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Book-Review: Michael Jackson (Heel)

"Die ultimative Biographie" über den größten Popstar aller Zeiten wird uns versprochen. Kann Autor J. Randy Taraborelli diesen Anspruch des deutschen Verlegers mit seinem Mammutwerk auch erfüllen?

Cover Michael Jackson (C) Heel Verlag / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEin Jahr nach dem Tod des "King of Pop", von dessen Alben in der Zwischenzeit übrigens posthum weitere 33 Millionen Stück abgesetzt wurden, hat der Heel Verlag die aktualisierte Biographie von J. Randy Taraborrelli neu aufgelegt. Der Musikjournalist hat Michael Jackson seit seinen frühen Gehversuchen im Showbiz gemeinsam mit den "Jackson Five" begleitet und kennt die Familienmitglieder wohl so gut wie kaum ein anderer. Das ist auch bitter nötig für eine annähernd objektive Darstellung des Lebens eines Mannes, der seit seiner Kindheit im Blickpunkt der Öffentlichkeit stand und sein Image sowie die Außenwirkung seiner Person stets im Griff haben wollte.


Alles beginnt natürlich in ärmlichen Verhältnissen in Gary, Indiana. Vater Joe Jackson rackert sich für Frau und Kinder ab, erkennt früh das musikalische Talent seines Nachwuchs und beginnt es nach Kräften zu fördern. Und das nicht nur mit Worten, sondern auch mit handfesten Taten: Nicht zuletzt der sensible Michael, der sich kraft seiner herausragenden Fähigkeiten schnell in den Mittelpunkt der jungen Gesangstruppe schiebt, bekommt das zu spüren. Es folgen erste Triumphe der "Jackson Five" bei lokalen Wettbewerben, stundenlanges Proben bis zur Erschöpfung, ganze Wochenenden "on the road" – das alles unter den Fittichen des despotischen Vaters. Nach einer relativ erfolglosen Zeit bei Steeltown Records dann 1969 der Durchbruch: Ein Plattenvertrag beim berühmten Soul-Label Motown, ein Name der jedem schwarzen Künstler in diesen Jahren auf der Zunge zergeht. Die fünf Kids werden zu Stars mit mehreren erfolgreichen Singles und Alben in den Charts.


Michael als Leadsänger versucht schon früh, sich von seiner Familie zu emanzipieren, was sich angesichts der Dominanz Joes als schwierig erreicht. Spätestens mit seinem fünften Soloalbum "Off The Wall" im Jahr 1979 schafft er das, mit dem Megaerfolg "Thriller" schreibt er Musikgeschichte und wird zum unumstrittenen Megastar. Dann aber erhält das Erfolgsportrait erste, anfangs noch harmlose Brüche: Jackson selbst zimmert sich ein Image zurecht, das mit von ihm erfundenen Storys die reißerische Presse versorgt und ihn über die Jahre zu "Wacko Jacko" werden lässt: In diese Zeit fallen die Geschichten um die Sauerstoffkammer, in der er schlafen würde, oder um die Knochen des Elefantenmenschen Joseph Merrick, die er angeblich kaufen wollte, sein berühmter Affe Bubbles und so weiter. Nichtsdestotrotz landet der Perfektionist weiter Hits, auch wenn er mit "Bad" und "Dangerous" seinen eigenen Verkaufsrekord nie mehr einholen kann.


In den 1990er Jahren schließlich verliert der Mann, der Zeit seines Lebens seiner verlorenen Kindheit nachgelaufen ist, seine Unschuld in den Augen der Medien. Die durch einen Millionenbetrag abgewandte Anklage wegen Missbrauch am jungen Jordan Chandler versetzte Jackson einen Imageschaden, den er nie wieder ausbügeln konnte. Die tendenziöse Dokumentation "Living With Michael Jackson" von Martin Bashir 2003 führte schließlich zur Anklage Jacksons – und zu einem Prozess, aus dem er trotz Freispruchs in allen Punkten als gebrochener und gedemütigter Mann hervorging. Umso überraschender war kam für viele dann 2009 wenige Monate vor seinem Tod die Ankündigung seiner Comeback-Konzerte, die gleichzeitig seinen Abschied von der Bühne und die finanzielle Rettung vor den überbordenden Schulden sein sollten.


J. Randy Taraborelli schreibt in einem fesselnden, gut zu lesenden Stil und punktet vor allem mit der Darstellung der frühen Tage der Jackson-Familie in Gary, Indiana und dem mühsamen Aufstieg ins Rampenlicht der Musikindustrie. Am umfangreichsten werden dabei die 1980er Jahre abgehandelt, die aufgrund des bombastischen "Thriller"-Erfolgs auch der unerreichbare Höhepunkt in der Karriere des "King of Pop" war. Besonders interessant sind dabei auch die Differenzen und Rangeleien innerhalb der Familie, die vom unglaublichen Ruhm des großen Sohnes so viel wie möglich profitieren wollte und ihn ständig mit Tournee- und Revival-Plänen zu den "Jackson Five" bedrängte. Den Großteil der folgenden Kapitel zu den 1990er und 2000er Jahren nehmen dann auch die Missbrauchsvorwürfe ein, die die musikalischen Arbeiten Jackos nicht nur in der medialen Wahrnehmung überlagerten und auszublenden drohten.


Die Ereignisse zwischen Jacksons Freispruch und seinem Tod werden in einem nachträglich eingefügten Abschnitt behandelt, leider in aller Kürze. Der Autor gibt dabei aber auch unumwunden zu, dass ihn nach den teils skurrilen Geschehnissen rund um das Gerichtsverfahren und die andauernde Uneinsichtigkeit des "King of Pop", was den Umgang mit Kindern in der Öffentlichkeit betrifft, die Lust verlassen hat sich mit dem abgehalfterten Star eindringlicher zu beschäftigen. Es bleibt also in dieser Hinsicht bei der vermehrten Rezeption vom Hörensagen, das sich auch in den vorangegangen Kapiteln eingeschlichen hat. Zu oft werden Dialogpassagen zwischen Jacko und anderen wiedergegeben, bei denen man sich fragt ob sich diese auch nur annähernd so zugetragen haben. Dieser Regenbogenpresse-Anstrich schmälert den Genuss an diesem ansonsten soliden Werk, ebenso dass die Übersetzung diverse Schnitzer des Originals nicht ausgebessert hat – so wechselt der junge Chandler seinen Vornamen teilweise von Jordie auf Jordy oder die Tschechoslowakei existiert Mitte der 1990er Jahre immer noch. Nichtsdestotrotz bietet Taraborelli Buch einen passablen und empfehlenswerten Einstieg in die mythenumrankte Welt des größten Popstars aller Zeiten.



# # # Andreas Grabenschweiger # # #





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