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Comic-Review: Tokyo Inferno 1 & 2 (Tokyopop)

Die von einem schweren Erdbeben erschütterte japanische Hauptstadt wird zum Schauplatz eines dramatischen Überlebenskampfes inmitten von Chaos und Anarchie.

Cover Tokyo Inferno 1 (C) Tokyopop / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer große Tag für den 21-jährigen Student Jin Mishima ist gekommen: Heute, am 23. Februar, will er sich beim Fernsehsender ALPS TV in Tokio um einen Job bewerben, doch ist noch etwas zu früh dran für die entsprechende Informationsveranstaltung. Die Zeit vertreibt er sich mit einem Spaziergang, bei der er zufällig eine alte Bekannte aus der Schulzeit wiedertrifft. Nanako ist jedoch äußerlich stark verändert und hat sich in eine fanatische Anhängerin der Gothic-Band Sarin Helnwein verwandelt, deren letzter Auftritt vor der Auflösung bevorsteht. Jetzt steht sie aber ohne Ticket da und gerät noch dazu in Bedrängnis durch ihre Clique, aus der ihr Jin hilft. Die Wege der beiden kreuzen sich kurze Zeit später wieder und enden im Streit über die jeweiligen Perspektiven im Leben – bis sich Jin daran erinnert dass Nanako einst von ihren Klassenkameraden massiv gemobbt worden ist und sich auf die Suche nach ihr macht.


Wie sich zeigt, gerade rechtzeitig: Ein gewaltiges Erdbeben der Stärke 8 nach der Richterskala lässt sekundenlang die Erde beben! Nach dem ersten Schock finden sich die beiden in einem Albtraum wieder. Brücken und Gebäude sind schwer in Mitleidenschaft gezogen, die Straßen teilweise durch das an die Oberfläche gedrückte Grundwasser überflutet worden. Jin und Nanako versuchen sich einen Weg durch das Chaos zu bahnen, um zu ihren Familien gelangen zu können. Ein nahegelegenes Einkaufszentrum ist zu großen Teilen eingestürzt, in den Trümmern liegen unzählige Tote und Verletzte. Jin nimmt sich ein Herz, leistet Erste Hilfe und begibt sich ungeachtet der Gefahr auf die Suche nach Überlebenden.


Nachdem er einer alten Frau den Enkel zurückgebracht hat, Cover Tokyo Inferno 2 (C) Tokyopop / Zum Vergrößern auf das Bild klickenmacht er sich mit Jin daran zur Rainbow Bridge und über sie in das Stadtzentrum zu kommen. Die physischen und psychischen Belastungen machen sich schnell bemerkbar, Hunger und Durst nagen an den beiden. In die angespannte Atmosphäre platzt dann die resolute Rika, die sogleich Nanakos Misstrauen erweckt. Zu dritt kämpfen sie sich durch die Stadt, in deren Straßen blanke Anarchie ausgebrochen ist: Geschäfte werden auf der Suche nach Nahrungsmitteln und Kleidung geplündert, Wuchergeschäfte gemacht und kriminelle Gangs sind angesichts der fehlenden Staatsmacht außer Kontrolle geraten. Die Menschen fühlen sich im Stich gelassen, was sich andere wiederum zunutze machen – so etwa die Sekte, in deren Fänge Jin gerät während Nanko und Rika in einem Einkaufszentrum festsitzen, das von einem wütenden Mob gestürmt wird.


"Tokyo Inferno" atmet spürbar die Luft seiner Vorlage, die als Katastrophenroman in Anleitungsform erschienen ist. Eingeflochten in die Erzählung sind wissenschaftlich untermauerte Infos und nützliche Ratschläge, wie man sich im Fall eines Erdbebens verhalten sollte. Usumaru Furaya verwendet dieses Gerüst, um seine Geschichte zu entfalten, die immer wieder Bezug auf tatsächliche Geschehnisse nimmt und so zu keinem Zeitpunkt in allzu unrealistische Gefilde abzudriften droht. Das fiktive Setting bietet Furaya eine hervorragende Gelegenheit, Charakterstudien seiner Figuren im Lichte einer Extremsituation anzustellen. Anarchie und Panik werden eindringlich dargestellt, die Ungewissheit der Überlebenden, was die nächsten Stunden wohl bringen, fühlbar gemacht. Selbst vor der drastischen Darstellung von Vergewaltigungen, die leider Gottes nur allzu oft Ausdruck der Verrohung des Menschen in Zeiten von Not und Hunger sind, wird nicht zurückgeschreckt. Nicht zuletzt durch diesen Aspekt erreicht die Handlung einen beängstigenden Realitätsgrad. Furuyas Artwork kann getrost als untypisch bezeichnet werden, was aber vor allem bei den teilweise ins Expressionistische übergesteigerten Szenen unmittelbarer Bedrohung für Jin und seine Gefährten hervorragend zur Geltung kommt. "Tokyo Inferno" bietet eine spannende Geschichte und ist auf jeden Fall einen Blick wert.



# # # Andreas Grabenschweiger # # #





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