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Comic-Review: Jonah Hex 2 (Panini)

Jonah Hex, der entstellte Rächer, zieht wieder als personifizierte Rache durch den staubigen Westen, um stinkenden Ganoven den Angstschweiß ins dreckige Antlitz zu treiben.

Cover Jonah Hex 2 (C) Panini / Zum Vergrößern auf das Bild klickenJonah Hex ist seit den frühen 1970er Jahren ein aufsteigender Fixstern in der mit blauen Bohnen umkämpften Nische der Western-Comics. In den vergangenen Jahrzehnten, wie es wohl für das Westerngenre im Allgemeinen als Muster zu erkennen ist, erlebte der einsame Held einige Flauten und kämpfte sich immer wieder zurück in die Aufmerksamkeit der Leserschaft. Nachdem Jonah Hex in 1980 Jahren in eine von Mutanten und Robotern beherrschte Science-Fiction-Zukunft verbannt wurde, sackte das Interesse stark ab.


Der bei der Leserschaft in Ungnade gefallene Charakter feiert allerdings seit dem Jahr 2005 seine Auferstehung, unter der Schirmherrschaft des Comicverlags DC wurde eine neue Serie gestartet. Das Autorenduo Jimmy Palmiotti und Justin Gray wurde mit dieser heiklen Aufgabe betreut, die sich bereits mit den ersten sechs Geschichten durchaus als erfolgreich herausstellte. Auch im zweiten Sammelband sind wieder sechs kurzweilige Rachemissionen des missmutigen Rächers vereint. Tony Dezuniga, schon im Auftaktband "Zeit zum Sterben" an Bord, konnte erneut als Zeichner gewonnen werden.


Jonah Hex zieht in "Rächende Colts" wie immer alle möglichen Ungerechtigkeiten magnetisch an. So wird etwa eine Hochzeitsgesellschaft von einem verschmähten Liebhaber und seiner Bande überfallen, die Bräutigam und Gäste erschießen. Der Kopfgeldjäger nimmt umgehend die Verfolgung auf und gerät in die dunklen Machenschaften eines gierigen Mannes, der in Blood Creek mit seinen Anhängern mordet, um an die Ölreserven zu kommen. Hex kann diese Ungerechtigkeit natürlich nicht dulden und zeigt, dass unkontrollierte Gier nach dem schwarzen Gold nicht gesund ist.


Außerdem bekommt er es mit alten Bekannten zu tun. Jake Clevenger, ebenfalls ein Kopfgeldjäger, rettet sich schwer verletzt in eine Stadt. Er unterstellt einer französischen Reisegruppe, ihn und seine Kumpanen grundlos angegriffen zu haben. Der Sheriff zögert nicht lange und teilt Sterne an seine neuen Hilfsheriffe aus, um die Stadt vor einem drohenden Angriff zu beschützen. Und wirklich, wenig später kommt die Gruppe in die Stadt, völlig aufgelöst und verärgert. Jonah Hex erkennt im letzten Moment die wahre Natur von Jake, doch durch ein Mißverständnis kommt es zur Katastrophe und die Straße ertrinkt im Blut der Leichen.


Die zwei interessantesten Geschichten sind allerdings "Der vertriebene Fluch" und "Alligatormenü". In ersterer gerät ein unschuldiges Mädchen in eine Auseinandersetzung zwischen Hex und gesuchten Verbrechern, die sie nicht überlebt. Unser abgebrühter Revolverheld wird jedoch von Schuldgefühlen geplagt. Als er das Grab der Kleinen besucht, gerät er in den Hinterhalt der mit den Waffen einer Frau kämpfenden Mutter, die einzig auf Rache aus ist. Doch lässt sich Jonah Hex wirklich so einfach überlisten, oder ist es der Plan eines cleveren und einfühlsamen Mannes, der Mutter inneren Frieden zu verschaffen? In "Alligatormenü" bekommt es Hex mit einer degenerierten Inzuchtfamilie in den Sümpfen der Südstaaten zu tun. Diese macht sich einen Spaß daraus, zufällig an ihrem Grundstück vorbeikommende Reisende an ihre Alligatoren zu verfüttern. Aber mit Hex hat sich der White-Trash-Haufen ein schlagkräftiges Futterobjekt ausgesucht, das sogar den Reptilien noch das Fürchten lehrt.


Auch die Wanderzirkustruppe, die schon im ersten Sammelband den Weg mit Jonah Hex kreuzte, bekommt es erneut mit ihm zu tun. Diesmal ergeht es Hex aber schlecht, denn die verärgerte Zirkustruppe überwältigt ihn und macht sich daran ihn aufzuhängen. Im letzten Moment kommt "El Diablo", seines Zeichens ebenfalls ein Rächer der Ungerechtigkeiten und alter Bekannter von Hex, und schneidet ihn los. Im Verlauf der Geschichte muss er erkennen, dass seine Auffassung von Gerechtigkeit nicht immer die besten Konsequenzen für alle Beteiligten nach sich zieht.


Dezunigas rauer Stil passt perfekt zu den brutalen Abenteuern und der degenerierten Gesellschaft, wie sie in Jonah Hex` Version des Wilden Westen portraitiert wird. Die übrigen Geschichten stammen wieder aus der Bleistiftspitze des talentierten Luke Ross, der mit seiner klaren Strichführung und dynamischen Panels viel Leben in die Geschichten bringt. Die Autoren bedienen zwar einige altgediente Klischees des Wilden Westens, schaffen es aber meistens den Geschichten einen relevanten Bezug zur Gegenwart zu geben. Andererseits verlieren Themen wie Rassismus, Geldgier, Unterdrückung von Minderheiten oder Gewalt niemals an Aktualität. So mag das Westerngenre mit seinen eindeutigen Werten und ausgeübter Selbstjustiz in Zeiten von Krisen eine gewisse Stabilität etablieren, die längst abhanden gekommen zu sein scheint. Jonah Hex kämpft weiter erfolgreich gegen Ungerechtigkeiten dieser Welt und manchmal auch mit sich selbst, was eine andere Facette des grobschlächtigen Revolverhelden aufzeigt. Auch der zweite Sammelband weiß gut zu unterhalten. Das Herz eines Westernfans schlägt bei den lebhaft in Szene gesetzten Schusswechseln jedenfalls im Rhythmus der Kriegstrommeln.



# # #  Andreas Himmetzberger  # # #





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