiges Denkmal. Wir schreiben das Jahr 1815. In Wien trifft sich eine Gruppe von Diplomaten im Anwesen der Fürstin Schwarzenberg, um sich mit Geschichten zu unterhalten. Am heutigen Abend ist der Pariser Marquis Serge d´Urfé an der Reihe, der seine eigene Geschichte vorträgt, eine wahre Begebenheit. Im vorrevolutionären Paris des Jahres 1788 hat sich der Marquis in die schöne Isabelle verliebt, doch leider scheint sie sein Gefühl nicht zu erwidern. Serge beschließt sich auf eine diplomatische Mission nach Serbien versetzen zu lassen, um dem Liebeskummer zu entkommen. Vor seiner Abreise gesteht Isabelle jedoch ihre Liebe und schenkt Serge ein Kruzifix aus Silber.


Seine Reise ist lang und beschwerlich, der harte Winter und hungrige Wölfe zwingen den Reisenden Schutz in einem kleinen Dorf in Serbien zu suchen. Bei der Familie des alten Gortscha findet er Obdach, doch Serge staunt nicht schlecht, als ihm Zdenka die Tür öffnet, eine Ebenbild seiner geliebten Isabelle. Zdenka lebt mir ihren zwei Brüdern, ihrer Schwägerin und ihrem Enkel unter dem Dach ihres Vaters. Sie bieten Serge ihre Gastfreundschaft an, doch die Stimmung ist gedämpft, denn Gortscha ist ausgezogen um den Räuber Alibeg zu töten. Der ist ein gemeiner Wurdelak, ein Wiedergänger und eine Abart von Vampiren, die ausschließlich das Blut der eigenen Familie trinken wollen. Gortscha hat seiner Familie eingebläut, ihm nach Ablauf einer Frist von zehn Tagen nicht mehr Einlass zu gebieten, da er dann selbst zum Wurdelak geworden ist. Beim letzten Glockenschlag des nahen Klosters, am zehnten Tag zu Mitternacht, klopft es an der Tür und ein miesgelaunter Gortscha verlangt in sein Haus gebeten zu werden. Die unheilvolle Handlung nimmt ihren Lauf und der Ausgang verfolgt Serge bis ins Wien des Jahres 1815.


Die Geschichte von A. K. Tolstoi ist sehr spannend. Neben der interessanten Erzählung des Wurdelak-Mythos hat Tolstoi auch eine sozial- und politikkritische Parabel an der Gesellschaft Frankreichs nach der Revolution versteckt. Titania Medien hat auch den dritten Teil der Hörspielreihe hervorragend inszeniert, vor allem die Musik und Geräusche fügen sich perfekt in die Geschichte ein. Besonders die weibliche Besetzung der Zdenka/Isabelle und ihrer Schwägerin Polina, ebenso wie die charismatische Synchronstimme von Johnny Depp sind hervorzuheben. "Die Familie des Vampirs" ist für mich der Höhepunkt der vorliegenden Box. Titania Medien wurde für die ersten drei Hörspiele mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Nyctalus-Preis 2005, dem Kritiker-Hörspiel-Award in Gold und dem Publikums-Award in Silber. Die gesamte Box bietet Hörgenuss auf höchsten Niveau mit tollem Gruselfeeling, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.



# # # Andreas Himmetzberger # # #





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